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Angst und wie sie gemacht wird
22.01.2004









Am Mittwoch berichtete der Spiegel unter dem Titel "Die Angst vor dem irakischen Chomeini" über den shiitischen Iraker Großayatollah Ali al-Husaini al-Sistani.

Der Tatsache, daß "er vergangene Woche US-Gesandte abblitzen ließ, die seine Unterstützung gewinnen wollten" und deshalb "nicht nur US- Zivilverwalter Paul Bremer in Bagdad nicht mehr weiter" wußte sondern ebenso das Weiße Haus wird in dem Artikel ausführlich erläutert, der dabei von einem "aufsässigen Geistlichen" spricht.

Daß al-Sistani nur das einfordert, was - zumindest zeitweise im Wechselbad der amerikanischen Kriegsbegründungen - von den USA öffentlich als Grund für den Einmarsch im Irak dargestellt worden ist, wird dabei nur verklausuliert gesagt. "Sollte die Bush-Regierung Sistanis Wünschen nicht nachkommen und in diesem Jahr keine Wahlen für eine vollverantwortliche irakische Regierung zulassen, wird der Großajatollah den Besatzungsmächten voraussichtlich das Präsenzrecht absprechen", heißt es da.

Dabei könnte seine Forderung kaum klarer sein. Er lehnt die amerikanischen Pläne ab, daß die zukünftige irakische Regierung, die die irakische Verfassung entwerfen soll, eben nicht durch allgemeine Wahlen eingesetzt werden soll. Er hingegen fordert eben gerade direkte und landesweite Wahlen.

Auch weitere Formulierungen lassen kaum einen Zweifel daran, in welchem Licht al-Sistani hier dargestellt wird. Nicht nur, daß er ein "Heer von Anhängern" hat - ein Angriff scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein - außerdem habe er ein "verblüffende optische Ähnlichkeit mit Ajatollah Chomeini". Anscheinend ist es dem Spiegel bisher leider nicht gelungen, die Sternzeichen der beiden Männer in Erfahrung zu bringen, um zu sehen, ob es auch hier womöglich Übereinstimmungen gibt.

Der vom Spiegel mit einem veröffentlichten Photo al-Sistanis vermittelte Eindruck scheint die bisher gewonnenen Gefühle zu bestätigen.


Spiegel/Reuters


Das als Reuters-Material gekennzeichnete Bild zeigt das Gesicht eines blassen, hageren Mannes mit finsterem Blick und einem tiefschwarzen Turban.

Die in anderen medien veröffentlichten Bilder al-Sistanis vermitteln allerdings nicht unbedingt den Eindruck, hier dem absolut Bösen ins Angesicht zu blicken.


IslamOnline (IOL)


Selbst eine andere Version des vom Spiegel verwendeten Bildes weckt weniger starke Gefühle.


IslamOnline

Dieser Unterschied rührt vorrangig daher, daß das von IslamOnline veröffentlichte Bild wesentlich farbiger ist, wie im direkten Vergleich klar wird.

Bilder von der Website al-Sistanis sind zwar sicherlich auch nicht wirklich als objektiv zu bezeichnen, markieren dafür aber auch den anderen Rand des möglichen Spektrums.


Sistani.org


Sicherlich wird al-Sistani von den US-Besatzern derzeit als Stachel im Fleisch ihrer Pläne für die Zukunft des Iraks betrachtet, die Frage, welcher von beiden Seiten eine demokratische Zukunft des Iraks tatsächlich mehr am Herzen liegt, ist derzeit allerdings wesentlich weniger eindeutig zu entscheiden, als es der Artikel darstellt.

Bisher kann es zwar tatsächlich nicht ausgeschlossen werden, daß er hofft, für den Irak eine dem Iran zumindest ähnliche Staatsform verwirklichen zu können, andererseits ist es ebenso wahrscheinlich, daß er angesichts der vielen von den USA gebrochenen Versprechen die Geduld verliert.

Außerdem sollte die Frage, mit welchem Recht dem Irak eine "westliche Demokratie" aufgezwungen werden könnte wenn die Mehrheit der Bevölkerung sich für eine andere Staatsform entscheiden sollte, nicht außer Acht gelassen werden.





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