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Vergraben und vergessen
28.01.2004









Während viele Länder der Erde mittlerweile bemüht sind, ihren Energieverbrauch zu senken und den Bedarf aus alternativen Quellen wie Windkraft zu decken, planen die USA, einen anderen Weg zu gehen, um der Erderwärmung entgegenzuwirken.

Die globale Erwärmung ist - zumindest ist sich die Mehrheit der Wissenschaftler in diesem Punkt einig - eine Folge des gestiegenen Kohlendioxidausstoßes, der wiederum vorrangig durch die Verbrennung fossiler Energiequellen wie Öl und Kohle verursacht wird.

Einer Pressemitteilung des US-Energieministeriums zufolge befindet sich ein Versuchsprojekt zur Einlagerung von verflüssigtem Kohlendioxid in leeren Öllagerstätten in Planung. Der Testbetrieb der in den Rocky Mountains gelegenen Anlage soll im Jahr 2006 beginnen und 7 bis 10 Jahre lang 2,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) jährlich einlagern. Der Gesamtausstoß wurde für das Jahr 2002 von der zuständigen US-Behörde auf 5,3 Milliarden Tonnen geschätzt (Adobe Acrobat-Datei).

Die Anlage wäre also den Planungen zufolge in der Lage, knapp ein halbes Promille des jährlichen Ausstoßes von Kohlendioxid in den USA zu verhindern.

Dies mag auf den ersten Blick zwar wie ein durchaus guter Ansatz aussehen, läßt aber eine Reihe weiterer Aspekte unter den Tisch fallen.

Durch den hohen Verbrauch nehmen die weltweiten Öl-, Gas- und Kohlevorräte stetig ab. Da dieser amerikanische Ansatz weder den Verbrauch verringert noch alternative Energiequellen erschließt, trägt er auch nicht dazu bei, schonender mit den Vorräten umzugehen.

Außerdem entstehen durch die Ausfilterung und die Einlagerung weitere Kosten, die von den Wissenschaftlern zwar derzeit noch nicht beziffert werden können - oder sollen - aber sicherlich nicht zu vernachlässigen sind. Schätzungen gehen von bis zu 100 US-Dollar für die Einlagerung einer Tonne Kohlendioxid aus. Im Testbetrieb sollen diese Kosten gedämpft werden, indem das verflüssigte Gas dazu verwendet wird, den Druck in einem noch nicht vollständig geleerten Erdölvorkommen zu erhöhen, so daß die tägliche Fördermenge von 5.300 auf 35.000 Barrel ansteigen soll. Dieses Vorgehen läßt sich aber nicht in anderen Fällen wiederholen, außerdem wird das Erdölvorkommen dadurch schneller erschöpft sein, so daß mittelfristig keine Ersparnis auftritt.

Ferner ist ein Entweichen des eingelagerten Kohlendioxids nicht völlig auszuschließen, auch wenn sich Susan Hovorka von der Universität von Texas, die an dem Projekt beteiligt ist, gegenüber AP sicher zeigte, daß die Einlagerung für "eine sehr lange Zeit" sicher wäre, da die Lagerstätten Öl und Methangas über "Millionen von Jahren" zurückgehalten hätten. Der Druck, der benötigt wird, um Kohlendioxid in einem flüssigen Zustand zu halten, ist allerdings mehr als doppelt so hoch wie der von Methangas.

Zusammengefaßt scheint dieses Projekt vorrangig dazu zu dienen, das Problem kurzfristig zu kaschieren, als es langfristig zu lösen. Der Verdacht, daß der Grund für diese Prioritätensetzung nicht zuletzt auch in der engen Beziehung der Bush-Regierung zur amerikanischen Ölindustrie zu suchen ist, ist sicherlich naheliegend.





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