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"Das Gute ist, daß sie nichts treffen können"
03.01.2004









Wie der AP-Journalist Jason Keyser am Freitag berichtete, scheint die Ausbildung der Iraker, die nach den Plänen des US-Militärs zunehmend für die Sicherheit im Land sorgen sollen, wesentlich weniger erfolgreich zu sein, als dies meist dargestellt wird.

Auch wenn das US-Militär für gewöhnlich behauptet, daß die Ausbildung der Iraker gut voranschreitet, ist wenig wahrscheinlich, daß es sich bei den von US-Stabsfeldwebel Hugo Olveraleija, einem der Ausbilder, in Tikrit geäußerten Problemen um Ausnahmen handelt.

Auf die Frage, wann das "Iraqi Civil Defence Corps" (ICDC, "Irakisches Zivilverteidigungskorps"), eine von den Amerikanern gegründete Miliz, die Verantwortung für die Sicherheit in der Stadt übernehmen könnte, antwortete er: "Oh, mein Gott, das wird eine ganze Zeit dauern. Diese Jungs sind Bauern."

Das ICDC setzt sich aus ehemaligen Mitgliedern der irakischen Armee, aber auch aus Arbeitslosen, Bauern und auch Mitgliedern anderer Milizen zusammen.

Offenbar gelingt es nicht einmal, die Mitglieder des ICDC selbst zu schützen, so daß eine Übernahme der Verantwortung tatsächlich in weiter Ferne liegen dürfte. Allerdings scheint es wenig verwunderlich, daß eine dreiwöchige "Ausbildung" keine ausreichenden Ergebnisse bringt.

So zeigte sich Olveraleija wütend, als Mitglieder des ICDC sich am Freitag bei einer Patrouille mit Kopftüchern maskierten, um nicht erkannt zu werden. Andererseits berichteten mehrere Mitglieder des ICDC, daß es hierfür gute Gründe gibt.

So erzählte Jassim Sliem, daß ihm erst kürzlich Männer in zwei Autos auf dem Nachhauseweg gefolgt waren und ihn schließlich fragten, was er in der US-Militärbasis gemacht hatte. Verängstigt hatte er geantwortet, daß er dort gefangengehalten worden war.

Adnan Wadi, Kommandeur einer Kompanie, sagte: "Dieser Job ist sehr gefährlich." Er beklagte sich, daß das US-Militär keine angemessene Ausrüstung wie kugelsichere Westen zur Verfügung stellte. Seine Vorstellung von der Zukunft scheint allerdings stark von der der US-Soldaten abzuweichen.

"OK, wenn die Amerikaner abziehen, sind wir hier, ICDC", sagte Wadi und fügte hinzu, daß sie dann eigene Kommandostellen und Hubschrauber bräuchten, was von mehreren zuhörenden amerikanischen Soldaten mit Gelächter beantwortet wurde.

Die mangelhafte Ausbildung und das nachlässige Auswahlverfahren bei der Rekrutierung führen offenbar dazu, daß das ICDC kaum als einsatzfähige Einheit bezeichnet werden kann.

"Sie sind großartig, aber... wenn man sie nicht überwacht, beginnen sie, nachlässig zu werden", sagte Olveraleija.

Dies scheint noch eine sehr freundliche Formulierung zu sein. Seinen Worten nach haben mehrere Mitglieder der Einheit den Besitzer einer Tankstelle dazu genötigt, ihnen kostenlos Benzin zu geben und sie trotz langer Warteschlangen aufgrund der Benzinknappheit als erste zu bedienen.

Auch ist es zu mehreren Zwischenfällen gekommen, bei denen Mitglieder des ICDC versehentlich auf Kameraden geschossen haben. So feuerten sie beispielsweise ein Mal auf ein näherkommendes Fahrzeug, als sie die Einfahrt einer US-Basis bewachten. In dem Auto saßen zurückkehrende Kameraden, allerdings wurde hier niemand verletzt.

"Das Gute ist, daß sie nichts treffen können", so Olveraleija.





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