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Iraker von Briten zu Tode geprügelt
04.01.2004









Dem britischen Independent liegen einem Bericht vom Sonntag zufolge Beweise dafür vor, daß ein Iraker in britischer Gefangenschaft von Soldaten zu Tode geprügelt und mehrere weitere teilweise schwer verletzt worden sind.

Am 14. September des vergangenen Jahres war Baha Mousa zusammen mit sieben seiner Kollegen, mit denen er in einem Hotel in Basra arbeitete, von britischen Soldaten gefangengenommen worden.

Drei Tage später teilte das britische Militär seinem Vater Daoud und seiner restlichen Familie - seine Frau war vor sechs Monaten an Krebs gestorben, so daß seine beiden 5 und 3 Jahre alten Kinder nun Waisen waren - mit, daß er "in Gefangenschaft verstorben" war.

Die Leiche Mousas, die seiner Familie übergeben wurde, wies deutliche Spuren schwerer Mißhandlungen auf. "Seine Nase war gebrochen, es war Blut über seinem Mund und ich konnte die Prellungen an seinen Rippen und seinen Schenkeln sehen. Die Haut war von seinen Handgelenken, wo die Handschellen gewesen waren, abgerissen", erzählte sein Vater, Daoud Mousa.

Ein Kollege Mousas, Kifah Taha, wurde in der Gefangenschaft ebenfalls schwer mißhandelt. Durch Tritte in die Nieren erlitt er ein akutes Nierenversagen. Mousas Bruder Alaa beschreibt Taha, als er ihn im Krankenhaus besuchte als "nur halb menschlich, mit schrecklichen Blutergüssen von Tritten auf seine Rippen und seinen Bauch. Er konnte kaum sprechen."

Ein weiterer Kollege, der aber aus Angst vor erneuten Repressalien durch die Briten nicht namentlich genannt werden wollte, erzählte von der Zeit ihrer Gefangenschaft bei den Briten:

"Wir wurden in einen großen Raum gebracht, unsere Hände waren gefesselt und wir hatten Säcke über den Köpfen. Aber ich konnte durch einige Löcher in meiner Maske etwas sehen. Soldatem kamen rein - einfache Soldaten, keine Offiziere, die meisten von ihnen mit kahlgeschorenen Köpfen, aber in Uniform - und sie traten uns, nahmen sich einen nach dem anderen von uns vor. Sie traten uns in die Brust und zwischen die Beine und in den Rücken. Wir weinten und schrien.

Sie hatten es besonders auf Baha abgesehen und er schrie die ganze Zeit, daß er unter der Maske nicht atmen konnte. Er bat sie ständig, den Sack abzunehmen und sagte, er würde ersticken. Aber sie lachten über ihn und traten ihn noch mehr. Einer von ihnen sagte: ‚Hör auf zu schreien, dann kannst Du auch besser atmen.' Baha hatte so eine Angst. Dann verstärkten sie die Tritte auf ihn und er brach auf dem Boden zusammen. Keiner von uns konnte stehen oder sitzen, weil es zu schmerzhaft war."

Tatsächlich wird der Vorfall vom britischen Militär nicht einmal bestritten. Der Totenschein Mousas nennt als Todesursache "Ersticken" und eine Sprecherin des britischen Verteidigungsministeriums sagte am Samstag: "so weit ich weiß, war die Untersuchung Anfang Dezember noch im Gange - nichts in unseren Akten deutet darauf hin, daß sie nicht immer noch im Gange ist." Zwei Soldaten, die ursprünglich wegen des Todes Mousas verhaftet worden waren, sind mittlerweile allerdings wieder auf freiem Fuß.

Der Familie Mousas sind vom britischen Militär 8.000 US-Dollar Entschädigung angeboten worden, wenn diese im Gegenzug nicht für seinen Tod verantwortlich gemacht würden.

Dies wurde von seiner Familie allerdings abgelehnt. Stattdessen soll die britische Armee verklagt werden.

"Wir lehnen dieses Geld ab. Wir wollen Gerechtigkeit. Wir wollen, daß die beteiligten Soldaten bestraft werden. Wie viel würde eine britische Familie bekommen, wenn ihr unschuldiger Sohn von Ihren Soldaten verhaftet und zu Tode geprügelt würde?", fragte sein Bruder Alaa.

Daoud Mousa vermutet, daß sein Sohn von den Soldaten absichtlich zu Tode geprügelt worden ist. Er glaubt, daß dies eine Racheaktion der Soldaten war, weil diese herausgefunden hatten, daß sein Vater einen Offizier dazu gebracht hatte, mehrere britische Soldaten zu verhaften, weil diese während der Razzia in dem Hotel Geld gestohlen hatten.

"Wir sagen nicht, daß die Briten ‚Besatzer' sind. Wir glauben, sie kamen hierher, um uns vor Saddam zu retten. Aber sie sollten meine Familie nicht so behandeln, uns einfach Geld zu bezahlen, wenn sie Baha töten und... uns dann daran zu hindern, bei der Aufklärung, was wirklich passiert ist, zu beteiligen. Wenn sie so weiter machen, wird ihr ‚großes Willkommen' in Basra bald vorbei sein", sagte er.





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