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Belohnung für die Kurden?
06.01.2004









Anfänglich ist die Gefangennahme des Mannes, der von den USA als Saddam Hussein identifiziert worden ist, als klarer Erfolg des US-Militärs gefeiert worden.

Schon kurz darauf tauchten allerdings Berichte auf, denen zufolge Hussein - oder die für ihn gehaltene Person - in Wirklichkeit von kurdischen Kämpfern gefangengenommen, unter Drogen gesetzt und in dem Erdloch "plaziert" worden war, in dem er schließlich von US-Soldaten "gefunden" wurde.

Nachdem diese Berichte anfingen aufzutauchen nahm die Euphorie des US-Militärs über die Gefangennahme merklich ab. Ebenso schnell verstummten allerdings auch die meisten Quellen, die diese andere Darstellung der Ereignisse vertraten.

Nun, nur wenige Wochen später, kündigt die Bush-Regierung an, daß man dem kurdischen Nordirak seine - relative - Unabhängigkeit auch im Rahmen einer "unabhängigen" irakischen Regierung belassen will. Daß dieser Plan von den anderen "Seiten" im Irak kritisiert wird, ist dabei kaum verwunderlich.

Erstaunlich hingegen ist, daß die USA überhaupt bereit sind, den Kurden gegenüber diese Zugeständnis zu machen. Offiziell wird dies damit begründet, daß eine Änderung des derzeitigen Status eine Sache der zukünftigen irakischen Regierung sei. In anderen Belangen haben sich die USA allerdings bisher nicht derart zurückhaltend gezeigt, so daß kaum anzunehmen ist, daß dies der tatsächliche Beweggrund ist.

Der Verdacht, daß hier die Belohnung für die "Ergreifung" als auch das schließliche Stillschweigen "bezahlt" werden soll, ist sicherlich naheliegend.

Weder das plötzliche Verstummen der Behauptung der Kurden, daß in Wahrheit sie Hussein gefangengenommen und ihn den USA übergeben hätten noch die ebenso plötzlich verstummenden amerikanischen Berichte über seine Gefangennahme und seine "sehr ergiebigen" Befragungen dürften anders wirklich zu erklären sein.

Auch für den plötzlichen Willen der USA, eine - wenn auch vorerst nur eingeschränkte - Unabhängigkeit der Kurden zu akzeptieren gibt es wenig alternative Erklärungen. Nicht nur, daß ein unabhängiger Kurdenstaat zum Zerbrechen des Iraks in mindestens drei Teile und vermutlich zu einem Bürgerkrieg führen würde, auch angrenzende Länder, allen voran die Türkei, sehen eine derartige Entwicklung mit großer Sorge.

Gerade die Türkei befürchtet, daß dies die kurdische Bevölkerung im südlichen Teil der Türkei ebenfalls zu verstärkten Autonomiebestrebungen führen könnte, insbesondere, da eine Abspaltung des hauptsächlich kurdischen Nordiraks aufgrund der Ölvorkommen in der Region auch wirtschaftlich eigenständig sein könnte.

Der mögliche Gewinn dieser Planänderung für die USA würde aber unter Außerachtlassung oben genannter Verwicklungen nur die mögliche "Dankbarkeit" der Kurden bieten. Auch die Möglichkeit, daß die USA jetzt tatsächlich eine Strategie der möglichst geringen Einmischung verfolgen, scheint wenig wahrscheinlich.





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