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Japan bezahlt Schutzgeld im Irak
27.01.2004









Wie Risq News am Dienstag unter Berufung auf einen Artikel der Shukan Post berichtete, zahlt die japanische Regierung irakischen Stammesführern in der Gegend der Stadt Samawah, wo die japanischen Soldaten stationiert werden, 94 Millionen US-Dollar, damit diese für die Sicherheit der japanischen Soldaten im Irak sorgen.

Ein Sprecher des japanischen Premierministers Junichiro Koizumi bestätigte diese Angabe und sagte: "Es ist ziemlich billig, wenn wir für unsere Soldaten Sicherheit mit dieser Menge Geld kaufen können. Im Irak werden Ölgelder an diese Stämme verteilt. Es ist wichtiger für die japanische Regierung, Einmalzahlungen an die Anführer zu leisten als ihnen ein Gehalt zu zahlen. Dies wird ihrer lokalen Wirtschaft helfen und Japans Außenpolitik im Hinblick auf den neuen Irak nützen."

Dies wird von irakischer Seite allerdings anscheinend anders gesehen. So berichtete eine anonym bleibende Quelle innerhalb der regierenden japanischen Liberaldemokratischen Partei: "Die Anführer der Stämme in Samawah fordern Löhne für ihre Soldaten. Wenn sie im Dienst getötet werden, werden sie Entschädigungen für ihren Tod fordern. Die japanische Regierung muß im Voraus 1 Million US-Dollar für solche Entschädigungen zur Verfügung stellen."

Das "Abkommen" zum Schutz der japanischen Soldaten ist bereits im vergangenen Jahr zwischen dem japanischen Premierminister und Abdul Amir Rikaabi, dem Oberhaupt eines mächtigen Stammes im Irak, geschlossen worden.

Eine Quelle im Büro des Premierministers sagte: "Herr Rikaabi hat uns gesagt, daß er 200 bis 300 Wachen organisieren würde, um die japanischen Soldaten zu schützen bis das Hauptkontingent im Samawah eintrifft."

Die Stationierung der japanischen Soldaten im Irak soll in mehreren Wellen erfolgen. Die erste Einheit ist am 19. Januar in Samawah eingetroffen.

Es fällt schwer, für die 94 Millionen US-Dollar eine andere Bezeichnung als "Schutzgeld" zu finden. Selbst wenn von dieser Summe die Löhne der Wachen bezahlt werden würden, würde dies kaum etwas ändern.

Ein irakischer Polizist verdient im Irak derzeit 60 US-Dollar im Monat, ein irakischer Soldat 50. Ginge man also von 300 Wachen aus, die jeweils 60 US-Dollar im Monat verdienen, so würden die 94 Millionen ausreichen, die Wachen die nächsten 435 Jahre zu bezahlen.

An dieser Rechnung wird deutlich, daß die Zahlung zum Auslöser neuer Probleme werden kann. Nicht nur, daß nicht ausgeschlossen werden kann, daß das Geld am Ende dem irakischen Widerstand zugute kommt, selbst wenn es nur zur Bereicherung der Stammesoberhäupter führt, wird dies die Stimmung der Iraker kaum verbessern. Andererseits hätte es dazu verwendet werden können, fast 80.000 Irakern ein Jahr lang bei einem Monatslohn von 100 US-Dollar Arbeit zu geben.

Aus japanischer Sicht mag der Betrag tatsächlich ein geringer Preis für die Sicherheit der Soldaten - und nicht zuletzt damit auch Koizumis Chancen auf eine Wiederwahl - sein, im Irak sieht dies allerdings ganz anders aus.





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