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Gute und böse Terroristen
29.01.2004









Man stelle sich folgendes Szenario vor:

In den USA werden mehrere Bombenanschläge auf Botschaften anderer Länder verübt, hierbei werden zwar keine Menschen getötet, die Gebäude allerdings zerstört sowie Nachbargebäude beschädigt und Menschen verletzt. Die Ermittlungsbehörden finden Beweise, die zwei Mitglieder des Militärs dringend tatverdächtig erscheinen lassen. Diese sind allerdings in der Zwischenzeit nach Venezuela geflüchtet und haben dort Asylantrag gestellt, da sie sich in den USA "politisch verfolgt" fühlen.

Dort befinden sie sich zwar in Haft, aber nur als Folge des Asylantrags. Ein Amtshilfeersuchen an Interpol, bei der Festnahme der beiden Gesuchten behilflich zu sein, hat bisher zu keinem Ergebnis geführt. Auch mehrere an die Behörden Venezuelas gerichtete Bitten der USA, bei der Strafverfolgung behilflich zu sein, wurden bisher ignoriert.

Erschwerend kommt hinzu, daß sich die Regierung Venezuelas schon in der Vergangenheit offen kritisch über die Regierung der Vereinigten Staaten geäußert hat und verdächtigt wird, Regierungsgegner zu unterstützen und auf einen Putsch hinzuarbeiten. Außerdem gibt es in dem Land Trainingscamps, wo Regierungsgegner "für den Krieg" trainieren.

Die Folge dieses Gedankenspiels dürfte fast unausweichlich der Einmarsch amerikanischer Truppen in Venezuela sein.

Tatsächlich hat sich all dies so zugetragen, mit nur einem kleinen Unterschied, die Rollen Venezuelas und der USA sind vertauscht, wie Venezuelanalysis.com am Mittwoch berichtete.

Am 26. Februar 2003 explodierten in der spanischen Botschaft und dem kolumbianischen Konsulat in Caracas mittels Mobiltelephonen ferngezündete Bomben. Als Käufer dieser Mobiltelephone wurden Leutnant José Antonio Colina und Leutnant Germán Rodolfo Varela ermittelt.

Beide gehören einer Gruppe von Mitgliedern des venezuelanischen Militärs an, die sich der Regierung des Präsidenten Hugo Chavez offen entgegenstellt. Berichten zufolge flüchteten sie zuerst nach Kolumbien. Von dort aus kamen sie am 19. Dezember in Miami im US-Bundesstaat Florida an und ersuchten dort um Asyl.

Dem zuständigen Staatsanwalt, Danilo Anderson, zufolge hat Silvio Daniel Merida, einer der Leibwächter der beiden Männer, detailliert ausgesagt, wie die Anschläge geplant und die Bomben von Colina und Varela gezündet wurden. Bereits am 14. November wurden daraufhin Haftbefehle für die beiden Männer, die auch an weiteren Anschlägen beteiligt gewesen sein sollen, ausgestellt.

Obwohl sowohl Venezuela als auch die USA ein Abkommen unterzeichnet und ratifiziert haben, daß der Bekämpfung des Terrorismus dienen soll und bereits im Dezember Interpol gebeten wurde, die beiden Männer zu verhaften, ist bisher nichts derartiges geschehen.

Da auch mehrfach Bitten venezuelanischer Stellen, zuletzt am 23. Januar durch den Vizepräsidenten Venezuelas, José Vicente Rangél, gegen die Beschuldigten vorzugehen, durch die USA bisher nicht beachtet worden sind, wurde nun am Mittwoch - vermutlich als letzter Versuch - ein förmlicher Antrag auf Auslieferung auf Grundlage eines Antiterrorabkommens zwischen den beiden Ländern gestellt.

Wie die New York Times am Donnerstag unter Berufung auf einen Mitarbeiter des US-Außenministeriums berichtete, "würden [die USA einer derartigen Aufforderung Venezuelas] mit Sicherheit Folge leisten."

Gegenüber dem Miami Herald äußerte sich ein anderer Beamter des US-Außenministeriums schon wesentlich zurückhaltender. Man sei sich "der Angelegenheit bewußt" und würde "alle formellen Anträge der Regierung Venezuelas angemessen in Betracht ziehen", sagte er.

Angesichts der offenen Abneigung, die seitens der USA gegenüber der Regierung Venezuelas empfunden wird - nicht zuletzt sicherlich auch aufgrund ihrer "Linkslastigkeit" - bleibt abzuwarten, wie die USA auf den Antrag reagieren werden.





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