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Die Zeit läuft
15.02.2004









Während die Präsidentschaftswahlen im November immer näher rücken, fallen die Quoten des derzeitigen US-Präsidenten George W. Bush langsam, aber anscheinend unaufhaltsam.

Auch die "Gefangennahme" Saddam Husseins durch US-Soldaten - es gibt deutliche Anzeichen dafür, daß es sich eher um eine Übergabe durch kurdische Kämpfer handelte - im Dezember konnte nur für ein Zwischenhoch von einigen Prozentpunkten sorgen.

Selbst wenn die von den USA für dieses Frühjahr angekündigte Offensive in Afghanistan tatsächlich zur Gefangennahme oder zum Tod Osama bin Ladens führen sollte, scheint es wenig wahrscheinlich, daß dies George Bush einen länger anhaltenden Vorteil bei der Bevölkerung verschaffen würde.

Während seiner kompletten Amtszeit haben nur zwei Ereignisse zu einer nennenswerten Steigerung von Bushs Beliebtheit bei der Bevölkerung geführt. Zum einen war dies der Einmarsch in den Irak im März 2003, dies führte zu einem Gewinn vom durchschnittlich 15 Prozent in der Beliebtheitsstatistik.

Die Anschläge vom 11. September 2001 führten sogar zu einem Anstieg von durchschnittlich 50 Prozent auf bis zu 90 Prozent, der Beginn der Bombardierung Afghanistans Anfang Oktober brachte nochmals einige Prozent.

Der Spätsommer dieses Jahres bietet sich hier aus mehreren Gründen als Zeitpunkt für einen weiteren derartig einschneidenden Vorfall an. Nicht nur, daß dann ein möglicher "Bonus" aus einer - angenommenen - Gefangennahme Osama bin Ladens verflogen sein dürfte, die Wahlen selbst wären dann schon so weit näher gerückt, daß die Auswirkungen bis dahin anhalten dürften, andererseits aber noch weit genug entfernt, daß eine Verbindung zumindest noch geleugnet werden könnte. Darüberhinaus wird sich bis dahin herausgestellt haben, ob die USA tatsächlich Ende Juni die Hoheit über den Irak an die Iraker - oder vielmehr, den von ihnen eingesetzten "Regierungsrat" - übertragen haben werden, was letzten Äußerungen beispielsweise des US-Außenministers Colin Powell zufolge nicht allzu wahrscheinlich scheint.

Vor diesem Hintergrund stellt sich einmal mehr die Frage, wie die aktuellen Terrorwarnungen - seien es die dutzenden abgesagten Flüge in die USA oder auch die "Terrorflotte" bin Ladens - zu bewerten sind. Einerseits wird zwar hierdurch das Bedrohungsgefühl der Bevölkerung wachgehalten, andererseits wird sie aber auch auf einen zukünftigen Anschlag vorbereitet, während die Regierung "alles in ihrer Macht stehende" tut, diesen zu verhindern.

Aber auch die - wenn auch noch sehr verhaltenen - Kriegsdrohungen werden in letzter häufiger. Spontan fallen hier Äußerungen der letzten Woche ein, die dem Iran die Weiterverfolgung eines Atomwaffenprogramms - dessen Existenz von dem Land bestritten wird - vorwerfen. Aber auch Syrien ist nach wie vor Anwärter für einen "Regimewechsel" durch die USA.

Mit jedem Prozentpunkt, den Bush auf der Beliebtheitsskala einbüßt, dürfte der Druck auf ihn und die Männer hinter ihm wie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Staatssekretär John Bolton oder der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz zunehmen, hier gegenzusteuern.





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