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Britischer Soldat bricht Schweigen
19.02.2004









Ein britischer Soldat hat gegenüber der britischen Sun einem Artikel vom Donnerstag zufolge sein Schweigen über die Mißhandlungen an 9 gefangenen Irakern in Basra, die zum Tod eines der Iraker geführt hatten, gebrochen.

Bereits Anfang des Jahres hatte der britische Independent über den Fall von Baha Mousa berichtet, die detaillierte Aussage des Soldaten wischt allerdings auch die letzten Zweifel weg und offenbart die Brutalität, mit der vorgegangen worden ist.

Der Soldat, der nicht namentlich genannt wird, da es britischen Soldaten nicht gestattet ist, ohne Erlaubnis mit der Presse zu sprechen, hat nach seiner Aussage zwar nicht selbst an den Mißhandlungen teilgenommen, ist aber Augenzeuge gewesen.

Die neun Iraker wurden in einer drei mal drei Meter großen Zelle gefangengehalten und gezwungen, stundenlang in "Belastungsstellungen", also beispielsweise mit ausgestreckten Armen oder auf den Knien, zu verharren.

"Sie mußten so bleiben, bis sie umfielen und es nicht mehr aushielten", so der Soldat. Dann wurden sie getreten und geschlagen oder in eine neue Haltung gezwungen.

Der Soldat berichtet:

"Die anderen Soldaten wurden in Belastungsstellungen, immer noch mit verdeckten Augen, im Gefängnistrakt gehalten. Das war, als die Schläge weitergingen.

Einige der Jungs kamen nur vorbei, traten ihnen in den Bauch und schlugen sie. Es war bang... bang... bang, Tritt... Schlag... bang. Das Stöhnen, Ächzen und Schreien ging endlos weiter. Die Gefangenen flehten: "Bitte aufhören, bitte aufhören."

Sie waren früh am Morgen hereingebracht worden und die Schläge gingen bis in die nächste Nacht und den nächsten Tag weiter - ohne Unterbrechung. Die Soldaten machten sich einen Spaß daraus - beschimpfen sie, ließen ihre Aggressionen an ihnen aus.

Es gab Faustschläge, Tritte und Schläge. Sie schrien, fluchten und brüllten sie an - sie nannten sie "dumme irakische Bastarde" und "verfickte Pakis" [Pakistanis].

Während der ganzen Zeit wurden die Gefangenen in Belastungsstellungen gehalten. Man erlaubte ihnen nicht, sich hinzulegen und zu schlafen. Sie pissten und schissen sich ein, weil sie solche Angst hatten.

Man machte sich über sie lustig, wenn sie das taten. Sie weinten und schrien vor Schmerzen. Es war so laut, daß es einige der Soldaten in nahegelegenen Unterkünften wachhielt.

Man nimmt die Schreie von einem Baby, multipliziert das tausendfach und fügt Schmerz und Wut hinzu. So hat es sich angehört."

Mousa starb schließlich an den Mißhandlungen. Er hatte mindestens 50 Verletzungen.

"Ich sah ihn einmal ohne die Kapuze. Er hatte ein stark geschwollenes blaues Auge, seine Nase war gebrochen und es sah aus, als wäre sein Kiefer ausgerenkt. Sein Gesicht war blutig", erzählte der Soldat.

Auch andere Gefangene wurden von den Soldaten äußerst brutal behandelt.

"Soldaten warfen sie im wahrsten Sinne des Wortes aus den Lastwagen. Ich sah, wie ein Typ seitlich auf den Boden prallte und man hörte einen Knall. Es war, als wäre eine Schrotflinte losgegangen. Er schrie wie ein Schwein, das mit einer scharfen Klinge gestochen wird", so der Soldat. "Sie wurden schlimmer als Tiere behandelt."

Da offenbar erst der Bericht der Sun dazu geführt hat, daß sich das britische Militär nach eigener Aussage ernsthaft um Aufklärung der Verbrechen bemühen will, ist die Befürchtung des Soldaten, daß der Fall vertuscht werden sollte, mehr als wahrscheinlich, da der Bericht des Independent vor sechs Wochen anscheinend keine solche Reaktion hervorgerufen hat - die im Januar genannte "Untersuchung" hatte jedenfalls bisher zu keinen Verhaftungen geführt.

Die Tatsache, daß die Folterungen zwei Tage lang angedauert haben und äußerst deutlich auch außerhalb des Gebäudes zu hören gewesen sind, belegt, daß es sich hier nicht einfach um "einige ausgerastete Soldaten" gehandelt haben kann. Offenbar waren die Vorgesetzten der Soldaten mit den Mißhandlungen einverstanden, zumindest war es ihnen gleichgültig.





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