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Die Folgen der Schnäppchen
09.02.2004









Am Sonntag veröffentlichte die Organisation Oxfam einen Bericht (Adobe Acrobat-Datei), der belegt, daß häufig die schwächsten Mitglieder der "Wertschöpfungskette", diejenigen, die für die Herstellung beziehungsweise Ernte des Produktes verantwortlich sind, auch diejenigen sind, die am stärksten unter dem zunehmenden Preiskampf zu leiden haben.

Der Untersuchung, die sich vorrangig auf im britischen Raum aktive Unternehmen konzentriert, zufolge nutzen international tätige Unternehmen wie Tesco und Wal-Mart ihre Marktmacht, um ihre Einkaufspreise immer weiter zu senken.

Dies führt dazu, daß Menschen, größtenteils Frauen, zwar häufig bis zu 16 Stunden am Tag arbeiten müssen, ihr Einkommen aber trotzdem nur den Mindestlohn darstellt.

Da der Einkauf derartiger Unternehmen mittlerweile weltweit erfolgt, fällt es den Firmen leicht, einen pakistanischen Lieferanten durch einen nigerianischen zu ersetzen, wenn dieser bereit ist, die gewünschten Produkte billiger anzubieten.

Dieser Preiskampf führt zwar teilweise zu billigen Angeboten in den Geschäften, andererseits aber auch dazu, daß den Arbeitern kein Urlaub, keine Krankenversorgung und keinerlei Arbeitnehmerrechte gewährt werden, um so die Kosten zu senken.

Beispielsweise arbeiten der in Chile 75 Prozent der Erntehelferinnen 60 Stunden die Woche auf der Basis von Zeitverträgen. Weniger als die Hälfte der Frauen in der Bekleidungsindustrie in Bangladesh haben einen Vertrag und die meisten sind nicht krankenversichert. In China leisten Frauen jeden Monat 150 Überstunden und 90 Prozent haben keine Sozialversicherung.

Die zugehörige Kampagne wurde am Sonntag in Kambodia, wo Arbeiter für die Herstellung von Artikeln für große Sportartikelhersteller meist nur 50 Euro im Monat verdienen, von der britischen Schauspielerin Minnie Driver eröffnet.

Häufig führen die durch den Wettbewerb gesunkenen Einkaufspreise allerdings nicht einmal zu niedrigeren Verkaufspreisen. So ist der Einkaufspreis für Tomaten im US-Bundesstaat Florida seit 1992 um ein Viertel gesunken, der Verkaufspreis in den Geschäften aber um 43 Prozent gestiegen.

Hier zeichnet sich auch eines der Probleme ab, die Verbraucher haben, die versuchen zu vermeiden, sich derart an der Ausbeutung anderer Menschen zu beteiligen. Ein höherer Preis allein erhöht bestenfalls die Wahrscheinlichkeit, daß der Produzent einen faireren Preis für sein Produkt erhalten hat, mindestens ebenso häufig wird hierdurch aber nur der Profit des Händlers gesteigert.





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