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Haiti gerät außer Kontrolle
08.02.2004









Wie AP am Sonntag berichtete, haben regierungsfeindliche Rebellen in Haiti bereits mehrere Städte in ihre Gewalt gebracht.

Am Samstag hatten Polizisten vergeblich versucht, Gonaives, mit über 200.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt des Landes, zurückzuerobern, nachdem die Stadt am Donnerstag von den Rebellen übernommen worden war. In der Nacht zum Sonntag waren die rund 150 Polizisten gezwungen, sich erneut zurückzuziehen. Mindestens 7 Polizisten und 2 Rebellen sind bei den Kämpfen getötet worden.

Insgesamt sind damit bisher mindestens 18 Menschen getötet worden. Die Wut der Menschen ist dabei so groß, daß die Leichen mehrerer Polizisten verstümmelt und durch die Straßen gezogen worden sind.

Die Rebellen, die sich als "Gonaives Resistance Front" bezeichnen hatten am Donnerstag in einem fünf Stunden dauernden Feuergefecht die Polizeistation der Stadt erobert und sie danach, wie auch weitere Gebäude, in Brand gesetzt. Außerdem wurden mehr als 100 Häftlinge freigelassen.

Berichten zufolge befinden sich mindestens 5 weitere Orte seit Freitag in der Hand der Rebellen. Auch die südlich von Gonaives gelegene Stadt St. Marc gehört hierzu.

Die Rebellen wollen nach eigener Aussage erreichen, daß der haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide zurücktritt.

Seit Aristide im Jahr 2000 mit einer Mehrheit von 91 Prozent gewählt wurde, gibt es Spekulationen, die von Wahlbetrug sprechen. Beweise hierfür wurden bisher allerdings nicht gefunden.

1990 war der linksstehende Aristide schon einmal gewählt worden. Daraufhin hatte er sich für die Interessen der völlig verarmten Bauern, die die Mehrheit der Bevölkerung des Landes stellen eingesetzt, wurde allerdings 1991 durch einen Putsch des Militärs gestürzt. Die Militärherrschaft wurde durch eine US-Invasion 1994 beendet. Als Gegenleistung hatten die USA mehrere Forderungen gestellt, unter anderem Zollsenkungen, das Einfrieren der Löhne und die Privatisierung staatlicher Unternehmen.

Aristide hatte diesen Forderungen zwar zugestimmt, verfolgt aber nach eigener Aussage eine "Politik der Verzögerung", die tatsächlich dazu geführt hat, daß bisher nur wenige, unrentable Bereiche wie die Zement- und Mehlproduktion privatisiert worden sind, was zu wachsender Kritik und Druck seitens der USA geführt hat.

Berichten zufolge war die CIA bereits in den Militärputsch im Jahr 1991 verwickelt.

Angesichts der starken Armut in dem Land - Schätzungen zufolge lebten 2002 über 80 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze - scheint ein nicht von Außen beeinflußter Aufstand der Menschen zwar sicherlich wahrscheinlich, andererseits wird die rechte Opposition im Land seit Jahren mit Millionenbeträgen unterstützt.





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