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Im Irak bleibt alles beim alten
29.02.2004









Als Begründung für brutale Übergriffe und gewalttätige Reaktionen auf Angriffe gegen unschuldige Zivilisten durch US-Soldaten im Irak wurde bisher häufig die Tatsache genannt, daß die dort stationierten Soldaten bereits an der Eroberung des Iraks teilgenommen hatten und somit zwar den Kampf, nicht aber eine "friedliche" Besetzung kennengelernt hatten.

Tatsächlich scheint es verständlicher - wenn auch nicht akzeptabler - wenn derart vorbelastete Menschen, noch verstärkt durch Monate ständiger Bedrohung durch Angriffe, mit unbegründeter und überzogener Gewalt reagieren, wenn sie sich bedroht fühlen.

Ein Bericht des KnightRidder vom Mittwoch zeigt aber, daß dieses Problem offenbar grundlegenderer Natur innerhalb der US-Streitkräfte ist.

Mittlerweile hat der größte Truppenaustausch von amerikanischen Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg im Irak begonnen. Als Teil dessen sind Soldaten der 25th Infantry Division aus Hawaii im Nordirak eingetroffen. Die neu eingetroffenen Soldaten sind offensichtlich ebenso nervös und schießwütig, wie dies ihren Kameraden immer wieder vorgeworfen wird.

Shaha Saleh säte mit vier von ihren Töchtern auf einem kleinen Feld in der Nähe einer Hauptstraße Erbsen, als ein Konvoi der neu eingetroffenen US-Soldaten am 18. Februar auf dem Weg zu einem Treffen mit Stammesführern mit einer Bombe angegriffen wurden.

Wie so viele andere US-Soldaten vor ihnen hielten sie jede Bewegung in ihrer Umgebung für eine Bedrohung.

Auch Shaha Saleh war die Gefährlichkeit der Situation sofort klar und sie zog ihre Töchter an den Händen und den Haaren so schnell sie konnte von den Amerikanern weg, die wie üblich ungezielt in alle Richtungen auf ihre unsichtbaren Angreifer schossen.

Gerade dieses Weglaufen vor der Gefahr faßten die Soldaten nach Angaben von Hauptfeldwebel Robert Cargie, einem Sprecher des US-Militärs, als Bedrohung auf und verfolgten die Frau und die Mädchen.

Diese hatten gegen die Feuerkraft der Soldaten erwartungsgemäß keine Chance. Als erste wurde die 14-jährige Intisar getroffen. Eine Kugel brachte ihren Schädel zum Platzen und verteilte ihr Gehirn auf dem Boden.

Als nächstes wurde die 15 Jahre alte Samira getroffen. Sie fiel zu Boden, als eine Kugel ihren Oberschenkel durchschlug.

Schließlich fühlte Saleh selbst einen scharfen Schmerz und hörte das Bersten von Knochen, als eine Kugel ihr Bein zerschmetterte. Sie brach zusammen und schrie ihre beiden übriggebliebenen Töchter an, weiterzulaufen.

Samira wird nach Aussage von Ärzten mehrere Monate lang nicht gehen können, ein Schicksal, das ihre Mutter für den Rest ihres Lebens haben wird, da die Ärzte im US-Militärkrankenhaus in Kirkuk, wohin sie gebracht worden war, ihr Bein unterhalb des Knies amputiert haben.

Erst im vergangenen Jahr war der Vater der Familie bei einem Autounfall gestorben.

"Ich schwöre bei Gott, daß ich es nicht ertragen kann, jetzt nach Hause zu gehen", sagte Saleh unter Tränen. "Wenn ich nach Hause gehe, werden alle meine Kinder sich um mich versammeln. Bis auf eines."

"Wir haben die Amerikaner als Befreier willkommen geheißen. Wir haben ihnen sogar gesagt, wir würden irakische Ehefrauen für sie finden und sie nicht zurück nach Amerika gehen lassen", sagte Hameed Khalaf Abdullah, ein alter Stammesangehöriger, der im Iran-Irak-Krieg erblindet war. "Jetzt hassen wir sie. Wir hassen, was sie unseren Frauen, unseren Kindern angetan haben. Sie sind Wilde."

Bei dem Angriff war kein US-Soldat verletzt oder getötet worden.





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