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Millionenstrafen und Schulterzucken
04.02.2004









Die Art, wie unterschiedliche Vergehen - oder was als solche angesehen wird - von einem Staat verfolgt werden, gewährt tiefe Einblicke in seine Denkweise.

Die angesichts eines sternförmigen Aufklebers auf der Brust - wie er bei amerikanischen Stripperinnen schon seit Jahren üblich ist, um "das schlimmste" zu verdecken - ganz offensichtlich geplante "Showeinlage" von Janet Jackson bei ihrem Auftritt während der Halbzeitpause des Super Bowls führte zu einem Aufschrei der Empörung in den USA.

Mittlerweile wird spekuliert, daß die amerikanische Aufsichtsbehörde FCC sogar eine Geldstrafe in Millionenhöhe gegen den Sender CBS verhängen könnte, da dieser den Auftritt übertragen hatte. Bestrebungen des Weißen Hauses zufolge könnte diese Strafe in Zukunft sogar noch zehn Mal höher ausfallen.

Andererseits führt die mittlerweile immer weniger angezweifelte Tatsache, daß die damalige Hauptbegründung für die Eroberung des Iraks durch die USA, der angebliche Besitz von Massenvernichtungswaffen seitens des Iraks schlicht und einfach falsch war, zu kaum mehr als einem Schulterzucken.

So reihte sich zwar am Dienstag der US-Außenminister Colin Powell in die Reihe derer ein, die öffentlich Zweifel an den Geheimdienstinformationen, die den irakischen Besitz von Massenvernichtungswaffen angeblich bewiesen äußerten, Konsequenzen hat dies aber offenbar weder für ihn noch für andere Mitglieder der Regierung oder gar den US-Präsidenten George W. Bush.

Als "Begründung" für den Irakkrieg, der zehntausende Soldaten und mindestens 8.100 Zivilisten das leben gekostet hat, reicht es Powells Ansicht nach anscheinend mittlerweile aus, daß der durch die USA gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein "die Absicht hatte", in den Besitz von biologischen oder chemischen Waffen zu gelangen.

Selbst der australische Premierminister John Howard, der sich noch vor wenigen Tagen absolut überzeugt gab, daß die Geheimdienstinformationen, denen zufolge der Irak im Besitz von Massenvernichtungswaffen war, den Tatsachen entsprachen, machte nun einem Bericht der Herald Sun vom Mittwoch zufolge einen Rückzieher.

Er gab zu, daß sich möglicherweise herausstellen könnte, daß der Irak tatsächlich nicht im Besitz solcher Waffen war.

Auch der britische Premierminister Tony Blair gab am Dienstag erstmals zu, daß die Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak erfolglos war und kündigte eine Untersuchung der Angelegenheit an.

Wie schon Bush zeigten aber weder Howard noch Blair Anzeichen dafür, daß sie bereit wären, die Konsequenzen dafür zu übernehmen, daß sie für den Tod und das Leid einer so großen Zahl von Menschen verantwortlich sind.

Die Fähigkeit, grundlegende Erkenntnisse erfolgreich aus den eigenen Gedanken ausblenden zu können, scheint allerdings weiter verbreitet zu sein. So berichtete AP am vergangenen Freitag, daß die Leiterin der Schulbehörde des US-Staates Georgia, Kathy Cox, vorgeschlagen hat, das Wort "Evolution" aus den Schulbüchern zu verbannen, da ihrer Ansicht nach viele Lehrer und Eltern sich an dem Wort stoßen. Statt dessen soll in Zukunft von "biologischen Veränderungen im Laufe der Zeit" gesprochen werden.

Georgia wäre damit der sechste US-Bundesstaat, der das Wort "Evolution" in Schulbüchern vermeidet. Die anderen sind Florida, Kentucky, Oklahoma, Mississippi und Illinois.





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