www.Freace.de


Nachrichten, die man nicht überall findet.




Kommerzielle Zensur
02.02.2004









Den üblichen Vorstellungen und der geläufigen Definition nach wird Zensur vom Staat ausgeübt.

Eine Regierung will eine Meinung oder bestimmte Informationen unterdrücken und nutzt hierfür staatliche Repressionen oder auch offene Gewalt.

Das Bild von schlagstockschwingenden Geheimpolizisten, die die Journalisten einer Zeitung festnehmen und abtransportieren drängt sich hier geradezu auf.

Tatsächlich kommt es aber noch wesentlich häufiger zu einer nicht vom Staat verordneten, freiwilligen Zensur aufgrund von "wirtschaftlichen Überlegungen" oder politischen Überzeugungen Einzelner.

So haben kürzlich zwei große deutsche Tageszeitungen den Abdruck eines Nachrufs auf Tom Hurndall anläßlich seines Todes am 13. Januar faktisch verweigert.

Die Anzeigenabteilung der Frankfurter Rundschau (FR) wollte - nach telephonischer Aussage aufgrund des "politischen Inhalts" - nur die Möglichkeit anbieten, die Todesanzeige als "allgemeinen Text" zu veröffentlichen. Dies hätte statt der 747 Euro für eine Todesanzeige 2407,50 Euro gekostet, was weitaus mehr war, als der privaten Initiative um Claudia Karas und Elisabeth Schneider aus Spendenzusagen zur Verfügung stand.

Dieser Preis wurde in einem Freace.de vorliegenden Fax auf Anfrage kommentarlos bestätigt - inwieweit der zuständige Bearbeiter sich nicht weiter mit dem Thema befassen wollte oder es ihm persönlich unangenehm war, wie von Frau Schneider vermutet, ist dabei unklar.

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zeigte sich erst bereit, die Anzeige abzudrucken, machte dann allerdings eine Kehrtwende.

Hier war die aufgestellte Hürde zwar nicht finanzieller Natur, aber mindestens ebenso effektiv. Da es sich um eine Todesanzeige handelte, wurde von der Anzeigenabteilung eine "eidesstattliche Erklärung der Familie Tom Hurndalls", daß diese hiermit einverstanden war, gefordert, berichtete Claudia Karas.

Letztendlich erschien die Anzeige am vergangenen Samstag in der Junge Welt.

Rechtlich gibt es am Verhalten der beiden Zeitungen nichts auszusetzen. Medien steht es bis auf wenige Ausnahmen frei über die Veröffentlichung von Anzeigen zu entscheiden. Und auch die Tatsache, daß die FAZ eine Einverständniserklärung forderte, ist nicht illegal. Trotzdem drängt sich hier der Verdacht auf, daß in Wahrheit Vorwände gesucht wurden, um einen Abdruck der Anzeige verhindern zu können, ohne sie offen abzulehnen.





Zurück zur Startseite





Impressum

contact: EMail