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Verhandlungen in Pakistan
21.03.2004









Während von offizieller Seite ständig wiederholt wird, daß 5.000 bis 6.000 pakistanische Truppen 400 bis 500 "ausländischen Kämpfern und Stammesleuten" im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan gegenüberstehen, meldete AP am Sonntag, daß es am Montag zu Verhandlungen mit den Kämpfern kommen soll.

Seit dem vergangenen Dienstag führt die pakistanische Regierung eine "Großoffensive" gegen "Al-Qaida und Taliban-Mitglieder" in der Gegend durch.

Wurde anfangs von offizieller Seite noch vermutet, daß sich auch Ayman al-Zawahri, der häufig als "der zweite Mann hinter Osama bin Laden" bezeichnet wird, so hieß es später, daß es sich möglicherweise um Tahir Yuldash, einen Usbeken, handeln könnte. Mittlerweile herrschen auch dahingehend wieder Zweifel, man zeigt sich aber sicher, daß sich dort in jedem Fall ein "hochrangiges Ziel" aufhalte.

Am Montag nun soll eine 25-köpfige Abordnung von Stammesältesten mit Einverständnis des Militärs die Verhandlungen mit den Kämpfern aufnehmen. Sie werden dabei drei Forderungen der Regierung überbringen: daß 12 Soldaten und 2 Regierungsbeamte freigelassen werden, die vergangene Wochen gefangengenommen worden sind, daß Stammesmitglieder, die sich an den Kämpfen beteiligt haben, ausgeliefert werden und daß alle Ausländer herausgeworfen werden oder dem Militär gezeigt wird, wo sie sich aufhalten.

Dafür wiederholte Brigadegeneral Mahmood Shah, Sicherheitschef im Süden der Provinz Waziristan, seine Zusicherung, daß kein gefangengenommener Pakistani einem fremden Land - also den USA - übergeben werden würde.

Bestanden schon zuvor Zweifel an der Aussage, daß es sich bei den Kämpfern tatsächlich um "Terroristen" handelte, so wird dieser Verdacht durch die Verhandlungen sicherlich noch bestärkt. Würde es sich tatsächlich um Mitglieder von Al-Qaida oder der Taliban handeln, so wäre es sicherlich kaum wahrscheinlich, daß sie sich aufgrund von Verhandlungen ergeben würden.

Auch ist es schwierig, eine Begründung für die Verhandlungsbereitschaft der pakistanischen Regierung zu finden, würde es sich um Mitglieder dieser Gruppen handeln. Gerade angesichts der von den USA bereits geäußerten Begeisterung über das "konsequente Vorgehen" scheint eine solche Kompromißbereitschaft kaum sinnvoll.

Wahrscheinlicher scheint es, daß es sich - zumindest zum überwiegenden Teil - um Stammesmitglieder handelt, die nicht gewillt sind, sich dem Willen der pakistanischen Regierung zu beugen.

Diese Einstellung wird durch mehrere Zwischenfälle, bei denen Zivilisten getötet worden sind, noch gestärkt werden. So wurden am Samstag 5 Fahrzeuge von den pakistanischen Truppen angegriffen, weil sie versuchten, der Abriegelung eines Geländes zu entkommen. Nach Aussage von Shaukat Sultan, eines Sprechers der pakistanischen Armee, wurden dabei "ungefähr" 24 Zivilisten getötet.

In einem anderen Fall ist ein Bus von einer Rakete getroffen worden. Während Sultan sagte, es habe sich um einen Irrläufer der Kämpfer gehandelt, sagten Anwohner, der Bus sei von einem pakistanischen Hubschrauber mit Raketen angegriffen worden. Hier starben mindestens 7 Zivilisten.

Im Krankenhaus von Wana verfluchten Angehörige der Opfer sowohl den pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf als auch den US-Präsidenten George W. Bush. "Pakistanische Soldaten sind wie wilde Tiere", sagte der Stammesangehörige Mukhtar Wazir, während drei Kinder behandelt wurden. "Musharraf ist böse, Bush ist Satan."

Es scheint klar, auf welcher Seite Wazir stehen wird, wenn er das nächste Mal zur Waffe greift.

Möglicherweise befürchtet die pakistanische Führung eine Ausweitung des Konflikts, sollte weiterhin derart massiv gegen die Kämpfer vorgegangen werden wie bisher.





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