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Was will Sharon?
23.03.2004









Am Montagmorgen wurde Scheich Ahmed Yassin, der geistige Führer der palästinensischen Organisation Hamas, auf direkten Befehl und unter ständiger Kontrolle des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon beim Verlassen einer Moschee ermordet.

Durch die drei von einem israelischen Apache-Hubschrauber abgefeuerten Raketen starben außer ihm 2 seiner Leibwächter, einer seiner Söhne sowie mindestens 5 Zivilisten. Mindestens 15 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Anders als vorangegangene Versuche, Yassin zu töten, wird die Tat vom Montag weltweit - mit Ausnahme der USA - scharf verurteilt.

Israelischen Angaben zufolge wurde der Befehl zur Ermordung Yassins - und als Folge der mindestens 8 weiteren Menschen - aufgrund der Anschläge in der israelischen Stadt Ashdod am 14. März, bei denen 10 Israelis ums Leben kamen, erteilt.

Spätestens im Juni des letzten Jahres war ein entsprechender Befehl allerdings erteilt worden, wie auch der schon erwähnte Anschlag auf Yassin vom September beweist. Im Januar hatte der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Zeev Boin gesagt, Yassin sei "für den Tod markiert."

Eine weitere, in den Medien weit verbreitete Theorie besagt, daß Sharon angesichts des geplanten israelischen Rückzugs aus dem Gaza-Streifen "Stärke" zeigen will, um so zu verhindern, daß Hamas den Abzug als "Erfolg" für sich verbuchen kann und daraufhin neuen Zulauf bekommt. Genau diesen verstärkten Zulauf wird Hamas aber jetzt als Folge des Tods Yassins erhalten, was auch der israelischen Führung klar gewesen sein muß.

Auch die Darstellung, mit Yassin sei der Kopf und direkte Verantwortliche für die Anschläge der Hamas getötet worden, erscheint zumindest zweifelhaft. Yassin hatte mehrfach gesagt, daß die beiden einseitig von der Hamas ausgerufenen Waffenruhen als Folge fortgesetzter israelischer Anschläge, bei denen auch Frauen und Kinder getötet wurden, beendet wurden. Tatsächlich wurden die Waffenruhen beendet, nachdem es wiederholt zu israelischen Anschlägen gekommen war. Zwar hat er andererseits auch gesagt, daß "Gespräche über einen Waffenstillstand eine Beleidigung für die Palästinenser" seien, er soll aber auch gerade in der letzten zeit mäßigend auf die Hamas eingewirkt haben. Unabhängig davon, ob dies nun tatsächlich der Wahrheit entspricht oder nicht, wird die Voraussage, daß "10 neue Köpfe" nachwachsen würden, sicherlich eintreffen, ebenso, wie Israel nicht zusammenbrechen würde, sollte als Reaktion nun Ariel Sharon ermordet werden.

Diese nun real gewordene Möglichkeit trifft auch den Kern der von Israel durchgeführten Eskalation. War zumindest die palästinensische Seite bisher bereit, sich an das ungeschriebene Gesetz zu halten, daß die Führung eines verfeindeten Staates Immunität besitzt - und statt dessen seine Bürger für ihre Fehler "bezahlen" müssen - nicht zuletzt auch, weil man sich hierdurch eben auch selbst in die Schußlinie bringt, so haben mehrere palästinensische Organisationen nun bereits nun bereits erklärt, Sharon töten zu wollen. So sagte Abu Qusayee, der Anführer der Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden: "Ganz oben auf unserer Liste von Zielen stehen Sharon und seine Handlanger." Abdul Aziz Al-Rantissi sagte: "Der Krieg mit Israel ist nun offen. Sie wissen, daß er eröffnet wurde, es wird keine Rache geben, es ist ein offener Krieg." Alle Organisationen haben bereits angekündigt, daß das israelische Volk für die Tat seiner Regierung wird "bezahlen" müssen.

Eine weitere mögliche Begründung ist, daß Sharon versucht, auf diesem Weg die palästinensischen Gebiete ins Chaos zu stürzen. Da Hamas als auch die anderen Organisationen nun verstärkt Zulauf erhalten werden, wird es für die palästinensische Führung immer schwieriger werden, gegen die Organisationen vorzugehen, da dies zunehmend als "Kollaboration mit Israel" verstanden werden könnte. Letztendlich könnte Israel dann behaupten, die palästinensische Führung wäre handlungsunfähig und der palästinensische Staat nicht überlebensfähig und damit dann seine Auflösung fordern oder auch ein gewaltsames Vorgehen gegen Yassir Arafat rechtfertigen.

Von den genannten Möglichkeiten scheint diese letzte noch die wahrscheinlichste, würde sie doch zumindest aus israelischer Sicht einen - wenn auch menschenverachtenden - Plan für die Zukunft bieten.

Was auch immer Sharon tatsächlich mit dem Anschlag beabsichtigt hat, Frieden war es jedenfalls nicht.





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