www.Freace.de
Impressum und Datenschutz


Nachrichten, die man nicht überall findet.




Die Ware Arbeit
29.03.2004








Politiker haben es heutzutage wirklich nicht leicht. Einerseits sind sie sicherlich gezwungen, "etwas gegen die steigende Arbeitslosigkeit zu tun", andererseits gibt es aber auch Interessen, die diese womöglich recht positiv sehen.

Die ständigen Drohungen - und auch Taten - von großen und weniger großen Unternehmen, Produktionsstätten von Deutschland in "Niedriglohnländer" - sprich niedrige Löhne, lange Wochenarbeitszeiten, wenig Urlaub, wenig Sozialleistungen, wenig Arbeitnehmerrechte wie Kündigungsschutz - wie das derzeit hierfür sehr beliebte Osteuropa zu "verlagern" geben einen deutlichen Hinweis auf die Interessenlage der Wirtschaft.

Diese betont seit Jahren, daß "die Arbeit" in Deutschland zu teuer sei. Hieran ändern angeblich auch Tatsachen wie die, daß Deutschland "Exportweltmeister" ist, nichts. Nach Darstellung der Unternehmen würde es allen noch viel besser gehen, wenn alle weniger verdienen würden.

Wie jeder seit dem Fall des Rabattgesetzes feststellen konnte, ist die Alternative zu niedrigeren Preisen "mehr zum gleichen Preis".

Genau diese Strategie zur Verbilligung der Ware "Arbeit" wird nun wieder verstärkt verfolgt. So hatte der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber am Wochenende die Forderung aufgestellt, die Wochenarbeitszeit für Angestellte im öffentlichen Dienst und Beamte auf 42 Stunden anzuheben. Dies würde seiner Ansicht nach nicht nur ein Zeichen für die Privatwirtschaft wetzen, ebenso vorzugehen, sondern den Staatshaushalt außerdem massiv "entlasten".

Was hier als "Entlastung" bezeichnet wird, ist aber in Wahrheit nur die Zerstörung weiterer Arbeitsplätze und damit eine weitere Vergrößerung der Zahl der Arbeitslosen, schließlich kann eine Einsparung auf dieser Grundlage nur dadurch erfolgen, daß die Gesamtzahl der Angestellten im öffentlichen Dienst - die Zahl der Beamten ist nur mittelfristig zu reduzieren - durch Entlassungen verringert wird, weil die Arbeit in Zukunft ja von weniger Menschen erledigt wird.

Auf längere Sicht ergibt sich hieraus aus Sicht der Wirtschaft - die durch Lobbyismus und auch durch Spenden seit Jahren massiven Einfluß auf die Politik ausübt - aber noch ein weiterer Vorteil. Gemäß dem kapitalistischen Gesetz von Angebot und Nachfrage sinkt der Preis einer Ware, wenn bei gleicher Nachfrage das Angebot steigt. Genau das ist aber der Fall, wenn aufgrund längerer Arbeitszeiten weniger Menschen zur Erledigung der anfallenden Aufgaben benötigt werden.

Die Tatsache, daß viele hochrangige Politiker neben ihren Aufgaben in Parlament und Regierung außerdem hochrangige Posten in Unternehmen - beispielsweise in Verwaltungsräten - bekleiden und somit auch ein direktes Interesse an einer derartigen Verbilligung der "Ware Arbeit" haben, kommt hier nur noch erschwerend hinzu.

Da Unternehmen immer mehr international handeln ist die Tatsache, daß eine zunehmende Arbeitslosigkeit auch zu einer sinkenden Nachfrage im eigenen Land führt, aus ihrer Sicht kurz- bis mittelfristig sicherlich zu vernachlässigen. Es hat sich bisher auch kein Unternehmen Sorgen gemacht, weil die für die Firma in einem Entwicklungsland arbeitenden teppichknüpfenden Kinder ein Monatsgehalt bekommen, das hier einem Stundenlohn entspricht - jedenfalls nicht aufgrund der mangelnden Binnennachfrage nach Teppichen.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail