www.Freace.de


Nachrichten, die man nicht überall findet.




Versuchter Mord in Gaza
01.03.2004









Ein palästinensischer Jugendlicher, der von einem israelischen Soldaten angeschossen - nicht einmal erschossen - worden ist, ist bei der Vielzahl derartiger Fälle in den besetzten Gebieten - und möglicherweise nicht nur deshalb - den allermeisten Medien keine Meldung wert.

So wäre es sicherlich auch im Fall des 15-jährigen Yousef Bashir gewesen, der am 18. Februar von der Kugel eines israelischen Soldaten getroffen wurde und seitdem von den Schulterblättern abwärts gelähmt ist, weil ein Splitter der Kugel auf seine Wirbelsäule drückt. Die Ärzte in dem israelischen Krankenhaus in Tel Aviv, in dem er derzeit behandelt wird, wissen bisher nicht, ob er jemals wieder wird gehen können.

Bis hierhin ist diese oder eine ähnliche Geschichte schon hunderte Male in den besetzten Gebieten vorgekommen. Dieser Vorfall unterscheidet sich aber in zwei entscheidenden Punkten vom üblichen Geschehen.

In anderen solchen Fällen - so sie denn bekannt geworden sind - handelte es sich bei dem Opfer nach israelischen Angaben zumeist um einen "Kämpfer", der eine Bedrohung für die Soldaten dargestellt hat.

Hier nun kann diese Begründung allerdings nicht benutzt werden.

Yousef stand zusammen mit seinem Vater auf der Straße, mit dem Rücken zu einem 20 Meter entfernten israelischen Wachtturm, und verabschiedete winkend eine Gruppe von UN-Mitarbeitern, die weitergehende Landforderungen Israels gegen die Bashirs untersucht hatten.

Während das eindeutig als solches markierte UN-Fahrzeug noch vor Ort war und Yousef winkte fiel der Schuß.

"Der Junge war nicht mehr als fünf Meter von uns entfernt, winkte uns zum Abschied, mit seinem Rücken zu dem israelischen Beobachtungsposten", berichtete einer der UN-Mitarbeiter, denen in diesem Fall die Erlaubnis erteilt worden war, mit der Presse zu sprechen, solange ihre Namen nicht genannt würden.

"Es war absolut ruhig. Aber dann wurde ein einzelner Schuß abgefeuert. Der Junge fiel auf seine Knie und dann brach er auf dem Boden zusammen. Es war wie in Zeitlupe. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, daß die Kugel von der Stellung der israelischen Armee kam. Sie waren nur ungefähr 20 Meter entfernt. Sonst passierte nichts. Es gibt keine andere Erklärung", berichtete der UN-Mitarbeiter weiter.

Mindestens ebenso bemerkenswert ist sicherlich die Reaktion des Vaters von Yousef, Khalil Bashir. Statt nach Rache zu rufen, vergibt er dem israelischen Soldaten, da er gegenseitiges Vergeben als einzige Möglichkeit für eine friedliche Lösung des Konflikts ansieht. Er hofft, daß das Leid seines Sohnes "zu einem Wendepunkt für eine historische Aussöhnung mit Israel" wird. "Wir machen einen Fehler, wenn wir uns von den Erinnerungen an die Verletzten in der Zukunft leiten lassen. Bestrafung zahlt sich nicht aus. Was sich auszahlt ist eine Änderung der Einstellung", sagte er gegenüber dem Toronto Star. "Es ist an der Zeit für Toleranz und Vergeben. Ich möchte, daß die Israelis wissen, daß wir, beide Seiten, keine andere Möglichkeit haben. Laßt uns uns dem Schmelzen des Eises widmen und eine Lösung finden, um unseren Kindern eine Chance zu geben, in Frieden zu leben."

Nach Angaben eines Sprechers der israelischen Armee ist ein nicht namentlich genannter Soldat als Folge des Vorfalls suspendiert worden, bis eine Untersuchung abgeschlossen ist.

Obwohl der Vorfall durch die schriftlichen Berichte der UN-Mitarbeiter nicht zu leugnen ist, scheint diese "Untersuchung" allerdings nicht allzu vordringlich bearbeitet zu werden. Weder die UN-Mitarbeiter noch Khalil Bashir sind bisher von Untersuchungsbeamten der israelischen Armee befragt worden.





Zurück zur Startseite





Impressum

contact: EMail