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Diskriminierung in Israel
06.03.2004









Am Donnerstag berichtete die ägyptische Zeitschrift Al-Ahram über den Fall von Abir Zinaty, die von einer McDonald's-Filiale in Israel entlassen worden war, weil sie während der Arbeit arabisch gesprochen hatte.

Arabisch ist zwar neben hebräisch die zweite offizielle Landessprache Israels, McDonald's verbietet aber deren Gebrauch am Arbeitsplatz, wie die Personalchefin Talila Yodfat in einem Schreiben an die Organisation Mossawa sagte, um "unangenehme Situationen zu vermeiden."

Fouad Azar, ein Anwalt der Organisation, die sich rechtlicher Probleme arabischer Bürger Israels annimmt, hat der McDonald's-Filiale in der Stadt Ramle bereits angedroht, gerichtlich gegen die Entlassung Zinatys vorzugehen, sollte sie nicht wieder eingestellt werden.

Angesichts dieser Drohung versuchte Yodfat in dem Schreiben zu erklären, daß es sich bei dem Verbot der arabischen Sprache nicht um Rassismus handele, sondern nur um eine Maßnahme, um "Verständigungsprobleme" zwischen Angestellten oder unterschiedlichen ethnischen Gruppen zu vermeiden.

Dem Bericht zufolge handelt es sich bei der Entlassung Zinatys allerdings nur um die Spitze des Eisbergs. Demnach werden arabische Israelis in der Mehrheit der israelischen Unternehmen, gleichgültig ob es sich dabei um kleine Firmen wie Restaurants oder Staatsunternehmen handelt, gegenüber jüdischen Israelis benachteiligt behandelt.

So sagte Wehbe Badarne von der Interessenverband arabischer Arbeiter "Stimme des Arbeiters": "Obwohl gut ausgebildet, finden die meisten Araber nur Arbeit - wenn sie überhaupt Arbeit finden - als Tagelöhner bei Arbeiten wie der Olivenernte oder im Baugewerbe oder Fabriken."

Diese Aussage wird auch durch den Jahresbericht der Menschenrechtsorganisation Adalah aus dem Jahr 1997 belegt (Adobe Acrobat-Datei). Dort heißt es: "Obwohl 17.000 Araber BA- oder MA-Hochschulabschlüsse besitzen und 400 promoviert haben, ist die überwältigende Mehrheit von ihnen nur zeitweise beschäftigt oder arbeitslos. Nur sehr wenige Einrichtungen, abgesehen von NGOs, arabischen Stadtverwaltungen und örtlichen Stadträten, stellen arabische Fachleute und Akademiker ein."

So sind von den über 10.000 Angestellten der staatlichen Telephongesellschaft Bezeq nicht einmal 10 Araber. Von den 13.000 Angestellten der staatlichen Elektrizitätswerke sind es nur 5. Nach Aussage von Farouk Omri, einem Vertriebsleiter und höchstrangigsten arabischen Angestellten bei Bezeq stammen die arabischen Angestellten des Unternehmens aus der Zeit zwischen 1983 und 1988, als es jährlich zwei Arabern gestattet wurde, einen Ausbildungsplatz bei dem Unternehmen zu erhalten.

Mittlerweile wird die Einstellung von Arabern durch Bezeq mit der Begründung abgelehnt, daß die Arbeit auch die Staatssicherheit anginge, so Omri, der diese Begründung allerdings zurückweist. "Vielleicht 50 oder 100 Arbeitsplätze könnten so bezeichnet werden: die Techniker, die in Militäreinrichtungen und im Verteidigungsministerium arbeiten", sagte er.

Mit dem Hinweis auf Sicherheitsbedenken wird Arabern in vielen Bereichen der Zugang zu Arbeitsplätzen verwehrt. Hierzu gehören nicht nur die israelische Atomindustrie, sondern auch die israelische Fluggesellschaft, Textilfabriken, die Kleidung an das Militär liefern und andere Zulieferer des Militärs ebenso wie die Gefängnisverwaltungen.

Diese "Begründung" wird allerdings auch zunehmend von Unternehmen wie Restaurants angeführt. Araber werden häufig als erste entlassen, wenn es einem israelischen Unternehmen schlecht geht. "Wenn ein Restaurant Arbeiter entlassen muß, wird es Araber nehmen. Oder wenn arbeitslose Juden bereit sind, schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen, werden die Manager seit langer Zeit angestellte arabische Arbeiter feuern", so Badarne.

Auch ein Bericht (Adobe Acrobat-Datei) der Organisation Adva Center, die sich um Belange der Gleichberechtigung und sozialen Gerechtigkeit in Israel kümmert, belegt, daß arabische Arbeiter in Israel benachteiligt werden. Nicht nur, daß sie durchschnittlich die geringsten Löhne im Land erhalten und auch die Arbeitslosenquote in Gebieten mit vornehmlich arabischen Bewohnern um ein mehrfaches höher liegt als der landesweite Durchschnitt.





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