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ETA, Al-Qaida oder ...?
12.03.2004









Die verheerenden Bombenanschläge in der spanischen Hauptstadt Madrid vom Donnerstag haben neusten Angaben zufolge zu 198 Toten und über 1.500 verletzten Menschen geführt.

Schon als noch von 30 Toten und einigen hundert Verletzten gesprochen wurde, war für die spanische Regierung bereits klar, daß es sich um einen Anschlag der baskischen ETA gehandelt hat.

Mittlerweile wurde - wie kaum anders zu erwarten - eine weitere Möglichkeit in die Diskussion gebracht: Al-Qaida.

Die Theorie "ETA" stützt sich dabei auf mehrere Anhaltspunkte. Der verwendete Sprengstoff "Titadine" ist nach Angaben der spanischen Regierung der gleiche, der "üblicherweise" von der ETA verwendet wird. Außerdem soll die ETA versucht haben, am 24. Dezember vergangenen Jahres einen Anschlag auf den Bahnhof Chamartin in Madrid zu verüben und vor zwei Wochen fing die spanische Polizei einen Lastwagen auf dem Weg nach Madrid ab, der mit 500 Kilogramm der gleichen Sprengstoffart beladen war, so die spanische Regierung.

Zwei Männer - angeblich ETA-Mitglieder - die im Zusammenhang mit dem geplanten Anschlag von Weihnachten verhaftet worden waren, hatten allerdings ausgesagt, daß sie - wie dies von der ETA immer praktiziert worden ist - vor den Bomben warnen wollten. Auch der in diesem Zusammenhang häufig genannte Anschlag auf einen Supermarkt im Jahr 1987 führte nur deshalb zu 21 Todesopfern, weil eine Warnung der ETA von den Behörden ignoriert worden war.

Von dem Sprengstoff "Titadine" - eine französische Markenbezeichnung für eine Dynamitart - sind im März 2001 fast zwei Tonnen im französischen Grenoble aus der Fabrik des Herstellers geraubt worden und bisher nicht wieder aufgetaucht, sieht man von einer ganzen Reihe von Anschlägen der ETA mit dem Sprengstoff ab. Es ist allerdings keineswegs sicher, ob auch dieser Raub auf das Konto der ETA ging, da sie sich auch schon zuvor den Sprengstoff verschafft hatte.

Die Tatsache, daß Joseba Alvarez , der Auslandsprecher der baskischen Partei Batasuna, die häufig als "politischer Arm der ETA" bezeichnet wird, ebenso wie Arnold Otegi, ein weiterer hochrangiger baskischer Politiker, eine Verwicklung der ETA als "unmöglich" bezeichnet hat, sei hier nur noch am Rande erwähnt.

Auch für die Theorie "Al-Qaida" gibt es kaum überzeugendere Beweise. Hier werden ein "Bekennerschreiben" genannt, das bei der der Großbritannien erscheinenden, arabischsprachigen Zeitung "Al-Quds Al-Arabi" eingegangen sein soll und von der "Abu Hafs al-Masri"-Brigade im Namen Al-Qaidas unterzeichnet sein soll. Außerdem hat die Polizei in der Nähe der Anschläge einen geparkten Transporter gefunden, in dem sich sieben Zünder und ein Tonband mit arabischen Koran-Versen befanden.

Bei dem "Bekennerschreiben" handelte es sich tatsächlich um eine E-Mail. Da die Fälschungs- und Manipulationsmöglichkeiten hier praktisch unbegrenzt sind, ist dies kaum als Beweis oder auch nur Indiz zu bezeichnen.

Ein in der Nähe gefundener Transporter mit Koran-Versen auf einem Tonband erinnert verwirrend eindeutig an die in einem am Flughafen in Boston geparkten "gefundenen Beweise", die die Täterschaft Mohammad Attas an den Anschlägen vom 11. September 2001 eindeutig belegen sollten. Dort und in "zufällig" nicht mit an Bord der Maschine befindlichen Koffern Attas waren nicht nur ein Koran, sondern auch eine Kurzanleitung für das Flugzeug sowie ein Abschiedsbrief mit letzten Anweisungen an die anderen Terroristen gefunden worden.

Die unverzügliche Schuldzuweisung der Regierung unter José María Aznar an die ETA ist kaum verwunderlich. Nicht nur, daß sich hierdurch ein noch härteres Vorgehen gegen die ETA - und auch ganz allgemein gegen die baskischen Unabhängigkeitsbemühungen - begründen ließe, jede andere Möglichkeit würde sich politisch bei den am Sonntag bevorstehenden Wahlen negativer auswirken. Ein Anschlag von Al-Qaida als Racheakt "gegen einen der Pfeiler der Kreuzfahrerallianz, Spanien", wie es in dem Bekennerschreiben heißt, könnte die Wahlen sehr negativ für die Partei Aznars beeinflussen, da er es war, der sein Land am Irakkrieg beteiligt hat.

Allen anderen Interessengruppen, gleichgültig, ob es sich aus obigem Grund um die spanische Opposition handelt oder im Rahmen des "weltweiten Kriegs gegen den Terror" um die US-Regierung, würde eine Täterschaft Al-Qaidas sicherlich die größten Vorteile bringen.

Im "Krieg gegen den Terror" wäre sicherlich auch die in dem Bekennerschreiben gemachte Drohung hilfreich, daß ein schwerer Anschlag in den Vereinigten Staaten bevorsteht. "Der erwartete Schlag gegen Amerika ist jetzt in seiner letzten Phase - 90 Prozent fertig", heißt es dort.

Aufgrund dieser Interessenlagen dürfte es kaum zu einem anderen Ermittlungsergebnis kommen, auch wenn der Innenminister nach eigener Aussage der "Polizei befohlen" habe, "in alle Richtungen zu ermitteln" - allein die Tatsache, daß er sich gezwungen sieht, dies zu betonen, weckt hier Zweifel.

So ist kaum anzunehmen, daß beispielsweise eine Verbindung mit den Anschlagsdrohungen gegen das französische Eisenbahnnetz in Betracht gezogen werden wird. Die französische Eisenbahn wird seit einigen Wochen von einer unbekannten Gruppe zur Zahlung von 4 Millionen Euro erpreßt, andernfalls würden mehrere bereits gelegte Bomben zur Explosion gebracht. Als Warnung ist tatsächlich bereits eine solche Bombe explodiert.





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