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"Das kann ich nicht kommentieren"
07.03.2004









DemocracyNow! veröffentlichte bereits am Dienstag ein von Amy Goodman geführtes Interview mit Kenneth Kurtz, dem Vorstandsvorsitzenden der Steele Foundation, dem privaten US-Sicherheitsunternehmen, das den Auftrag hatte, den haitianischen Präsidenten Bertrand Aristide zu schützen.

Bemerkenswert sind in diesem Interview vor allem jene Fragen, deren Beantwortung Kurtz verweigert.


Amy Goodman: Gestern schafften wir es, den Vorstandsvorsitzenden der Steele Foundation, Ken Kurtz, telephonisch in seiner Konzernzentrale in San Francisco zu erreichen.

Kenneth Kurtz: Die Republik Haiti hat im Jahr 1998 einen Vertrag mit der Steele Foundation abgeschlossen, damit diese Sicherheitsdienste und Ausbildung für das Büro des Präsidenten der Republik Haiti bietet und wir haben diesen Vertrag seitdem erfolgreich ausgeführt.

Amy Goodman: Präsident Aristide sagt, er wäre entführt worden. Können Sie dazu etwas sagen?

Kenneth Kurtz: Ich habe Präsident Aristide nicht sagen gehört, er sei entführt worden. Ich kann Ihnen sagen, daß es unsere Aufgabe ist, das Staatsoberhaupt vor Ermordung, Entführung und Unannehmlichkeiten zu schützen und das haben wir getan.

Amy Goodman: Er sagt, er hat es einem Mitglied des Kongresses gesagt - und er war gerade auf CNN - und sagte, er sei entführt worden.

Kenneth Kurtz: Nochmal, ich habe Präsident Aristide das nicht sagen gehört, also kann ich das nicht kommentieren.

Amy Goodman: Sind einige Sicherheitsleute der Steele Foundation mit ihm in die Zentralafrikanische Republik gegangen?

Kenneth Kurtz: Das kann ich nicht kommentieren.

Amy Goodman: Und waren Mitarbeiter der Steele Foundation Samstag Nacht dort?

Kenneth Kurtz: Wir waren bei dem Präsidenten, als er das Land verließ.

Amy Goodman: Haben Sie die US-Regierung in Haiti gefragt, ob Sie mit mehr Schutz rechnen könnten, sollten Rebellen den Präsidenten angreifen?

Kenneth Kurtz: Ich kann das nicht kommentieren.

Amy Goodman: Waren Sie in den letzten Tagen besorgt, daß Sie angesichts der Lage nicht genügend Personal dort hatten?

Kenneth Kurtz: Oh, ich denke, die Regierung war seit Wochen darüber besorgt, sich gegen eine Rebellenarmee zu schützen, die sehr gut bewaffnet war. Ich denke, daß man Präsident Aristide in den letzten paar Wochen gesehen hat, wie er um internationale Unterstützung gebeten hat, um in der Lage zu sein, seine Regierung, eine demokratisch gewählte Regierung, gegen eine eindringende Rebellenarmee zu verteidigen.

Amy Goodman: Wie gut bewaffnet ist diese Rebellenarmee?

Kenneth Kurtz: Ich kann nicht ins Detail gehen. Sie waren gut bewaffnet.

Amy Goodman: Ist die Steele Foundation noch in Haiti und schützt andere Mitglieder der Regierung Haitis?

Kenneth Kurtz: Das kann ich nicht bestätigen.

Amy Goodman: Arbeitet die Steele Foundation in einem Fall wie diesem, wo US-Soldaten kommen, Hand in Hand mit dem US-Militär?

Kenneth Kurtz: Nein, überhaupt nicht. In diesem Fall arbeiten wir für die Regierung von Haiti. Wir haben Anweisungen direkt - und ausschließlich - vom Präsidenten erhalten.

Amy Goodman: War der Präsident besorgt, daß das Militär - oder seine Sicherheitskräfte - weggehen könnten? Hat die Steele Foundation dem Präsidenten jemals gesagt, daß sie gehen würde, sollte er nicht gehen?

Kenneth Kurtz: Nein, nein, natürlich nicht. Wir sind seit 1998 in Haiti und wir haben einen versuchten Staatsstreich miterlebt - am 17. Dezember vor einigen Jahren. Wir haben einige sehr, sehr ernste Situationen miterlebt. Die Leute, die in Haiti gearbeitet haben, die den Präsidenten schützten, haben sich zu 100 Prozent Präsident Aristide gewidmet und sichergestellt, daß wir unsere Aufgabe und unser Augenmerk erfüllten, was die Sicherstellung seiner Sicherheit als auch die Sicherheit seiner Familie war.

Amy Goodman: Sind viele der Kräfte, mit denen Sie arbeiten, oder das Personal mit dem die Steele Foundation arbeitet, sind sie ehemalige Angehörige der US-Special Forces?

Kenneth Kurtz: Unsere Mitarbeiter sind alle in ihren entsprechenden Fähigkeiten ausgebildet worden. Die Steele Foundation ist ein internationales Unternehmen. Unser Team in Haiti, das kann ich bestätigen, ist ein internationales Team.

Amy Goodman: Der versuchte Putsch wurde von wem durchgeführt? Am 17. Dezember.

Kenneth Kurtz: Ich glaube, es gab eine ganze Anzahl von Leuten. Guy Philippe war ganz sicher darin verwickelt. Ich denke, daß, geschichtlich betrachtet, wenn man sich die Personen in dieser "Rebellenarmee" ansieht, sie alle historische Personen in Haiti sind, die eine sehr aktive Rolle bei einigen extremen Gewalttaten in dem Land hatten.

Amy Goodman: Glauben Sie, daß Präsident Aristide Grund hatte, besorgt zu sein?

Kenneth Kurtz: Ich kann nicht für Präsident Aristide sprechen.

Amy Goodman: Waren Ihre Männer besorgt?

Kenneth Kurtz: Wir waren besorgt über die gesamte Sicherheitslage in dem Land. Da wir den Präsidenten schützten, sorgten wir ständig dafür, daß wir ausreichende Ressourcen vor Ort hatten.

Amy Goodman: Hat die US-Regierung die Steele Foundation jemals aufgefordert, zu gehen?

Kenneth Kurtz: Nein.

Amy Goodman: Wozu hat sie Sie aufgefordert?

Kenneth Kurtz: Das kann ich nicht kommentieren.

Amy Goodman: Haben sie jemals gesagt, sie würden Ihnen in diesen letzten Tagen, als es immer heikler, immer gefährlicher wurde, nicht helfen?

Kenneth Kurtz: Ich kann das nicht kommentieren.

Amy Goodman: Haben Sie das Gefühl, daß Sie die Unterstützung der US-Regierung beim Schutz von Präsident Aristide hatten?

Kenneth Kurtz: Es war unsere Aufgabe, Präsident Aristide zu schützen, nicht die Aufgabe der Regierung der Vereinigten Staaten.

Amy Goodman: Ich schaue mir einen Artikel des Miami Herald an, in dem steht: "Die Bush-Regierung hat einen Versuch Präsident Aristides, seine Leibwächter - größtenteils frühere Mitglieder der US-Special Forces - in letzter Minute zu verstärken, verhindert, da befürchtet wurde, er würde sie auffordern, einen Gegenangriff auf die Rebellen zu organisieren und durchzuführen... US-Beamte haben außerdem eine kleine Gruppe zusätzlicher Leibwächter gezwungen, ihren Flug aus den Vereinigten Staaten nach Haiti vom Sonntag auf einen späteren Termin zu verschieben - zu spät für Aristide, so Aristide nahestehende Quellen." Ist das wahr?

Kenneth Kurtz: Nein. Nein. Ist es nicht.

Amy Goodman: Sind diese Verstärkungen eingetroffen.

Kenneth Kurtz: Ich kann keinen Kommentar abgeben.

Amy Goodman: Haben Sie das Gefühl, daß Präsident Aristides Leben in Gefahr war, als er ging?

Kenneth Kurtz: Ich denke, daß die Sicherheitslage in dem Land sehr ernst war und ich glaube, daß wäre internationale Unterstützung eingetroffen, diese sicherlich die Situation stabilisiert hätte.

Amy Goodman: Haben Sie auch darum gebeten?

Kenneth Kurtz: Wir waren nicht in der Position, darum zu bitten. Unsere einzige Aufgabe war es, für die Sicherheit des Büros des Präsidenten zu sorgen.

Amy Goodman: Und Sie hatten das Gefühl, daß, wenn Streitkräfte eingetroffen wären, ihn das gestützt hätte? Es hätte ihn geschützt?

Kenneth Kurtz: Ich denke, es hätte die Sicherheitslage in dem Land stabilisiert.

Amy Goodman: Verspäteten sich einige Ihrer Leute auf ihrem Weg dorthin, um das kontingent um den Präsidenten zu verstärken?

Kenneth Kurtz: Ich kann das nicht kommentieren.

Amy Goodman: Steele Foundation war das Unternehmen, das dort war, um den Präsidenten zu schützen. Am Ende hatte der Präsident eindeutig das Gefühl, er hätte die Nachricht bekommen, wie er sagte, von US-Streitkräften, daß er nicht länger geschützt werden würde. Warum glauben Sie, hatte er dieses Gefühl?

Kenneth Kurtz: Ich kann nicht kommentieren, warum oder was Präsident Aristide gesagt hat. Ich schätze, jeder, der die Nachrichten verfolgt hat, weiß, daß die Sicherheitslage in dem Land angespannt war.

Amy Goodman: Glauben Sie, daß das US-Militär am Ende einen Unterschied gemacht hätte?

Kenneth Kurtz: Nun, diese Frage würde ich vermutlich an Sie richten und fragen: "Angesichts der Tatsache, daß das US-Militär, als es einen Tag nach seinem Verlassen eintraf, allein hierdurch für etwas Stabilität gesorgt hat, glauben Sie, daß, wäre es einen Tag früher gekommen, es für Stabilität gesorgt hätte?"





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