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US-Soldaten: es wird eng
03.04.2004








Die USA haben offenbar immer größere Probleme, die im Irak und in Afghanistan erforderlichen Truppenstärken zu halten.

Wie der britische Guardian am Samstag berichtete, hat das Pentagon in der vergangenen Woche vor dem US-Kongreß zugegeben, daß bisher 18.000 verletzte und erkrankte US-Soldaten aus dem Irak abtransportiert worden sind, also über 10 Prozent der ursprünglich 156.400 in den Irak entsandten US-Soldaten.

Diese Zahl erklärt nicht nur teilweise das mysteriöse Verschwinden von US-Soldaten aus dem Irak, sondern läßt auch die Vermutung, daß in Wahrheit wesentlicher mehr US-Soldaten getötet worden sind, plausibler erscheinen.

In jedem Fall greift das US-Militär aber offensichtlich zu immer verzweifelteren Mitteln, um die Truppenstärke im Irak nicht noch weiter absinken zu lassen.

Nicht nur, daß immer mehr Mitglieder der amerikanischen Nationalgarde - die sich selbst häufig als "Wochenendsoldaten" bezeichnen - in den Irak abkommandiert werden und sich bereits die Anzeichen für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in den USA mehren, mittlerweile werden immer häufiger auch erkrankte Soldaten "überredet", in den Irak zurückzukehren.

So hatte der US-Soldat Jason Gunn seiner Mutter am 23. März gesagt, vorgesetzte Offiziere würden Druck auf ihn ausüben, damit er in den Irak zurückkehre, es aber keinen Weg gäbe, ihn "in das Flugzeug zu bekommen." Gunn war im November schwer verletzt worden, als sein Humvee in Baghdad von einer Bombenexplosion getroffen wurde. Dabei wurde der Unteroffizier Timothy Hayslett getötet und ein weiterer Soldat verletzt worden. Gunns linke Körperseite war von einer ganzen Reihe von Schrapnells getroffen und sein Ellbogen zertrümmert worden. Außerdem litt er als Folge unter Albträumen.

Nur wenige Stunden nach dem Gespräch mit seiner Mutter befand sich Gunn allerdings bereits auf dem Weg in den Irak. In dieser Woche erhielt sie eine Nachricht von ihm, in der er schrieb: "Es ist mein Wunsch, wieder zu meiner Einheit verlegt zu werden, um meinen Dienst mit meiner Einheit hier im Irak beenden zu können." Und weiter: "Ich glaube, daß ich in der Lage bin, meine Aufgabe hier ebenso wie alle anderen Pflichten, die mir während des derzeitigen Einsatzes übertragen werden, zu erfüllen." Seine Mutter zeigte sich überzeugt, daß die Nachricht unter Druck entstanden ist.

Veronica Torres, ein Versorgungsoffizier mit 27 Dienstjahren, war vier Monate nach einer Zehoperation und mit weiteren Erkrankungen, die ihre Bewegungsfähigkeit einschränkten, wieder in den Irak geschickt worden. "Konnte ich laufen? Nein. Konnte ich in und aus Lastwagen springen? Nein. Konnte ich ein oder zwei Meilen marschieren? Nein.", sagte sie.

Ein Mechaniker, der bei einem Angriff im Juni vergangenen Jahres einen Gehirnschaden erlitten hatte, wurde bereits im Oktober wieder im Irak eingesetzt, obwohl er Seh- und Gedächtnisstörungen hatte.

Die genannten Beispiele zeigen deutlich, daß das US-Militär um jeden Preis versucht, verletzte Soldaten wieder "an die Front" zu bringen. Ein weiterer Grund hierfür mag sein, daß eine kürzere Behandlung der Soldaten auch zu geringeren Kosten führt, da dies aber andererseits zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Spätfolgen und Langzeitschäden führt, für die das US-Militär wiederum aufkommen müßte, scheint es wesentlich wahrscheinlicher, daß es hier darum geht, dafür zu sorgen, daß die Zahl der im Irak eingesetzten Soldaten auf einem "einsatzfähigen" Niveau bleibt.

Die Ankündigung Spaniens, die im Irak stationierten Soldaten abzuziehen und dementsprechende Überlegungen weiterer Länder wie Polen würden dieses Problem noch weiter verschärfen, da als Folge die US-Soldaten auch die Besatzung von Landesteilen übernehmen müßten, wo dies bisher von Soldaten dieser Länder übernommen worden ist.





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