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Die Rechenkünste der Bundesbank
05.04.2004








Der Bundesbankpräsident Ernst Welteke ist in den letzten Tagen in die Kritik geraten, weil er sich von der Dresdner Bank großzügig hat beschenken lassen.

Anläßlich einer Silvesterfeier, die mit einer Feier zur Einführung des Euros verbunden wurde, war er von der Dresdner Bank nach Berlin eingeladen worden. Dort wurde ihm von der Dresdner Bank sein Aufenthalt im Hotel Adlon vollständig bezahlt. Da er die Feier aber offenbar im Kreise seiner Familie geniessen wollte, reisten außerdem seine Frau, sein Sohn und dessen Freundin an, die ebenfalls alle auf Kosten der Dresdner Bank im Adlon abstiegen.

Insgesamt blieben die Weltekes vier Tage im Adlon und die Rechnung belief sich letztlich auf 7.661,20 Euro, immerhin über 2 Prozent seines Jahreseinkommens von 350.000 Euro.

Da zu den Aufgaben der Bundesbank auch die Aufsicht über die inländischen Banken gehört, ist es wenig verwunderlich, daß diese nette Geste der Dresdner Bank nach Bekanntwerden von der Öffentlichkeit nicht einfach als solche verstanden wurde. Wie der Spiegel am Montag berichtete geht die Staatsanwaltschaft in Frankfurt mittlerweile auch von der Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen den Beamten Welteke aus. Da ein Hamburger Rechtsanwalt zwischenzeitlich Strafanzeige wegen Vorteilsnahme bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt erstattet hat, wird ihr allerdings auch kaum eine andere Wahl bleiben.

Als Reaktion auf die Kritik veröffentlichte Welteke nun eine Erklärung (Adobe Acrobat-Datei), der zufolge er den privaten Anteil der Kosten selbst tragen würde, den anderen Teil die Bundesbank. Da er auf der Veranstaltung eine Rede gehalten habe und außerdem am 31. Dezember und am Neujahrstag an "verschiedenen Medienauftritten teilgenommen" habe, habe die Bundesbank nun zwei der vier Übernachtungen übernommen.

Inwieweit die Teilnahme an der Feier als "Privatvergnügen" zu betrachten ist oder inwieweit die "Teilnahme" an "Medienauftritten" - der Verdacht eines fünfminütigen Phototermins drängt sich hier auf - einen kompletten Tagesaufenthalt dienstlich werden lassen, soll hier gar nicht diskutiert werden.

Wirklich bemerkenswert ist vielmehr die offenbar mangelnde Fähigkeit der Bundesbank, Grundrechenarten korrekt durchzuführen.

Da insgesamt 4 Personen jeweils 4 Übernachtungen bezahlt wurden, wurden letztlich 16 Übernachtungen im Hotel von der Dresdner Bank bezahlt. Während sich die Bundesbank und Welteke nun die Kosten der Übernachtungen offenbar brüderlich teilen wollen, die Bundesbank also 3.830,60 Euro bezahlen wird, scheint eine andere Rechnung wesentlich angebrachter.

Geht man nun von seiner eigenen Aussage aus, daß zwei seiner Aufenthaltstage dienstlicher Natur waren, so wären in jedem Fall 14 der insgesamt 16 Übernachtungen von ihm zu tragen. Geht man vereinfacht davon aus, daß es sich um vier Einzelzimmer handelte, so hätte die Bundesbank also tatsächlich nur 957,65 Euro zu bezahlen.

Die Tatsache, daß man bei der Bundesbank anscheinend nicht in der Lage ist - würde es sich hier um einen absichtlichen "Rechenfehler" handeln, so würde dies im Rahmen der Ermittlungen möglicherweise den Tatbestand der Beihilfe erfüllen, was sicherlich auszuschließen ist - eine derart einfache Rechnung durchzuführen, wirft allerdings die Frage auf, wie zuverlässig die restlichen Aufgaben in dem Haus erledigt werden.





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