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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Kriegsrhetorik
08.04.2004








Das Beschimpfen des Gegner in einem Krieg ist ganz sicher keine Erscheinung der heutigen Zeit. Gleichgültig, ob ein gebürtiger Österreicher von "Untermenschen" sprach, ein Amerikaner von der "gelben Gefahr" oder ein Brite von "Wilden", immer ging es schon darum, der eigenen Bevölkerung klarzumachen, daß "die anderen" getreu dem Motto "das Böse ist immer und überall" eben dieses verkörpern. Im nächsten Krieg sind es dann möglicherweise andere, die diese Rolle übernehmen, aber der Mechanismus bleibt der gleiche.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, daß die USA offiziell von "Gangstern", "unverbesserlichen Saddam-Anhängern", "Aufständischen", "Rebellen" und "Terroristen" sprechen, die sie "zerstören" und "zerquetschen" werden.

Bemerkenswert sind allerdings trotzdem zwei Dinge.

Daß die Medien gerade in den USA diese Sprache schnell aufgenommen haben, mag angesichts der Verflechtungen der amerikanischen Politik mit der Wirtschaft und dementsprechend auch mit Medienkonzernen noch nachvollziehbar sein. Auch in Ländern wie Deutschland, in denen sich nicht nur die Bevölkerungsmehrheit gegen den Krieg ausgesprochen hat, sondern dieser Standpunkt auch von den Regierungen vertreten wurde, finden sich allerdings nur wenige Medienberichte, die diese Sprache nicht ungefragt übernehmen.

Der zweite Punkt ist allerdings für den Krieg selbst noch viel entscheidender, wenn er auch auf dem ersten Punkt aufbaut.

Dank der Internationalisierung der Medien und vorrangig auch des Internets war es für die derart Beschimpften nie zuvor so einfach zu erfahren, was ihre Gegner über sie zu sagen haben.

Daß diese Beschimpfungen dann wiederum dazu dienen können, die eigenen Anhänger gegen ihren Urheber aufzubringen, ist selbstverständlich. Gerade wenn es sich bei den so Verunglimpften um einen angesehenen Geistlichen und dessen Anhänger handelt ist es nicht schwer sich vorzustellen, welche Wirkung es hat, wenn jenes Oberhaupt als "Gangster" und seine "Armee", die als zukünftige "Märtyrer" - was ein hochangesehenes Schicksal ist - betrachtet werden, als "Mörder" und "Terroristen" bezeichnet werden.

Nicht zuletzt diese Rhetorik dürfte es den bisher eher Zurückhaltung predigenden anderen shiitischen Geistlichen - die al-Sadr in der Vergangenheit sehr kritisch gegenüberstanden - immer schwerer machen, sich nicht auf seine Seite zu stellen, da jedes Mal eben auch ihr gemeinsamer Glaube beleidigt wird.





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