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Cowboys im Wilden Osten
13.04.2004








Einmal mehr stellt sich angesichts zweier Meldungen vom Montag und vom Dienstag die Frage, ob die USA tatsächlich derart ignorant gegenüber den Tatsachen im Irak sind, oder ob sie in Wahrheit selbst ein starkes Interesse daran haben, daß sich die Lage eben gerade nicht beruhigt.

So sagte Generalleutnant Ricardo Sanchez, der Oberkommandierende des US-Militärs im Irak, am Montag, daß der shiitische Geistliche Muqtada al-Sadr "getötet oder gefangengenommen" werden müsse - in dieser Reihenfolge.

Diese Aussage hat einer AP-Meldung vom Montag zufolge zu einer weiteren Annäherung zwischen al-Sadr und den anderen shiitischen Geistlichen, die hinsichtlich des Widerstands gegen die Besatzer bisher sehr zurückhaltend waren, geführt.

Die Söhne der höchsten shiitischen Geistlichen im Irak, Großayatollah Ali al-Husseini al-Sistani und zweier weiterer Großayatollahs haben sich am Montag mit al-Sadr getroffen, um ihm zu versichern, daß sie keinen feindlichen Akt gegen al-Sadr und die heilige Stadt Najaf zulassen würden.

Hierdurch ist vermutlich auch der Abzug der al-Mahdi-Armee al-Sadrs aus Polizeistationen und Regierungsgebäuden in Najaf - eine der Forderungen des US-Militärs - zu erklären. Al-Sadr stellt sich damit als kompromißbereit dar. Sollte es trotzdem zu einem Angriff auf seine Person kommen, so würde dies die USA noch stärker als Aggressor darstellen.

Am Dienstag meldete AP, daß US-Soldaten einen Repräsentanten al-Sadrs - und shiitischen Geistlichen - in Baghdad gefangengenommen haben, während dieser sich zu Gesprächen mit Stammesführern im Sheraton-Hotel getroffen hatte. Während die Soldaten Hazem al-Aaraji und einen Mitarbeiter abführten kam es zu "Allahu Akbar!" ("Gott ist größer!") -Rufen der Anwesenden und Rangeleien mit den Soldaten.

Auch hier dürfte bei einigen der Stammesführer, die sich bisher nicht für eine Seite entschieden hatten, nun eine Entscheidung gefallen sein.

Es scheint kaum noch vorstellbar, daß die USA auch ein Jahr nach Beginn der Besetzung des Iraks gegenüber den dortigen Verhältnissen derart unwissend sind, daß ihnen nicht klar ist, daß ein solches Verhalten nur dazu geeignet ist, noch mehr Iraker gegen sich aufzubringen.

Tatsächlich würde eine friedliche und problemlose "Machtübergabe" - an eine von den USA ausgewählte "irakische Übergangsregierung" - die Besatzer tatsächlich vor ein großes Problem stellen. Da es dann nur noch ein kleiner Schritt bis zur vollständigen Unabhängigkeit wäre stünde es dem Irak dann auch in absehbarer Zeit offen, die Besatzer zum sofortigen Verlassen des Landes aufzufordern und auch Verträge mit amerikanischen Unternehmen könnten dann illegal werden.

Sollte die Lage im Irak allerdings weiterhin so angespannt bleiben, wie sie es momentan ist, so würde dies zumindest aus amerikanischer Sicht ein hervorragendes Argument für eine Verzögerung der "Machtübergabe" bieten.

Andererseits würde ein solches bewußtes Herbeiführen solcher Konflikte angesichts der massiven Verluste auf beiden Seiten ein ungeheures Maß an Menschenverachtung offenbaren.

Möglicherweise ist aber auch einfach der aus dem US-Bundesstaat Texas stammende US-Präsident George W. Bush der Ansicht, der Irak sei mit den gleichen Mitteln zu "befrieden", wie dies früher im "Wilden Westen" praktiziert wurde.





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