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"Ein Traum für Scharfschützen"
19.04.2004








Dem 21-jährigen Hauptgefreiten der US-Marines ist die Begeisterung für seinen Beruf anzumerken. "Es ist ein Traum für Scharfschützen", sagte er. "Man kann überall hingehen und es gibt so viele Arten, auf den Feind zu schießen, ohne daß er weiß wo man ist."

Experten der Marines bezeichnen die Stadt Fallujah als das "zielreichste" Kampfgebiet für Scharfschützen seit den Kämpfen um Stalingrad im 2. Weltkrieg.

In den vergangenen zwei Wochen hat der namentlich nicht genannte Hauptgefreite mindestens 24 Menschen erschossen.

"Ich hätte es nicht besser treffen können. Ich hatte einfach Glück, hier zur richtigen Zeit mit der richtigen Ausbildung zu sein", so der Scharfschütze.

Während offiziell ein Waffenstillstand in der Stadt andauert, feuern die amerikanischen Scharfschützen auf alle Iraker, die Waffen tragen, die Ausgangssperre brechen oder sich "auf US-Soldaten zu bewegen". Die Aussage, daß dies "nur" für als Widerstandskämpfer "erkannte" Iraker gilt, hat dabei bestenfalls kosmetischen Wert, da tatsächlich alle Iraker "im kampffähigen Alter" von den US-Soldaten als solche angesehen werden.

Oberfeldwebel Jimmy Massey, ein anderer US-Marine hingegen "schämt" sich dessen, was er und seine Einheit während und nach der Eroberung im Irak getan haben.

"In eineinhalb Monaten haben meine Einheit und ich über 30 irakische Zivilisten getötet", sagte er. "Unsere Mission bestand vorrangig darin, Dörfer abzuriegeln und durch Kontrollposten zu kontrollieren. Wenn ein Fahrzeug auf unsere Warnschüsse hin nicht anhielt pumpten wir sie ohne zu zögern voll Blei."

Am 18. April 2003 reichte Massey seinen Abschied ein, da er nicht weiter an derartigen Taten beteiligt sein wollte. Ein Angebot, nur noch Bürotätigkeiten auszuführen und so das Anrecht auf seine Pension, die er in sieben Jahren erreicht hätte, zu behalten, lehnte er ab. "Ich will dieses Geld nicht", sagte er.

Seine Erinnerungen an die Zeit im Irak verfolgen ihn. "Ich schäme mich, für das, was wir im Irak getan haben. Ich muß mit mir erst noch ins Reine kommen. Ich schlafe besser in dem Wissen, die Wahrheit gesagt zu haben", so Massey.

Er erinnert sich an den Anfang des Monats April 2003, auf einer Straße am Rande Baghdads, kurz nach der Invasion des Iraks:

"Es war heiß an jenem Tag und Baghdad war noch nicht vollständig gefallen. Ein kleiner roter Spectra fuhr mit 70 Stundenkilometern auf unseren Kontrollpunkt zu. Meine Leute gaben Warnschüsse ab, aber er kam weiter näher. Ein Kugelhagel fiel darauf nieder. Das Auto war sofort gestoppt, drei der Insassen waren sofort tot, der vierte war verwundet und mit Blut bedeckt. Als er seinen Bruder, den Fahrer, sah, brach er zusammen und schrie: 'Warum habt ihr meinen Bruder umgebracht? Was haben wir euch getan?'"

Nach einer Pause erzählt Massey mit gedrückter Stimme weiter:

"Wir riefen die Sanitäter. Sie kamen 20 Minuten später und ließen die Leichen am Straßenrand liegen. Nach der Schießerei kam eine Gruppe von Journalisten auf uns zu. Man hatte uns eingeschärft, sie so schnell wie möglich loszuwerden. Kurze Zeit später passierte das gleiche mit zwei weiteren Fahrzeugen. Wir haben an dem Tag drei weitere Zivilisten getötet. Es war ein schlimmer Tag."

In einem der Gesänge, der den Marines während ihrer Ausbildung zur "Motivation" eingebleut wird, heißt es: "Werft Süßigkeiten in den Schulhof, seht zu, wie sich die Kinder darum versammeln. Ladet euer M-60 durch, mäht die kleinen Bastarde nieder" und "Wir werden vergewaltigen, morden, plündern und brennen, werden vergewaltigen, morden, plündern und brennen!"





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