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Fundamentalistische Religionsschulen in den USA
22.04.2004








Wer von US-Amerikanern oder mit ihrer Unterstützung gegründete Schulen sucht, die ihren Schülern ein sehr fundamentalistisches Religionsbild beibringen, muß hierfür nicht nach Pakistan reisen.

Wie der britische Independent am Mittwoch berichtete, reicht hierfür eine Reise in die USA durchaus ebenfalls aus, wenn diese auch möglicherweise "unerwünschte Nebenwirkungen" haben kann.

Das Patrick Henry College, in der Kleinstadt Purcelville im US-Bundesstaat Virginia - also inmitten des "Bible Belt" ("Bibelgürtel") im Süden der USA - gelegen, dürfte alle Anforderungen erfüllen, um als "fundamentalistische Religionsschule" bezeichnet zu werden, sieht man davon ab, daß den Schülern zumindest bisher nicht die "Vorteile" von Selbstmordanschlägen nähergebracht werden.

Es beginnt schon bei der Anmeldung der Studenten, die vor ihrer Zeit an dieses Hochschule zu 75 Prozent zu Hause statt an öffentlichen Schulen unterrichtet worden sind. Bereits in dem Antrag auf Aufnahme an dem College müssen sie eine "Erklärung des Glaubens" unterzeichnen. Dort heißt (Adobe Acrobat-Datei) es:

  • Es gibt einen Gott, der für alle Ewigkeit in drei Personen existiert: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
  • Gott ist Geist und jene, die Ihm dienen müssen Ihm in Geist und Wahrheit dienen.
  • Jesus Christus, von einer Jungfrau geboren, ist zu Fleisch gewordener Gott.
  • Die gesamte Bibel (alle 66 Bücher des Alten und Neuen Testaments) ist das Wort Gottes, unfehlbar in den originalen Schriften und die einzige unfehlbare und ausreichende Autorität für den Glauben und das christliche Leben.
  • Der Mensch ist von Natur aus sündhaft und bedarf von vornherein der Erlösung, die ausschließlich durch den Glauben an Jesus Christus und Sein vergossenes Blut gefunden wird.
  • Christus' Tod erlöst uns von unseren Sünden.
  • Jesus Christus ist wörtlich von den Toten auferstanden.
  • Jesus Christus wird wörtlich am Zweiten Advent auf die Erde zurückkehren.
  • Satan existiert als ein wirkliches, übel wollendes Wesen, das als Versucher und Ankläger auftritt, für den die Hölle als ewige Strafe geschaffen wurde, wo alle, die ohne Christus sterben auf ewig in bewußter Qual gefangen sein sollen.

Eine entsprechende Erklärung muß selbstverständlich auch von den Lehrern unterzeichnet werden, Biologielehrer müssen dabei ausdrücklich auch erklären, daß sie an die biblische Schöpfungsgeschichte glauben.

An der Hochschule existiert für die Studenten eine Ausgangssperre und sie sind gezwungen, ihre Haare "ordentlich" zu tragen und sich "bescheiden" zu kleiden.

Sollten Studenten unterschiedlichen Geschlechts - ohne daß dies ausdrücklich erwähnt wird, ist die Schule ganz sicher frei von jeglicher Auslebenung von Homosexualität - miteinander Händchen halten wollen, so dürfen sie dies nur, während sie gehen. Dabei zu stehen ist verboten.

Auch müssen die Studenten Eine Erklärung unterzeichnen, die ihnen das Trinken von Alkohol nur in Anwesenheit ihrer Eltern gestattet. Obwohl das College offiziell jegliche Diskriminierung - außer der religiösen - ablehnt, sind die 240 Studenten ausschließlich Weiße.

All dies mag aus europäischer Sicht bereits bemerkenswert sein, tatsächlich finden sich aber zahlreiche Schulen in den USA, die nach diesen Grundlagen arbeiten.

Das besondere am Patrick Henry College ist, daß es erklärtes Ziel ist, "Männer und Frauen auszubilden, die unsere Nation führen werden und unsere Kultur mit zeitlosen biblischen Werten formen werden" und dieses Ziel offenbar auch bereits erreicht wird.

Von den fast 100 Praktikanten, die in diesem Frühjahr im Weißen Haus arbeiten, stammen 7 von Patrick Henry. Ein weiterer arbeitet für die Wiederwahlkampagne von George W. Bush und noch ein anderer arbeitet den politischen Berater des US-Präsidenten Karl Rove. Einer hat es bis zur "Übergangsverwaltung der Koalition" in Baghdad geschafft. In den vergangenen vier Jahren haben von den Mitgliedern des US-Kongresses 22 Angehörige der Konservativen einen oder mehrere Praktikanten aus Patrick Henry beschäftigt.

Darüberhinaus arbeitet Janet Ashcroft, die Frau des US-Justizministers John Ashcroft, als Treuhänderin für das College.

Das erst im Jahr 2000 von Michael Farris gegründete College hat keine Geldsorgen und gewinnt zunehmend an Einfluß. Mittlerweile tragen 81.000 Familien mit jeweils 100 US-Dollar zur Finanzierung bei. Dies führt dazu, daß die Studiengebühr mit 15.000 US-Dollar um 10.000 US-Dollar niedriger ist als an vergleichbaren Instituten.

Gegenüber der New York Times sagte Farris: "Wir unterrichten unsere Kinder nicht zu Hause, nur damit sie lesen lernen. Was ich am häufigsten von Eltern höre ist, daß sie ihre Kinder am Obersten Gerichtshof sehen möchten. Und wenn wir genügend Kinder in das System bringen, schaffen es einige vielleicht bis in die erste Liga."

Die Tatsache, daß ein derart großer Anteil von ihnen auf dem Weg dorthin ist, dürfte mindestens ebensoviel über die vorherrschenden Ansichten innerhalb der derzeitigen US-Regierung aussagen wie über Farris selbst.





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