www.Freace.de
Impressum und Datenschutz


Nachrichten, die man nicht überall findet.




Der Wert eines Menschen
29.04.2004








Ein Artikel der "Bild" vom Montag belegt einmal mehr die grundlegende Ausrichtung des Springer-Verlags auf die USA.

Nach Aussage der jordanischen Regierung ist es den Behörden gelungen, einen geplanten Anschlag von Terroristen, die wiederum auf Befehl des angeblichen "2. Manns" von Al-Qaida, Abu Musab al-Zarqawi, gehandelt haben sollen, zu verhindern. Bei den Anschlägen sollten mehrere Ziele mit Sprengstoff und Giftgas angegriffen werden, so die jordanische Regierung.

An dieser Behauptung bestehen bei näherer Betrachtung allerdings deutliche Zweifel. So sagte der Leiter des Pariser Internationalen Zentrums zur Beobachtung des Terrorismus, Roland Jacquard, einer dpa-Meldung vom Mittwoch zufolge gegenüber der Zeitung France Soir: "80 000 Tote, das sind keine Anschläge mehr, das ist der chemische Krieg! Und dafür benötigt man Laboratorien, Techniken, Experten. Es ist noch nicht einmal sicher, ob die Streitkräfte selbst das könnten."

Die "Bild" ist in ihrem Artikel allerdings frei von solchen Zweifeln und schreibt: "Es hätte bin Ladens schlimmster Anschlag diesseits des Atlantik werden können" - "jenseits des Atlantiks" ist es demnach nach Ansicht der "Bild" bereits zu einem "schlimmeren" Anschlag gekommen.



Der einzige Al-Qaida zugeschriebene Anschlag "jenseits des Atlantiks" sind die Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington. Bei diesen Anschlägen sind insgesamt - einschließlich der Passagiere in den Flugzeugen und den Menschen in New York und Washington - offiziellen Zahlen zufolge 2.995 Menschen getötet worden.

Von diesen Zahlen ausgehend könnte der Untertitel des "Bild"-Artikels so gedeutet werden, daß nach Ansicht der "Bild" der Tod eines Menschen in den USA "schlimmer" ist als der Tod von 27 Menschen in Jordanien.

Andernfalls könnte die Aussage aber auch bedeuten, daß selbst die "Bild" Zweifel an den genannten möglichen Opferzahlen hat und diese in Wahrheit auf weniger als 3.000 schätzt. Damit wäre allerdings der komplette Artikel praktisch hinfällig.

Berichten zufolge enthalten die Mitarbeiterverträge des Axel-Springer-Verlags seit über zwei Jahren nicht nur einen Passus, demzufolge die Redakteure "den Staat Israel unterstützen" müssen - was eine kritische Berichterstattung offensichtlich "erschwert" - sondern außerdem einen weiteren Vertragspunkt, der die Journalisten zu "Solidarität mit den USA" verpflichtet.

Betrachtet man nun die Bevölkerungsverhältnisse Jordaniens - geschätzte 60 Prozent der Bewohner sind Palästinenser - und die eindeutige Parteinahme der USA für Israel im Konflikt mit Palästina, so könnte dies eine Erklärung für den anscheinend "höheren Wert" von US-Bürgern liefern.

Möglicherweise sind der "Bild" die Menschen beiderseits des Atlantiks aber eigentlich auch völlig gleichgültig. Unter rein wirtschaftlichen Aspekten waren die Anschläge vom 11. September 2001 sicherlich tatsächlich wesentlich "schlimmer", da der entstandene Schaden durch die Zerstörung des World Trade Centers ungleich größer war als durch 20 Tonnen Sprengstoff in Jordanien zu erreichen gewesen wäre - Giftgas verursacht schließlich keine Schäden an Eigentum.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail