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Zynismus der Besatzer
02.05.2004








Die Hinweise dafür, daß es sich bei den bekanntgewordenen Folterungen von Irakern durch amerikanische und britische Soldaten um ein systematisches Vorgehen, noch dazu auf Befehl oder zumindest "Ermunterung" durch den militärischen Geheimdienst handelt, verdichten sich weiter.

Nachdem bereits der Unteroffizier Ivan L. "Chip" Frederick II - einer der beteiligten US-Soldaten - ausgesagt hatte, daß die Soldaten zu den Folterungen durch Mitarbeiter des militärischen Geheimdienstes ermuntert wurden um "die Gefangenen zum sprechen zu bringen" wurde diese Darstellung nun von der damaligen Oberkommandierenden der Einheit, Brigadegeneral Janis Karpinski, gegenüber der New York Times bestätigt.

Karpinski war bereits im Januar "in aller Stille" ihres Kommandos enthoben worden - spätestens zu diesem Zeitpunkt war dem US-Militär also bekannt, daß es zu den Folterungen gekommen ist.

In einem Telephoninterview sagte sie, daß die Folterungen in dem gesonderten Hochsicherheitstrakt 1A des Gefängnisses Abu Ghurayb stattgefunden haben, der unter direkter Kontrolle von Offizieren des Geheimdienstes der US-Army stand. Auch CIA-Agenten haben ihrer Aussage nach häufig an den Verhören der Gefangenen teilgenommen.

In dem Interview betonte sie mehrfach, daß sie die Täter nicht in Schutz nehmen will. "Meine erste Reaktion [als sie die Photos sah] war: das sind böse Menschen, weil ihre Gesichter zeigen, wie viel Vergnügen sie dabei empfanden", sagte sie.

Nicht nur, daß der von ihr auf eine Grundfläche von nur 20 mal 8 Meter geschätzte Gefängnistrakt direkt dem Geheimdienst unterstand, fast allen ihr unterstehenden Militärpolizisten sei es auch verboten gewesen, diesen Bereich zu betreten.

Auch seien rund um die Uhr Offiziere des militärischen Geheimdienstes anwesend gewesen. "Sie waren um zwei Uhr nachts dort, sie waren um vier Uhr nachmittags dort", sagte sie.

Eine der ihr gezeigten Aufnahmen von mißhandelten Gefangenen zeigte die Beine von 16 amerikanischen Soldaten - die Oberkörper waren nicht zu sehen. "Das sagt klar aus, daß andere Leute beteiligt waren, weil ich nicht 16 Leute für den Zellenblock abkommandiert hatte", so Karpinski.

Sie selbst habe während ihrer Inspektionsbesuche des Gefängnisses den Gefängnistrakt 1A auf Wunsch des militärischen Geheimdienstes nie betreten. Außerdem haben Offiziere des militärischen Geheimdienstes ihrer Aussage nach "große Anstrengungen unternommen, um dem Internationalen Roten Kreuz den Zutritt zu dem Verhörflügel zu verweigern."

Nach Ansicht ihres Anwalts Neal A. Puckett soll sie als Sündenbock benutzt werden, um andere Militärangehörige, insbesondere Offiziere des militärischen Geheimdienstes, zu schützen.

Zwar kann nicht wirklich ausgeschlossen werden, daß es sich bei ihrer Aussage um Schutzbehauptungen handelt, andererseits deckt sich ihre Darstellung sowohl mit der Aussage des Unteroffiziers Frederick als auch mit Amnesty International vorliegenden Informationen, denen zufolge es zahlreiche Fälle von Folter gibt, und auch mit einem dem New Yorker zugespielten geheimen Bericht der US-Army.

Dem von Generalmajor Antonio M. Taguba verfaßten Bericht zufolge ist es zwischen Oktober und November 2003 zu zahlreichen Vorfällen von "sadistischen, eklatanten und mutwilligen Mißhandlungen" in Abu Ghurayb gekommen. Diese "systematischen" Mißhandlungen sind dem Bericht zufolge sowohl durch Militärpolizisten als auch durch Mitarbeiter der Geheimdienste begangen worden.

Sowohl Offiziere des Geheimdienstes der US-Army, CIA-Agenten als auch im Auftrag der USA für private "Sicherheitsunternehmen" tätige Söldner haben laut seinen Nachforschungen "aktiv die Wachen der Militärpolizei aufgefordert, die körperlichen und geistigen Bedingungen für erfolgreiche Verhöre der Zeugen zu schaffen."

Die Behauptung des höchsten Offiziers des US-Militärs, der Vorsitzenden der Stabschefs Richard Myers, daß es sich nur um "eine Handvoll" von Soldaten handeln würde kann also sicherlich als Lüge bezeichnet werden - auch wenn ihm später sicherlich noch die Rückzugsmöglichkeit offensteht, daß es sich bei den Militärpolizisten um Reservisten und bei den Geheimdienstoffizieren gar nicht um "Soldaten" gehandelt hat.

Daß für diese systematische Mißhandlungen von Gefangenen durch die US-Besatzer ausgerechnet - wenn auch sicherlich nicht allein, wie schon die Folter durch britische Soldaten belegt - das Gefängnis Abu Ghurayb ausgewählt worden ist, kann nur noch als zynisch bezeichnet werden.

In der Zeit Saddam Husseins war Abu Ghurayb landesweit berüchtigt, weil dort die Gefangenen brutal gefoltert und getötet wurden.

Die Tatsache, daß diese "Tradition" von den "Befreiern" des Iraks offenbar praktisch nahtlos fortgesetzt wurde dürfte gerade im Verständnis der irakischen Menschen ein klarer Beleg für die Art moralischen Grundsätze der Besatzer sein.





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