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Interviews und andere Lügen
05.05.2004








Aufgrund des massiven Drucks, der durch die Veröffentlichung zahlreicher Photos gefolterter Iraker entstanden ist, hat der US-Präsident George W. Bush einem arabischen Fernsehsender ein Interview gegeben, in dem er die Taten "einzelner" scharf verurteilte.

Nicht genug allerdings damit, daß es sich bei diesem Sender um den von den USA aufgebauten Sender Al-Hurra und nicht um den kritischen Sender Al-Jazeera handelte, was mit Sicherheit zur Vermeidung zu unangenehmer Fragen geführt hat, Bush konnte es außerdem nicht vermeiden, in dem Interview zu lügen.

So behauptete er, daß er erst durch die Fernsehausstrahlung von der Existenz der Photos erfahren habe. Der Sender CBS, der als erster die Bilder zeigte, war allerdings von den US-Behörden "gebeten" worden, die Ausstrahlung um zwei Wochen zu "verschieben". Sollte Bush - wenn schon nicht vorher - innerhalb dieser Zeit tatsächlich keine Informationen über die Untersuchung, die Anklagen gegen US-Soldaten und die "Bitte" an CBS, die Bilder zurückzuhalten, so wäre dies der entscheidende Beleg dafür, daß er tatsächlich nur die viel zitierte Marionette wäre. Wesentlich wahrscheinlicher scheint hier allerdings, daß es sich bei dieser Aussage einfach nur um eine Lüge handelte.

Während das restliche "Interview" Bush vorrangig die Möglichkeit gab zu versichern, daß die "Schuldigen" - womit Bush offenbar die Reservisten meinte, die letztendlich vor allem auf Anweisung von militärischem Geheimdienst und CIA gehandelt haben - "bestraft" werden würden - wobei dies anscheinend auch die Möglichkeit einer "Verwarnung" einschließt - wurde insbesondere an dieser Stelle klar, daß es sich hier nicht um ein der Wahrheitsfindung dienendes Interview handelte, sondern vielmehr einzig und allein um eine Propagandasendung.

Wäre es bei dem "Interview", dem Bush sich "gestellt" hat, tatsächlich darum gegangen, der Wahrheit näher zu kommen, so hätte spätestens die Aussage, er habe von nichts gewußt, zu Nachfragen führen müssen.

Politisch betrachtet hätten die Foltervorwürfe kaum zu einem geeigneteren Zeitpunkt auftauchen können.

In dem Moment, wo sich das US-Militär nach wochenlanger Belagerung und Bombardierung der Stadt Fallujah zurückzieht - die Medien also die Möglichkeit hätten, Bilder von den Verwüstungen zu zeigen --tauchte ein noch weitaus interessanteres Thema auf: die Folterungen von irakischen Gefangenen, belegt durch eine Vielzahl von Photos.

Während im Fall der Folterungen die Schuld offensichtlich einigen wenigen, niedrigrangigen Soldaten der Reserve zugeschoben werden soll, wäre dies hinsichtlich der Kriegführung gegen die Zivilbevölkerung der Stadt Fallujah sicherlich nicht möglich gewesen.

Der internationale Imageverlust durch die Bilder von gefolterten Gefangenen mag groß sein, der Imageverlust durch von Massenmedien gezeigte Bilder der von den USA verursachten massiven Zerstörungen und Belege für hunderte von getöteten Zivilisten wäre sicherlich ungleich größer.





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