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Unterschiedliche Prioritäten
08.05.2004








Neben den Folterungen von irakischen Gefangenen durch US-Soldaten beherrscht seit zwei Wochen vor allem ein weiteres Thema die amerikanischen Medien, der Tod des früheren Football-Stars Pat Tillman in Afghanistan.

Der Tod Tillmans, der in den Berichten als "Held" bezeichnet wird, wird dabei einhellig als eine Tragödie dargestellt.

Angesichts dieses klaren Meinungsbilds war sicherlich abzusehen, daß ein Comic-Strip des politischen Cartoonisten Ted Rall für Aufregung sorgt, da er ihm dort eben diesen Heldenstatus abspricht.




Dies hat dazu geführt, daß sich fast alle Zeitungen, die üblicherweise seine Comic-Strips abdrucken - nach seiner Aussage 140 Zeitungen - geweigert haben, auch diesen ihren Lesern zu zeigen und auch MSNBC hat ihn von ihrer Website entfernt. Darüber hinaus hatte er einen Auftritt in der Sendung "The O'Reilly Factor" auf dem Sender FoxNews und erhielt außerdem zahlreiche Morddrohungen und andere Beschimpfungen.

Rall, dessen Comic-Strips zumeist sehr kritisch mit den von den USA in Afghanistan und dem Irak geführten Kriegen umgehen und dabei häufig satirisch und zynisch sind, wurde von dem Talkmaster Bill O'Reilly in der Sendung schwer angegriffen, machte aber deutlich, daß er zu der Aussage stehe und daß er beide Kriege für falsch hält.

Auf die Frage, ob er keine Bedenken habe, respektlos gegenüber Tillman und seiner Familie zu sein, antwortete er: "Nun, es geht nicht darum, respektlos gegenüber Herrn Tillman oder seiner Familie zu sein. Es geht darum, die größere Tatsache herauszukehren, daß Leute, die sich freiwillig gemeldet haben um im Irak und in Afghanistan zu kämpfen, benutzt un irregeleitet worden waren und möglicherweise sogar böse Absichten hatten, als sie dorthin zum Kämpfen gingen."

Auch bestreitet Rall, daß Tillman "für sein Land gestorben" sei. "Ich denke, es ist eine schreckliche Tragödie, daß Leute in Afghanistan und dem Irak gestorben sind, aber es ist eine Lüge zu sagen, sie wären für ihr Land gestorben. Ich war in Afghanistan und es ist unmöglich, das mit der texanisch-mexikanischen Grenze zu verwechseln. Man verteidigt nicht sein Land wenn man in Afghanistan kämpft."

An dieser Stelle war O'Reilly seine wachsende Wut deutlich anzumerken, als er sagte, wenn Rall glauben würde, daß die afhanische Regierung der Taliban nicht direkt zum 11. September 2001 geführt hätte, würde er "am äußeren Rand der Realität leben".

Rall sagte daraufhin, daß Pakistan seiner Ansicht nach wesentlich mehr damit zu tun hatte. Später wies er auch daraufhin, daß Al-Qaida von Saudi-Arabien finanziert wurde.

O'Reilly versuchte während des Gesprächs mehrfach, Rall in eine linke, fast linksextremistische Position zu drängen, was ihm aber nicht gelang, wie der folgende Ausschnitt deutlich belegt.

O'Reilly: "... Wenn das, was Sie tun, so edel und so richtig ist, warum wollen die meisten der linken Zeitungen ihn dann nicht bringen?"

Rall: "Nun, ich würde der Darstellung, daß die New York Times eine linke Zeitung ist, widersprechen."

O'Reilly: "Sie glauben nicht, daß sich die New York Times redaktionell nach links lehnt?"

Rall: "Überhaupt nicht."

O'Reilly: "Überhaupt nicht."

Rall: "Ich glaube, es ist eine gemäßigte Zeitung der politischen Mitte."

O'Reilly: "Also gut. Nun, das zeigt gerade, wo Sie stehen."

Rall: "Nun, vielleicht zeigt es, wo sie stehen, Bill."

Unzählige E-Mails an Rall - von denen eine ganze Reihe auf Ralls Website veröffentlicht wurden - sind noch wesentlich deutlicher geworden. Neben zahlreichen Morddrohungen und Aufforderungen, die Vereinigten Staaten zu verlassen gehören Beschimpfungen, die ihn als "Kommunist" - was in jedem Fall auch Rückschlüsse auf den politischen Standpunkt des Schreibers zuläßt - und als "Schwuler" noch zu den äußerst gemäßigten Beleidigungen - wobei es bei den beiden genannten Begriffen ohnehin im Auge des Betrachters liegt, ob dies Beleidigungen sind.

Es scheint äußerst unwahrscheinlich, daß die Absender der E-Mails angesichts der Folterungen von Gefangenen und über 10.000 getöteten Zivilisten im Irak ähnliche Schreiben an den US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und den US-Präsidenten George W. Bush als die letztendlich Verantwortlichen gesandt haben.





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