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Cui bono?
14.05.2004








Wenn versucht wird, den Täter eines Verbrechens zu ermitteln, wird als einer der ersten Anhaltspunkte die Frage gestellt, wer ein Motiv für die Tat gehabt, also daraus einen wie auch immer gearteten Nutzen gezogen hätte.

Stellt man diese Frage des "Cui Bono?" - "Wem nützt es?" - im Zusammenhang mit dem Video, daß die Enthauptung des US-Bürgers Nick Berg zeigen soll, so ergibt sich hier ein Bild, daß von der Darstellung in den Medien nicht unerheblich abweicht.

Geht man davon aus, daß das Video, wie unter anderem von der amerikanischen CIA behauptet, live die Tötung durch Enthauptung Bergs durch Abu Musab al-Zarqawi zeigt, so ist der mögliche "Nutzen" mehr als zweifelhaft.

Anders als im Fall des erschossenen Italieners wurden zuvor nicht medienwirksam Forderungen gestellt - auch wenn behauptet wird, daß die Freilassung "einiger" Gefangener aus dem Gefängnis Abu Ghurayb gefordert wurde. Die Aufzeichnung und Veröffentlichung eines solchen Verbrechens ohne zuvor auch die Forderungen zu veröffentlichen scheint als Wahrmachung einer Drohung wenig wahrscheinlich.

Es war eindeutig vorauszusehen, daß das Video sowohl international als auch in der arabischen Welt verurteilt würde. Wie auch jede andere Religion lehnt der Islam eine solche Tat strikt ab. Selbst die Hizbollah fühlte sich genötigt, eine Erklärung zu veröffentlichen, in der sie den Mord verurteilte.

Bleibt letztlich noch die Möglichkeit, daß es sich um einen "allgemeinen Racheakt" für die Besetzung und insbesondere die Folterungen von Irakern durch US-Soldaten gehandelt hat, wie dies von der US-Regierung dargestellt wird. Dies ist sicherlich nie auszuschließen, würde allerdings der bisherigen Darstellung al-Zarqawis widersprechen, der als ebenso religiös wie intelligent beschrieben wird.

Der Nutzen für die US-Regierung andererseits scheint offensichtlich. Das Video wurde zu dem Zeitpunkt veröffentlicht, da der Druck durch immer neue Berichte und Bilder von Folterungen durch US-Soldaten und für sie arbeitende Söldner immer größer wurde. Die Veröffentlichung des Videos konnte die Berichte über gefolterte irakische Gefangene zwar nicht vollständig aus den Medien verdrängen, sie nimmt nun aber nicht mehr den alles überstrahlenden Platz ein wie zuvor. Außerdem zeigt das Video deutlich, wie "barbarisch" der "Gegner" ist, so daß die Folterungen hierdurch in gewisser Weise relativiert werden. Darüber hinaus wird in weiten Teilen der Bevölkerung die Wut auf die Gesamtheit der Iraker, aber auch Moslems allgemein, gestärkt. So wird sogar in deutschen Internetforen ein "Flächenbombardement irakischer Städte" gefordert und eine große amerikanische Tageszeitung sprach auf der Titelseite von "Wilden", andere vom "reinen Bösen" und auch "Rache" wurde gefordert.

Im Krieg der Bilder - gerade auch durch die zeitliche Nähe zueinander - schlägt das Video gefühlsmäßig aus westlicher Sicht in den meisten Fällen die bisher veröffentlichten Bilder gefolterter Iraker, auch wenn gerade die erzwungenen sexuellen Handlungen für diese vielfach schlimmer als der Tod waren.

Demgegenüber steht einerseits die Familie Bergs, die der Regierung die Schuld an seinem Tod gibt und andererseits der Gedanke, daß die Invasion und Besetzung des Iraks letztendlich für das Video verantwortlich ist. Zumindest bisher scheint seine Familie zwar laut zu rufen, aber trotzdem nicht wirklich gehört zu werden - dies wird möglicherweise als "natürliche Trauerreaktion" abgetan - und die Verbindung zum Einmarsch der USA wird in den US-Medien bisher kaum gezogen.

Für eine solche "Verschwörungstheorie" ist eine tatsächliche direkt Mitwirkung der US-Regierung sicherlich nicht notwendig. Hierfür würde eine kleine Gruppe "wohlmeinender amerikanischer Patrioten" sicherlich ausreichen.

Bemerkenswert ist sicherlich auch das nachhaltige Leugnen der USA, daß sich Berg vor seinem Verschwinden zwei Wochen lang in US-Gefangenschaft befunden hat, was von Bergs Familie allerdings ebenso nachhaltig behauptet wird.

Als - relativ - sicher kann derzeit nur angesehen werden, daß Nicholas "Nick" Berg im Irak sein Leben verloren hat. Die Frage, wer hierfür verantwortlich ist, scheint wesentlich schwieriger zu beantworten zu sein, als dies üblicherweise dargestellt wird.





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