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Foltervideos in Guantánamo
16.05.2004








Wie der britische Observer am Sonntag berichtete, ist es im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba offenbar nicht nur zu zahlreichen Mißhandlungen von Gefangenen gekommen, diese wurden außerdem routinemäßig mit Kameras aufgezeichnet.

Dies wurde von Tarek Dergoul, einem britischen Staatsbürger, der in dem Lager gefangengehalten worden war und im vergangenen März freigelassen wurde, enthüllt und in der letzten Nacht von Oberstleutnant Leon Sumpter, einem Sprecher des Lagers, bestätigt.

Dergoul wurde 22 Monate lang in Guantánamo Bay festgehalten worden. Nachdem er seine traumatischen Erfahren so weit verarbeitet hatte, daß er darüber sprechen konnte, berichtete er gegenüber dem Observer von wiederholten Angriffen der Bestrafungseinheit des Lagers, die als "Extreme Reaction Force" (ERF, "Äußerste Reaktion Einsatzkräfte") bekannt ist.

Er erzählt von einem Angriff einer fünfköpfigen ERF-Einheit: "Sie sprühten mir Pfeffer-Spray ins Gesicht und ich begann mich zu übergeben. Sie hielten mich nieder und griffen mich an, steckten mir die Finger in die Augen und zwangen meinen Kopf in die Kloschüssel und spülten. Sie fesselten mich wie ein Tier und dann knieten sie auf mir, traten und schlugen mich. Schließlich zogen sie mich in Ketten nach draußen in den Hof und rasierten mir meinen Bart, meine Haare und meine Augenbrauen."

Diese Darstellung wird auch von Shafiq Rasul, Asif Iqbal und Ruhal Ahmed, den "Tipton Three", drei weiteren Briten, die ebenfalls im März aus Guantánamo entlassen wurden, gestützt. Nach Rasuls Aussage führte dies sogar zu der Wortschöpfung "to be ERFed", was bedeutet, von einem mit einem Schild ausgerüsteten Soldaten zu Boden geworfen, dort niedergehalten und von fünf bewaffneten Männern verprügelt zu werden.

Diese Informationen belegen zwar einmal mehr, daß die Anwendung von Folter bei US-Gefangenen durchaus häufig und mit Billigung oder sogar auf Anweisung der Vorgesetzten, letztendlich also durch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und auch des US-Präsidenten George W. Bush geschieht, Dergouls entscheidende neue Information ist aber, daß bei derartigen "Einsätzen" der ERF immer noch ein sechstes Mitglied der Einheit anwesend war, die alles mit einer Videokamera aufgezeichnet hat.

Dies wurde von Oberstleutnant Sumpter bestätigt. Alle Handlungen der ERF würden aufgezeichnet, damit sie durch höherrangige Offiziere "überprüft" werden könnten, so Sumpter. Alle Aufzeichnungen werden seinen Worten nach in dem Lager archiviert.

Der demokratische US-Senator Patrick Leahy kündigte bereits an, daß er von Rumsfeld in der kommenden Woche die Herausgabe dieser Videos fordern werde.

Es bleibt abzuwarten, ob Rumsfeld tatsächlich die Videos an die Kontrollkommission des US-Senats übergibt. Da offiziell von US-Soldaten gefilmte und archivierte - also kaum bestreitbare - Belege für ein derart brutales Vorgehen gegenüber Gefangenen einen weiteren schwerwiegenden Beweis für das Vorhandensein einer gängigen Folterpraxis liefern würden, scheint es eher wahrscheinlich, daß es sich dabei - sollte eine Herausgabe nicht komplett verhindert werden - nur um eine "Auswahl" handeln würde.





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