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Und wieder eine amerikanische "Erfolgs"meldung
17.05.2004








Am Montag berichteten die Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das US-Militär, daß am Samstag bei einem der zahlreichen Angriffe auf die Besatzer mit selbstgebauten Bomben eine mit Sarin gefüllte Artilleriegranate verwendet worden ist.

Eine Entschärfung sei nicht mehr rechtzeitig gelungen und bei der Explosion sei eine "geringe Menge" Sarin freigesetzt worden.

Dies wird nun als Beweis dafür gewertet, daß Saddam Hussein eben nicht alle Massenvernichtungswaffen hatte vernichten lassen, wie er immer wieder behauptet hatte. David Kay, der zurückgetretene Leiter der Waffeninspektionen im Irak, meldete sich mit der Vermutung, daß es sich bei der Granate nur um ein bei der damaligen Vernichtung "übersehenes" Exemplar gehandelt habe.

Diese Kritik an der amerikanischen Darstellung scheint aber viel zu kurz zu greifen.

Einem AP-Bericht zufolge wurden zwei Mitglieder des Bombenentschärfungskommandos wegen "geringfügigen Kontakts" mit dem Nervengift behandelt. Tatsächlich ist schon eine sehr geringe Menge Sarin ausreichend, um einen Menschen zu töten. In der Atemluft werden bereits 10 Milligramm als tödliche Dosis angesehen.

Es ist davon auszugehen, daß das 155-Millimeter-Artilleriegeschoß 10 Kilogramm der beiden zur Mischung von Sarin notwendigen Chemikalien enthielt. Selbst wenn man von der erfolgreichen Mischung eines weitaus kleineren als des üblichen Teils von 70 Prozent der beiden Chemikalien ausgeht, wäre hier immer noch eine bedeutende Menge Sarin entstanden.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld wurde bisher nur anhand eines Schnelltests "festgestellt", daß bei der Explosion Sarin freigesetzt worden ist. Genau diese Schnelltests haben in der Vergangenheit schon des öfteren zu Erfolgsmeldungen bei der Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak geführt, die letztlich aber - wenn auch mit wesentlich weniger Medienaufmerksamkeit - allesamt korrigiert werden mußten. So war beispielsweise im Januar gemeldet worden, daß in der Nähe der Stadt Qurnah gefundene Mörsergranaten Senfgas enthielten, was sich später als falsch erwies.

Bemerkenswert ist hier sicherlich auch, daß dieser Schnelltest nach Rumsfelds Aussage von Mitgliedern der "Iraqi Survey Group" (ISG), die für die Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak durch die USA zusammengestellt worden ist, durchgeführt wurde. Die Tatsache, daß ein solcher Test überhaupt durchgeführt wurde mag noch mit äußerster Vorsicht zu erklären sein, daß aber Mitglieder der ISG anscheinend bereits vor Ort waren kann sicherlich zumindest als "eigenartiger Zufall" bezeichnet werden.

Darüberhinaus hatte David Kay schon in der Vergangenheit gesagt, daß die chemischen Kampfstoffe des Iraks durch chemische Alterungsprozesse nicht mehr einsatzfähig sein dürften, selbst wenn es noch Bestände geben sollte.

Zusammenfassend scheint es also höchst unwahrscheinlich, daß das Ergebnis des Schnelltests durch eine genauere Analyse bestätigt werden wird. Andererseits ist es den USA zumindest gelungen, eine weitere "Erfolgs"meldung über die Medien zu verbreiten.





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