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"Nicht im nationalen Interesse"
22.05.2004








Ein amerikanischer Soldat, der gegenüber ABCNews ausgesagt hatte, daß die Folterungen von irakischen Gefangenen durch US-Soldaten auf Befehl des militärischen Geheimdienstes erfolgt sind, hat daraufhin seine sicherheitsdienstliche Freigabe verloren, wurde strafversetzt und wird vermutlich angeklagt werden, weil seine Aussage "nicht im nationalen Interesse" gewesen sei, berichtete der Sender am Freitag.

Außerdem erhielt der Unteroffizier im militärischen Geheimdienst der USA Samuel Provance einen Eintrag in seiner Personalakte, der verhindert, daß er befördert wird oder Auszeichnungen erhält.

Provance sagte, er würde bestraft werden, weil er zum damaligen Zeitpunkt nicht über sein Wissen Bericht erstattet hatte und nichts unternommen hatte, um die Folter zu unterbinden.

"Ich betrachte es als einen Versuch, Unteroffizier Provance und jeden anderen Soldaten, den sein Gewissen quält und der sich melden möchte, um zu sagen, was in Abu Ghurayb wirklich passierte, einzuschüchtern", sagte sein Anwalt Scott Horton.

Auch Provance ist der Ansicht, daß er bestraft wird, weil er nicht geschwiegen hat.

"Ich habe das Gefühl, daß ich dafür bestraft werde, daß ich ehrlich war", sagte er gegenüber ABCNews. "Wissen Sie, es war fast, als wenn ich das tatsächliche Gefühl hatte, daß wenn alle meine Aussagen vernichtet würden und ich wie fast alle anderen sagen würde 'Ich habe nichts gehört, ich habe nichts gesehen. Ich weiß nicht, wovon Sie reden', mein Leben jetzt völlig in Ordnung wäre."

Provance hatte ABCNews gegenüber berichtet, daß dutzende von Soldaten an den Folterungen beteiligt gewesen sind, daß diese auf Anordnung der Vernehmungsbeamten erfolgt seien und daß versucht wird, das Ausmaß der Folterungen zu vertuschen. Er hatte mit ABCNews gesprochen, obwohl ihm dies von seinen Kommandeuren untersagt worden war.

"Es gibt zweifellos eine Vertuschungsaktion", so Provance. "Die Leute sagen sich entweder selbst, daß sie still sein sollen, oder es wird ihnen befohlen."

Gegenüber dem Sender ließ Provance keinen Zweifel daran, daß die Folterungen auf Befehl durchgeführt wurden. "Alles, was sie legal oder anderweitig taten, dafür erhielten sie Befehle von den Vernehmungsbeamten", sagte er.

Auch die sexuellen Mißhandlungen von Gefangenen sind seiner Aussage zufolge auf Anordnung des militärischen Geheimdienstes geschehen.

"Ein Vernehmungsbeamter erzählte mir, wie häufig die Gefangenen vollständig entkleidet wurden und in manchen Fällen in Unterwäsche von Frauen tragen mußten", so Provance. "Wenn es deine Aufgabe ist, Menschen auszuziehen, sie anzuschreien, sie anzubrüllen, sie zu erniedrigen, ist es nicht sonderlich schwierig, von da aus zum nächsten Grad zu gehen."

Provance sagte, daß er bei der Befragung durch Generalmajor George Fay, den stellvertretenden Stabschef des Geheimdienstes der US-Army, der die Rolle des militärischen Geheimdienstes bei den Folterungen untersuchen soll, den Eindruck hatte, Fay hätte nur Interesse an den Militärpolizisten und nicht an den Vernehmungsbeamten gehabt und schien ihn davon abbringen zu wollen, auszusagen.





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