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Israelischer Minister fühlt sich an Holocaust erinnert
23.05.2004








In der wöchentlichen Kabinettssitzung hat der israelische Justizminister und stellvertretende Premierminister Yosef Lapid am Sonntag gesagt, daß ihn die von der israelischen Armee im Gaza-Streifen verübten und von Amnesty International als Kriegsverbrechen bezeichneten Zerstörungen an das Vorgehen der Nazis gegen seine Familie im 2. Weltkrieg erinnert, berichtete AP.

Lapid, selbst ein Überlebender des Holocaust, wurde von Beamten mit den Worten zitiert, daß ihn das Bild einer alten palästinensischen Frau vor den Trümmern ihres Hauses "an meine Großmutter im Holocaust" erinnerte.

Er wolle zwar Israel nicht mit den Nazis vergleichen, aber "es gibt keine Vergebung für Leute, die eine alte Frau so behandeln", sagte er.

Lapid Äußerungen haben erwartungsgemäß zu einem Aufschrei innerhalb des Kabinetts und mehrere Minister forderten seinen sofortigen Rücktritt. Premierminister Ariel Sharon sagte, solche Kommentare würden "Öl ins Feuer der Aufwiegelung" gießen.

Betrachtet man die Person Lapids genauer, so stellt sich tatsächlich die frage, was ihn zu diesen Aussagen bewegt hat.

In der Vergangenheit hatte er die Eltern Udi Adivs - eines jungen Kibbuz-Mitglieds, der für Syrien spioniert haben soll - mit den Eltern von Adolf Eichmann, der für die Deportation von Millionen von Juden in die Konzentrationslager verantwortlich war, verglichen.

Der politisch offenbar weit rechts stehende Lapid, der Kopf der Shinui-Partei ist, hat sich ebenfalls scharf gegen Homosexuelle ("Sie schieben ihre Genitalien unter die Nasen hilfloser Bürger"), Grüne ("unermüdliche Nörgler"), neue Geschichtsforscher ("sie stecken ihren Kopf in einen Haufen Mist") und weibliche Mitglieder des Parlaments, die versuchen, mißhandelten Frauen zu helfen ("sie sind irritierend") geäußert.

Vor den Wahlen hatte er angekündigt, keinesfalls an einer Regierung der Arbeiter-, der Meretz- und der arabischen Parteien mitwirken zu wollen.

Die von ihm gemachte Äußerung, die ja eine klare Parteinahme für die Palästinenser ist, scheint also nicht zu seiner bisher gezeigten Einstellung zu passen. Andererseits dürfte es schwer für ihn sein, hierdurch einen politischen Gewinn zu erzielen. Nicht nur, daß er nun im Kabinett unter Druck gerät, auch die Mehrheit seiner Wähler dürfte eher "irritiert" reagieren.

Einzig der von Sharon gemachte Kommentar könnte möglicherweise eine ins bisherige Bild passende Erklärung liefern. Tatsächlich könnte Lapids Vergleich dazu beitragen, die Stimmung innerhalb der Palästinenser weiter anzuheizen. Andererseits dürfte dies angesichts der massiven Zerstörungen und dutzenden von Toten allerdings kaum nötig sein.

Auch wenn Lapids Motivation bisher also unklar ist - sicherlich ist es ebensogut möglich, daß er angesichts des brutalen Vorgehens der israelischen Armee ehrliche Empörung empfunden hat - so scheint doch zumindest sicher, daß die Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Zerstörungen hierdurch verschärft werden wird.





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