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"Kommen als nächstes Bücherverbrennungen?"
23.05.2004








In einem Kommentar für das Daytona Beach News-Journal berichtete der frühere Journalist der Zeitung Bill Hill von einem Fall massiver Meinungszensur an einer amerikanischen Schule.

Der Lehrer Bill Nevins war vor einem Jahr von der größten öffentlichen Oberschule des US-Bundesstaates New Mexico, der Rio Rancho High School, entlassen worden, weil er die von seinen Schülern geschriebenen Gedichte nicht einer Zensur unterworfen hatte. Dabei ging es keineswegs um sexuelle, sondern ausschließlich um politische Inhalte. Außerdem wurden die Kurse für Dichtkunst als auch der Dichter-Club unverzüglich und endgültig geschlossen.

Schülern war es gestattet worden, von ihnen verfaßte Gedichte ein Mal in der Woche über das Videosystem der Schule vorzutragen.

Im März 2003 hatte die Schülerin Courtney eines ihrer Gedichte erst in einem Buchladen und später über das Videosystem vorgelesen. Der Verbindungsoffizier des Militärs an der Schule - eine an US-Schulen übliche Einrichtung - als auch der Direktor der Schule beschuldigten das Mädchen daraufhin, "unamerikanisch" zu sein, weil sie den Irakkrieg und die Bildungspolitik der Bush-Regierung kritisierte.

Der Direktor befahl der Mutter des Teenagers, die ebenfalls an der Schule unterrichtete, das Gedicht ihrer Tochter zu vernichten, was diese allerdings ablehnte. Möglicherweise wird auch sie ihren Arbeitsplatz an der Schule verlieren.

Nach den beschriebenen Maßnahmen trugen der Direktor und der Verbindungsoffizier ein von ihnen verfaßtes Gedicht vor, während sie die US-Flagge vor der Schule hißten. Nachdem er sich daraufhin selbst für seine Maßnahmen gelobt hatte, sagte an die diejenigen Schüler und Lehrer gerichtet, die seine politischen Ansichten nicht teilten: "Haltet Eure Klappen!"

Später ordnete er an, daß von Kunststudenten erstellte Plakate abgerissen werden mußten, wiederum aus politischen Gründen. Einige waren satirisch und implizierten, daß eine nationale Politik zum Krieg geführt hatte. Die Verträge von Kunstlehrern, die sich weigerten, die Plakate in den Klassenzimmern abzureißen, wurden nicht verlängert.

Nevins hat zwar mittlerweile einen neuen Arbeitsplatz an einer anderen Schule gefunden, kann dort aber nicht beginnen, weil der Direktor der Rio Rancho High School sich weigert, Nevins' Zeugnisse an seinen neuen Arbeitgeber zu senden.

Derzeit ist ein Verfahren gegen die Schule anhängig, in dem Nevins sowohl von der nationalen Autorengewerkschaft als auch der Bürgerrechtsorganisation ACLU unterstützt wird.

Hill schließt seinen Kommentar mit der Frage "Kommen als nächstes Bücherverbrennungen?" Tatsächlich scheint weniger die Handlungsweise des Direktors der Schule bemerkenswert - Personen, die ihre Macht für die Durchsetzung eigener Ansichten ausnutzen sind nicht selten - sondern vielmehr die Tatsache, daß dies bisher zu keiner bekannten Reaktion seiner Vorgesetzten, also der Schulbehörde, geführt hat.

Daß Nevins gegen diesen offensichtlichen Fall von politischer Zensur gerichtlich vorgehen muß zeigt, daß die Schulbehörde offenbar mit den Maßnahmen des Direktors einverstanden war. Hills Frage scheint also nicht völlig unberechtigt zu sein.





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