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Weiterer Todesfall in US-Haft
24.05.2004








Der britische Guardian berichtete am Montag von einem weiteren Fall eines in US-Gefangenschaft getöteten Irakers.

Am 25. April des vergangenen Jahres hatten US-Soldaten das Haus des irakischen Wissenschaftlers Dr. Mohammed Munim al-Izmerly mit Panzern umstellt, die Haustür eingetreten und das Haus durchsucht. Sie nahmen Bücher, Papiere, Computer und Familienphotos mit. Seine Frau sagte: "Sie blieben einen Tag. Ich bot ihnen Tea und Kaffee an. Sie schienen erstaunt zu sein."

Am nächsten Tag stellte sich Dr. al-Izmerly, der auf der ursprünglichen Liste der "Koalition" von 200 Verdächtigen des Regimes Saddam Husseins aufgeführt wurde, den US-Truppen und wurde gefangengenommen.

Im Mai traf ein erster Brief des Roten Kreuzes ein, aus dem aber nicht hervorging, wo der Chemiker gefangengehalten wurde. Sechs Monate später wurde seiner Familie erlaubt, in der US-Basis in al-Taji, nördlich Baghdads, Winterkleidung für ihn abzugeben, außerdem gab es drei Telephonate.

Schließlich fanden seine 23-jährige Tochter Rana, ihre Schwester Nuha, 27, und ihr 21 Jahre alter Bruder Ashraf heraus, daß ihr Vater auf der US-Basis am Flughafen Baghdads gefangengehalten wurde. Am 11. Januar sahen sie ihn das erste Mal wieder.

Ein US-Offizier fuhr sie mit verbundenen Augen auf einer Zick-Zack-Route durch das Lager, bis sie schließlich an einer Villa ankamen, wo sie ihren Vater trafen. "Als ich ihn sah, war er bei guter Gesundheit. Er war normal. Er war in die Sachen gekleidet, die wir ihm zuvor geschickt hatten", sagte Rana. "Aber er lehnte es ab, darüber zu sprechen, was ihm in der Gefangenschaft passiert war. Ich fragte die Amerikaner, warum sie ihn verhaftet hatten. Sie sagten mir einfach 'Er ist ein Zeuge'."

Die Weigerung ihres Vaters, über die Gefangenschaft zu sprechen, könnte ein erster Hinweis darauf gewesen sein, daß er mißhandelt worden ist.

Kurze Zeit später, am 19. Januar, besuchte das Rote Kreuz Dr. al-Izmerly. Am 17. Februar informierte die Organisation seine Familie, daß er tot war.

Dem an seinem Leichensack befestigten Totenschein des US-Militärs zufolge ist er an einer "Hirnstamm-Quetschung" gestorben, eine Diagnose, die durch eine von seiner Familie in Auftrag gegebene Autopsie grundsätzlich bestätigt wird.

Faik Amin Baker, Leiter der forensischen Abteilung des Krankenhauses von Baghdad, stellte fest, daß al-Izmerly durch "einen plötzlichen Schlag auf den Hinterkopf" getötet wurde. Jemand hatte den Chemiker von hinten, vermutlich mit einer Stange oder einer Pistole, geschlagen, so Baker.

"Er starb durch einen schweren Schlag auf den Kopf. Wir bestreiten nicht den Bericht der Koalition, aber er erklärt nicht, wie er überhaupt diese Verletzungen erlangte", sagte er gegenüber dem Guardian.

Der Tod al-Izmerlys gehört anscheinend nicht zu den Fällen von in US-Haft verstorbenen irakischen Gefangenen, deren Untersuchung in der vergangenen Woche durch das US-Verteidigungsministerium angekündigt wurde.

Der gewaltsame Tod eines so "wichtigen Zeugen" macht einmal mehr deutlich, wie verbreitet die Mißhandlung von Gefangenen tatsächlich sein dürfte.

Seine Tochter Rana ist überzeugt, daß ihr Vater ermordet wurde. "Die Beweise sind eindeutig. Sie lassen darauf schließen, daß die Amerikaner ihn umbrachten und dann versuchten, zu vertuschen, was sie getan haben. Ich werde amerikanische und britische Leute für den Rest meines Lebens hassen. Ihr seid Demokraten. Ihr habt gesagt, ihr kämt, um Demokratie zu bringen, und doch habt ihr meinen Vater umgebracht. Durch das Akzeptieren Eurer Regierungen akzeptiert Ihr, was sie hier im Irak tun", sagte sie.

"Ich werde mir keine Ruhe gönnen, bis ich ihn gerächt habe", so Rana.





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