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Das amerikanische Paralleluniversum
25.05.2004








Am Dienstag berichtete AP, daß das US-Militär weiterhin behauptet, daß es sich bei der durch das US-Militär bombardierten Hochzeitsfeier in Wahrheit um einen "geheimen Unterschlupf" ausländischer Kämpfer gehandelt habe.

Als "Belege" hierfür zeigte Brigadegeneral Mark Kimmitt Photos von Gegenständen, die nach der Bombardierung von US-Soldaten gefunden worden seien. Sie zeigten Maschinengewehre, Munition, ein Ticket der Sudan Airways, medizinische Ausrüstung, ein sudanesischer Ausweis, Batterien und ein "weißes Pulver".

Das "weiße Pulver" wird seinen Angaben zufolge derzeit darauf überprüft, ob es sich dabei um Rauschgift handelt. Der Gedanke, daß es sich dabei um Puderzucker - gerade bei großen Feiern sicherlich kein ungewöhnliches Nahrungsmittel - handeln könnte, ist ihm offenbar bisher nicht gekommen.

Die Tatsache, daß dort Waffen gefunden wurden, entspricht derart den Erwartungen, daß die Behauptung, daß dies ein Beleg dafür sei, daß es sich um "ausländische Kämpfer" gehandelt habe, die "die Menschen des Iraks töten" wollten, nur noch als lächerlich zu bezeichnen ist. Nicht nur, daß der Waffenbesitz in der irakischen Kultur tief verankert ist und Waffen praktisch in jeden Haushalt zu finden sind - gerade US-Amerikaner sollten hierfür eigentlich Verständnis aufbringen - da es sich außerdem um ein teilweise nomadisch lebenden Stamm handelte sollte es mehr als nachvollziehbar sein, daß sie Waffen mit sich führten.

Auch der Besitz von Waffen wie Maschinengewehren und Panzerfäusten kann hier sicherlich aufgrund ihrer leichten Verfügbarkeit im Irak seit dem Sturz Saddam Hussein durch die US-geführte Invasion kaum verwundern.

Der Fund des sudanesischen Ausweises und des Flugtickets dürfte kaum mehr belegen, als daß mindestens ein Verwandter oder Freund an der Feier teilgenommen hat.

Die gefundene medizinische Ausrüstung als Beleg zu werten ist angesichts der Lebensweise des Stammes, der sich jedes Jahr mehrere Monate in der Wüste aufhält, nur noch als grotesk zu bezeichnen. Gleiches gilt sicherlich für die gefundenen Batterien, die von Kimmitt mit "selbstgebauten Sprengkörpern" in Verbindung gebracht werden.

Seiner "Logik" nach müßte mindestens jeder zweite US-Haushalt in Zukunft befürchten, durch das US-Militär bombardiert zu werden, da dort sowohl Waffen, Munition, "medizinische Ausrüstung" wie Pflaster und Verbände, Batterien und "weißes Pulver" - nicht nur Puderzucker - zu finden sind. Darüberhinaus kann gerade im Hinblick auf die große Zahl getöteter Zivilisten sicherlich gesagt werden, daß die Mehrheit der US-Bevölkerung zumindest passiv "die Tötung der irakischen Menschen" unterstützt.

Kimmitts Aussage ist um so bemerkenswerter, als Associated Press Television News am Sonntag in den Besitz einer mehrstündigen Videoaufnahme der Hochzeitsfeier gelangt ist.

Auf dem Band sind mehrere Personen, darunter der Bruder des Sängers Hussein al-Ali, Muhanad, eindeutig zu erkennen, die später von AP-Journalisten im Krankenhaus beziehungsweise deren Leichen gesehen wurden. Die Leiche Muhanad al-Alis trug das gleiche Hemd, wie auf dem Video zu sehen.

Auch die große Zahl von Berichten überlebender Augenzeugen, daß hauptsächlich Frauen und Kinder getötet worden sind, wird von den USA ebenso weiterhin ignoriert wie die Tatsache, daß AP-Reporter am Ort des Geschehens Videoaufnahmen gemacht haben, die zerstörte Musikinstrumente und farbenprächtig dekorierte Betten, wie sie für Festlichkeiten benutzt werden, zeigen.

Kimmitt bestritt erneut, daß Kinder bei der Bombardierung getötet worden sind.

Betrachtet man das Verhalten des US-Militärs in diesem Fall, so scheint es, als würde nicht mehr nur versucht, ein Schuldeingeständnis um jeden Preis zu vermeiden, sondern als würde es sich mittlerweile in einem Paralleluniversum mit einer völlig anderen Logik aufhalten.

Angesichts dieser erdrückenden Beweise immer noch an der Darstellung festzuhalten, daß es sich bei den Getöteten um "ausländische Kämpfer" handelte, zerstört sicherlich gerade auch im Irak den letzten Rest der verbliebenen Glaubwürdigkeit der USA.

Bei dieser Betrachtung sollte allerdings nicht völlig aus dem Blickwinkel verschwinden, daß die Bombardierung des Lagers in jedem Fall - unabhängig davon, ob es sich um Hochzeitsgäste oder "Kämpfer" gehandelt hat, als Kriegsverbrechen zu bezeichnen ist. Zwar behauptet das US-Militär, Soldaten seien beschossen worden, allerdings fehlt hierfür jeder Beleg. Bei dem Einsatz ist den US-Angaben zufolge nicht ein Soldat verletzt oder getötet worden.

Die überlebenden Augenzeugen andererseits berichteten übereinstimmend, daß direkt mit der Bombardierung begonnen worden sei.

Ein solcher Angriff auf ein unbekanntes Ziel und ohne den dort vorhandenen Menschen die Möglichkeit einzuräumen, sich zu ergeben, widerspricht zweifellos der 4. Genfer Konvention, die den unbedingten Schutz von Zivilisten fordert als auch dem Zusatzprotokoll, daß den Angriff auf unverteidigte Objekte verbietet.





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