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Das Plündern geht weiter
29.05.2004








Am Freitag berichtete die New York Times, daß der Irak weiterhin in großem Maße ausgeplündert wird.

Direkt im Anschluß an den Einmarsch der US-geführten Truppen im vergangenen Jahr war es im Irak zu weitverbreiteten Plünderungen, unter anderem auch der Museen des Landes, gekommen. Schon damals sahen die Soldaten in klarem Widerspruch zu ihren Aufgaben als Besatzer - und erst recht als "Befreier" - dabei untätig zu.

Wie der Bericht der New York Times zeigt, haben sich die Plünderer nun zwar ein neues Betätigungsfeld gesucht - einer der Gründe hierfür mag sein, daß ein Großteil der Kunstschätze des Iraks bereits verschwunden ist - sich ansonsten aber wenig geändert hat. So wird das irakische Volk weiter beraubt - auch wenn es dieses Mal wesentlich direktere Folgen für die Menschen hat - und die vornehmlich amerikanischen Besatzungssoldaten sehen weiterhin untätig dabei zu.

Schätzungen zufolge überqueren pro Tag mindestens 100 Sattelschlepper mit "Schrottmetall" die Grenze nach Jordanien, nur eines der sechs an den Irak angrenzenden Länder.

Daß auch die einheimische Industrie echten Schrott in absehbarer Zeit als Rohstoff gebrauchen könnte, ist dabei noch das geringste Problem. Was hier unter dem Deckmantel "Schrott" außer Landes geschafft wird, sind vielfach Rohstoffe wie Kupfer- und Aluminiumbarren und -stäbe, hochwertige Maschinen, Wasserrohre, Hochspannungskabel aus Kupfer, neue, riesige Flansche wie sie in der Ölindustrie benötigt werden und viele weitere, ebenso wertvolle wie neuwertige Dinge, selbst irakische Bierfässer.

Muhammad al-Dajah, technischer Direktor der jordanischen Freihandelszonen, zu denen auch der Schrottplatz Sahab, 15 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Amman, gehört, deutete verärgert auf Rohre von 30 Zentimeter Durchmesser, Flansche und ebenfalls neue, 5 Meter lange Stangen Kohlenstoffstahl. "Warum sind sie hier", fragte er rhetorisch. Und dann, verweisend auf den notwendigen Wiederaufbau des Iraks: "Sie brauchen es dort."

"Es gibt dort eine gigantische Verwertungsaktion, bei der alles, dessen Wert erkannt wurde, außer Landes geschafft wird", sagte John Hamre, Präsident des Center for Strategic and International Studies (CSIS). "Das ist eine systematische Plünderung des Landes", sagte er. "Man wird all diese Dinge ersetzen müssen."

Seit mehreren Monaten wertet die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Satellitenbilder von hunderten von militärisch-industriellen Komplexen im Irak ausgewertet. Die Ergebnisse sind alarmierend. Jacques Baute, Leiter des irakischen Atomüberwachungsbüros der Behörde, sagte, daß ganze Gebäude und Gebäudekomplexe von bis zu 12 Gebäuden von den Bildern verschwunden sind.

"Wir sehen Standorte, die vollständig ausgeputzt worden sind", sagte er.

Auch Metallteile, die von den Waffeninspektoren der Vereinten Nationen (UNMOVIC) markiert worden waren, sind in den vergangenen Wochen auf jordanischen Schrottplätzen gefunden worden. "UNMOVIC hat die Entfernung von Materialien, die möglicherweise der Überwachung unterlagen untersucht und diese Untersuchung dauert an", sagte Jeff Allen, Sprecher der Kommission.

Sam Whitfield, ein Sprecher der US-Verwaltungsbehörde (CPA) im Irak, widersprach der Darstellung von massiven Plünderungen. Er behauptete vielmehr, daß diese durch die Besatzer erfolgreich beendet worden sei.

Angesichts der zahlreichen genannten Beispiele ist diese Behauptung wenig glaubhaft. Erschwerend kommt sicherlich hinzu, daß alles, was jetzt aus dem Irak gestohlen wird, später neu gekauft werden muß. Die entsprechenden Verträge sind fast ausschließlich mit US-amerikanischen Unternehmen abgeschlossen worden.





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