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Seilschaften im Irak
29.05.2004








Der vom irakischen "Regierungsrat" zum zukünftigen Premierminister gewählte Iyad Allawi war nach Bekanntgabe der Entscheidung vom Sprecher des Weißen Hauses als "ein ausgezeichneter und fähiger Führer, der anscheinend große Unterstützung im irakischen Volk besitzt" bezeichnet worden.

Ein Artikel des britischen Independent vom Samstag zeigt, wie viele Unwahrheiten diese kurze Aussage enthielt.

Der 59-jährige Neurologe war anfangs ein Mitglied der Baath-Partei Saddam Husseins und versorgte den irakischen Geheimdienst sowohl im Irak als auch während seines Studiums in Großbritannien mit Informationen.

Später wechselte er die Seiten und lieferte Informationen an den britischen Geheimdienst MI6. Dies führte dazu, daß der irakische Geheimdienst 1978 versucht haben soll, ihn zu ermorden. Mehrere Männer griffen ihn im Schlaf in seinem Haus in Kingston-upon-Thames mit Messern und Äxten an und verletzten ihn schwer. Sicherlich bleibt schon hier ein Restzweifel an seiner Darstellung, da die Durchführung eines Mordauftrags eines Geheimdienstes mit Messern und Äxten zumindest "exotisch" klingt.

Später wurde er dann ein erfolgreicher Geschäftsmann - hier dürften seine engen Verbindungen zum Geheimdienst sehr hilfreich gewesen sein. Nach dem ersten Krieg der USA mit dem Irak im Jahr 1991 zentrierte sich die irakische Opposition im Ausland um die mit seiner Unterstützung gegründete Partei Iraq National Accord (INA, "Irakisches Nationalabkommen").

Mitte der 90er Jahre behauptete die INA, gute Beziehungen in höhere Ränge des irakischen Militärs zu haben und Allawi machte den nächsten Schritt, indem er sich der CIA annäherte und den MI6 hinter sich ließ. Die CIA schließlich überzeugte er davon, daß er in der Lage wäre, einen Militärputsch im Irak zu organisieren.

Mit Unterstützung aus den USA, Großbritannien und Saudi-Arabien eröffnete er 1996 eine Niederlassung und einen Radiosender im dem Irak benachbarten Jordanien. Ein im gleichen Jahr unternommener Putschversuch endete im Irak mit Massenverhaftungen. Abdul-Karim al-Kabariti, der damalige jordanische Premierminister, sagte, daß die Netzwerke der INA "alle von den irakischen Sicherheitsdiensten unterwandert waren."

Schließlich war es Allawi, der der US-Regierung die "Information" übergab, daß der Irak innerhalb von 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen könnte.

Tatsächlich bestehen auch mehr als begründete Zweifel daran, daß er "große Unterstützung im irakischen Volk besitzt". So wurde daß Büro der INA in der nördlich Baghdads gelegenen Stadt Baiji direkt nach Beginn von Unruhen im vergangenen Jahr in Brand gesteckt.

Allawi war zwar angesichts des US-Angriffs auf die Stadt Fallujah von seinem Posten als Leiter des Sicherheitsauschusses des "Regierungsrats" zurückgetreten, seine Vergangenheit scheint die amerikanische Freude über seine Ernennung allerdings in einer für das irakische Volk mehr als unvorteilhaften Weise zu erklären.

Daß ausgerechnet er als zukünftiger Premierminister "gewählt" wurde belegt ein weiteres Mal die mangelnde Unabhängigkeit des irakischen "Regierungsrats" und den Willen der USA, die Regierung des Iraks nach ihren Vorstellungen zu gestalten.





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