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Mein Freund, der Folterknecht
30.05.2004








In der Zeit vom 20. bis zum 23. Mai wurden im Auftrag von ABC News und der Washington Post 1.005 zufällig ausgewählte US-Bürger telephonisch zu ihren Ansichten über Folter befragt. Die Fehlerquote der Ergebnisse der Umfrage wurde dabei mit 3 Prozentpunkten angegeben.

Diese Umfrage lieferte ebenso erschreckende wie hinsichtlich der weit verbreiteten Folterungen von Gefangenen durch US-Soldaten auch erklärende Ergebnisse.

Von allen Befragten sagten 35 Prozent, daß Folter - in klarer Abgrenzung zu weniger starken "körperlichen Mißhandlungen" - "in einigen Fällen" zulässig sei, wenn es sich um Terrorismusverdächtige handele. Menschen, die eines Angriffs auf US-Soldaten im Irak oder Afghanistan verdächtigt werden, können nach Ansicht von 34 Prozent aller Befragten gefoltert werden. "Körperliche Mißhandlungen" von Terrorverdächtigen halten 46 Prozent für zulässig, von Verdächtigen von Angriffen wiederum ein Prozent weniger.

Die Vorgänge in dem US-geführten Gefängnis Abu Ghurayb im Irak werden von 60 Prozent der Befragten als Mißhandlung und nur von 29 Prozent als Folter bezeichnet.

Diejenigen Amerikaner, die der Ansicht sind, daß es die Sache wert war, den Irakkrieg zu führen, halten Folter zu 50 Prozent in bestimmten Fällen für zulässig. Kriegsgegner lehnen Folter in jedem Fall zu 75 Prozent ab.

40 Prozent der Anhänger der republikanischen Partei halten Folter in einigen Fällen für zulässig, während es "nur" 27 Prozent der Anhänger der derzeit oppositionellen Demokraten sind.

44 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen halten Folter in bestimmten Fällen für annehmbar. Auch die Rasse scheint einen Unterschied zu machen - vermutlich durch einen häufig unterschiedlichen sozialen Hintergrund. So halten 30 Prozent der Nichtweißen Folter für akzeptabel, aber 40 Prozent der Weißen.

Um so jünger die Befragten waren, desto größer war auch ihre Akzeptanz von Folter. Während 23 Prozent der Senioren Folter in bestimmten Fällen als zulässig ansahen, waren es 44 Prozent der unter-30-Jährigen.

Von den aus Abu Ghurayb und weiteren US-geführten Gefängnissen bekannt gewordenen Folterungen - die von der Mehrheit nur als "Mißhandlungen" angesehen werden - halten 66 Prozent aller Befragten - 74 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen - Schlafentzug für eine zulässige Methode.

Die Verweigerung von Nahrung oder Wasser wird von 38 Prozent der Befragten als annehmbar bezeichnet, die Anwendung von Elektroschocks von 17 Prozent - 26 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen - und die sexuelle Erniedrigung von 16 Prozent aller Befragten.

Die Tatsache, daß über ein Viertel aller befragten Männer den Standpunkt vertrat, daß Menschen, die verdächtigt werden, an einem Angriff auf US-Soldaten im Irak beteiligt gewesen zu sein in "bestimmten Fällen" - bei Terrorismusverdächtigen wurde als Beispiel genannt, daß die Ermittler sich Informationen über einen bevorstehenden Anschlag erhoffen - mit Elektroschocks gefoltert werden können und dies darüber hinaus von der absoluten Mehrheit nur als "Mißhandlung" angesehen wird, zeichnet ein dunkles Bild.

Andererseits erklärt diese Umfrage aber auch ein Stück weit, wie es zu den weitverbreiteten Gefangenenfolterungen kommen konnte.

Die US-Soldaten im Irak sind mehrheitlich Mitglieder gleich mehrerer jener Gruppen, die sich stärker für Folter ausgesprochen haben. Sie sind in der überwiegenden Zahl weiß, männlich, jünger als 30 Jahre und auch selbstverständlich Kriegsbefürworter. Da sich die Akzeptanz von Folter hier addiert, wird deutlich, wie groß die Zustimmung für die Folterung von Gefangenen innerhalb des US-Militärs sein dürfte.





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