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Das Schweigen brechen
03.06.2004








Noch bis zum 25. Juni findet in der israelischen Stadt Tel Aviv eine Photo- und Videoausstellung ehemaliger israelischer Soldaten statt, die die alltäglichen Verbrechen der israelischen Soldaten gegenüber den Palästinensern in der Stadt Hebron in der West Bank belegt, berichtete AP am Donnerstag.

Über 80 Israelis, die ihren gesetzlich vorgeschriebenen dreijährigen Kriegsdienst in Hebron geleistet hatten, haben zusammen an der Ausstellung mit dem Titel "Breaking the Silence" ("Das Schweigen brechen") gearbeitet. Nach Aussage der Organisatoren soll die Ausstellung sowohl den Soldaten dazu dienen, die eigenen Taten zu verarbeiten als auch als Warnung für andere.

"Erst jetzt wird uns klar, daß wir einige krumme Dinge gemacht haben", sagte der 20-jährige Micha Kurz gegenüber der israelischen Zeitung Maariv. "Wir können nicht länger schweigen. Wir wollen, daß jeder Soldat dies sieht und darüber spricht. Es darf nicht zugelassen werden, daß es geschieht."

Die Soldaten hatten beschlossen, daß Israel von der - wie sie es nennen - "verrückten Wirklichkeit" ihrer Erfahrungen in Hebron erfahren mußte. Hebron ist sicherlich mehr als geeignet, um an genügend Material für eine solche Dokumentation zu gelangen. 500 israelische "Siedler" leben in drei Enklaven inmitten von 130.000 Palästinensern. Darüberhinaus gehören viele der Israelis in Hebron zu den extremistischten aller "Siedler" in der West Bank. Häufig kommt es zu Übergriffen auf Palästinenser. Aber auch von palästinensischer Seite kommt es immer wieder zu Angriffen auf israelische Zivilisten und Soldaten.

In zwei Ecken der Ausstellung in einer Schule für Photographie werden Videos gezeigt, in denen Soldaten mit verzerrten Stimmen und unkenntlich gemachten Gesichtern von ihren Erfahrungen und ihrem Bedauern berichten.

Sie erzählen von der langsamen Verwandlung, die ein Soldat durchmacht, zermürbt durch Überstunden, Anspannung und Angst. Sie beschreiben, wie sie mit der Zeit aufhören, die Palästinenser als Menschen anzusehen.

"Man hat mir beigebracht, daß ein 8-jähriges Kind und eine 90 Jahre alte Frau zuallererst und insbesondere mögliche Terroristen sind, dann Palästinenser, Araber und nur als letztes - Menschen", so Kurz gegenüber der Zeitung Yediot Ahronot.

Die Photos zeigen Gruppenbilder von Soldaten, gefesselte und mit verbundenen Augen am Boden liegende Palästinenser, aber auch häufig den ganz besonderen Blickwinkel der israelischen Soldaten. So ist auf einem Photo das Fadenkreuz einer Waffe zu sehen, das auf der Brust eines Palästinensers ruht, der auf dem Dach seines Hauses steht.

Bei einem Interview mit dem Fernsehsender Channel 10 deutete der Initiator der Ausstellung, der 21 Jahre alte Yahuda Shaul auf ein Bild, daß einen israelischen Soldaten neben vier palästinensischen Jungen zeigt. "Es dauert einen Moment, um zu erfassen, was auf dem Bild vorgeht, aber es ist verrückt", sagte er. "Es sind palästinensische Kinder, die Soldaten spielen und sich gegenseitig durchsuchen. Das ist die Art, wie sie leben, was sie sich abschauen."

Die Soldaten berichten auch von Übergriffen der israelischen Armee auf palästinensische Zivilisten. Ein Soldat erinnert sich, wie ein anderer eine Blendgranate zwischen palästinensische Kinder warf "nur um die Langeweile zu lindern." Ein anderer erzählt, wie sein Kommandeur eine Hochzeitsprozession während einer Ausgangssperre anhielt und Braut und Bräutigam die Schlüssel für ihr Auto wegnahm. Als die Braut weinte, lächelte er.

In der Ausstellung werden auch über 60 Autoschlüssel gezeigt. Darunter steht auf einem kleinen Schild: "In der West Bank ist das Konfiszieren von Autoschlüsseln eine übliche Form der Bestrafung."

Die Bilder belegen auch den massiven Haß der "Siedler" auf die Palästinenser. So sind auch zahlreiche Photos von Grafittis zu sehen, die zur "Rache" aufrufen. Auf einer Wand steht "Palästinenser in die Gaskammern."

"Hebron ist der verrückteste Ort, der widersprüchlichste, der unlogischte", sagte ein ehemaliger Zugführer, der sich nur als Noam identifizierte, gegenüber Israel Radio.

"An dem Tag, als man ankommt, kommt ein kleiner jüdischer Junge, um einem Kaffee zu bringen und sich dafür zu bedanken, daß man ihn beschützt und am nächsten Tag sieht man bei einer Patrouille den selben Jungen, wie er zusammen mit einer Gruppe anderer Kinder einen alten Palästinenser mit Steinen bewirft und schlägt", sagte er.





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