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Neuartige Wahlwerbung?
16.06.2004








Wie der österreichische ORF am Mittwoch berichtete, hat Jens Ammoser, der den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder bei einer Veranstaltung geohrfeigt hatte, bei einer Kommunalwahl das beste Ergebnis aller SPD-Kandidaten erzielt.

Von den insgesamt 752 Stimmen, die an die SPD gingen, hat Ammoser einer Gemeindesprecherin zufolge allein 294 Stimmen erhalten.

Als Reaktion auf die Ohrfeige war Ammoser zwar von der SPD ausgeschlossen worden, die Kandidatur Ammosers bei den Kommunalwahlen war allerdings nicht mehr rückgängig zu machen.

Ammoser wird daher nun neben nur einem weiteren SPD-Mitglied und 10 Mitgliedern von Wählervereinigungen in den Gemeinderat seines Heimatortes Bollschweil einziehen. Der Stimmenanteil der SPD stieg dort gegenüber den Kommunalwahlen im Jahr 2000 von 13,8 auf 17,6 Prozent. Zwar konnte die SPD auch in einigen anderen Gemeinden Gewinne erzielen, in vielen anderen mußte sie allerdings auch Verluste hinnehmen, so daß der Verdacht, daß die Gewinne in Bollschweil zumindest teilweise direkt durch die Person Ammoser zu begründen sind, naheliegt.

Angesichts der allgemein katastrophalen Ergebnisse der SPD bei Wahlen in der letzten Zeit - bei der Europawahl 2004 sank ihr Stimmenanteil in Baden-Württemberg gegenüber 1999 von 26,1 auf 19,6 Prozent - stellt sich die Frage, ob die SPD nicht bald zu dem Schluß kommen wird, auf das Potential dieser neuartigen "Wahlwerbung" nicht länger verzichten zu können.

So wäre es sicherlich vorstellbar, daß Spitzenkandidaten nicht länger von der Partei bestimmt, sondern beispielsweise durch ihre Treffgenauigkeit mit Farbbeuteln ermittelt werden.

Auch ein "Dschungelcamp", in dem die Spitzenkandidaten ihre Konkurrenten - gleichgültig, ob innerhalb oder außerhalb der eigenen Partei - jeweils mehr oder wenige unangenehme Aufgaben erledigen lassen würden, hätte sicherlich die Chance auf hohe Einschaltquoten.

Ebenso könnte eine wörtlichere Auslegung des Begriffs der "Duelle von Spitzenpolitikern" im Fernsehen - beispielsweise durch Wasserpistolen - sicherlich für eine größere Beachtung sorgen.

Die Tatsache, daß Ammoser von der Mehrheit der SPD-Wähler in seinem Ort für den fähigsten Kandidaten gehalten wurde, zeigt, wie groß der Unmut in der Bevölkerung mittlerweile ist. Nicht genug, daß sein körperlicher Angriff von vielen stillschweigend als akzeptabel betrachtet wurde oder sich doch zumindest eine Schadenfreude breit machte, diese rein körperliche Tat qualifiziert ihn anscheinend in den Augen der Wähler nicht für eine Karriere als Boxer, sondern als Politiker.

Bei aller Ironie ist zu befürchten, daß dieses Wahlergebnis ein weiteres Anzeichen dafür ist, daß von Wählern immer weniger auf Wahlinhalte geachtet und immer mehr "nach Nase" entschieden wird - was angesichts der "Unverbindlichkeit" von Wahlversprechen allerdings auch kaum verwundern kann.





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