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USA morden "auf Verdacht"
19.06.2004








Wie die Agenturen meldeten, wurde ein Haus in der irakischen Stadt Fallujah am Samstagmorgen von zwei von einem US-Kampfflugzeug abgefeuerten Raketen getroffen.

Einem Bericht des arabischen Senders Al-Jazeera zufolge sind dabei 22 Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden. Andere Meldungen sprachen von 20 Toten. Es ist zu vermuten, daß sich unter den Trümmern noch weitere Opfer befinden. Anwohnern und Krankenhausmitarbeitern zufolge befinden sich unter den Toten mindestens 3 Frauen und 5 Kinder, berichtete AP.

Nach US-Angaben erfolgte der Angriff, weil man "glaubte", daß sich zu dem Zeitpunkt des Angriffs mehrere "Angehörige des al-Zarqawi-Netzwerks" in dem Haus aufhielten.

Bei der Bombardierung wurden neben dem "Ziel" ein weiteres Haus zerstört und sechs weitere teilweise schwer beschädigt.

Anwohner beschuldigten das US-Militär, absichtlich eine große Zahl von Opfern verursacht zu haben. "Die Zahl der Opfer ist so hoch, weil wir nach der ersten Rakete kamen, um die Opfer zu retten", sagte Wissam Ali Hamad. "Die zweite Rakete tötete jene, die versuchten, die Rettung durchzuführen."

US-Brigadegeneral Mark Kimmit sagte andererseits, daß durch die beiden Raketen die Explosion von in dem Haus gelagertem Sprengstoff ausgelöst worden sei. Nach seiner Aussage handelte es sich bei dem Haus um ein "bekanntes Versteck" al-Zarqawis.

Letztlich ist es völlig gleichgültig, ob es sich bei dem angegriffenen Haus tatsächlich um einen Unterschlupf al-Zarqawis - der angeblich persönlich den US-Bürger Nick Berg enthauptet hat und anderen Meldungen zufolge bereits seit längerer Zeit tot ist - oder seiner "Organisation" gehandelt hat.

Bereits vor über einem Jahr hatte der US-Präsident George W. Bush persönlich den Krieg für beendet erklärt. Hieraus läßt sich nur folgern, daß es sich - ganz abgesehen von der Fragwürdigkeit von "gezielten" Tötungen von politischen Führern in Kriegszeiten - hier um einen absichtlichen und bewußten Mordanschlag mit mindestens 20 zumindest teilweise unschuldigen Todesopfern handelt.

Schon in der Zeit, die auch von den USA als Kriegsphase bezeichnet wird, wurde etliche Male versucht, den damaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein und andere hochrangige Regierungsmitglieder durch Bomben- und Raketenangriffe zu töten. Wie der britische Guardian berichtete, führten auch diese Angriffe ausschließlich zum Tod zahlreicher Zivilisten.

Der Angriff des US-Militärs auf das Haus in Fallujah kann aus mehreren Gründen nur als kaltblütiger Mord bezeichnet werden.

Bei dem Angriff wurde nicht nur das angegriffene Haus selbst zerstört, sondern auch ein weiteres. Mehrere andere Häuser wurden ebenfalls beschädigt. Sollten die Informationen der USA richtig gewesen sein, so ist davon auszugehen, daß sie ebenfalls wußten oder zumindest vermuten mußten, daß dort Sprengstoff lagerte. Sollten die Informationen falsch gewesen sein, würde dies bedeuten, daß die Zerstörungen ausschließlich durch die US-Waffen hervorgerufen wurden.

Das Haus wurde angegriffen, obwohl nicht wirklich absolut klar war, wer sich zu diesem Zeitpunkt dort aufhielt - oder entsprechende Informationen, die auf die Anwesenheit von Frauen und insbesondere Kindern hinwiesen, wurden bewußt ignoriert.

Selbst wenn man davon ausginge, daß die US-Führung davon überzeugt war, daß sich in dem Haus zu dem Zeitpunkt des Angriffs nur "Terroristen" - die US-Definition dieses Begriffs schließt irakische Widerstandskämpfer in jedem Fall ein - aufhielten, so erfolgte der Befehl, sie zu töten doch ohne jegliches Gerichtsverfahren oder ein anderes Mittel der Schuldfeststellung - ganz abgesehen davon, daß die im US-Recht legitime Todesstrafe international geächtet ist.

Selbst, wenn man versucht, der Darstellung der US-Führung gedanklich näherzukommen, so würde dies immer noch bedeuten, daß bei einem vergleichenden Gedankenspiel der britische Premierminister Tony Blair die Bombardierung eines Hauses in Irland anordnet, von dem der britische Geheimdienst "glaubt", daß es einen Unterschlupf der IRA darstellt, bei dem 20 Menschen getötet werden.

Die Absurdität dieser Vorstellung macht deutlich, wie weit sich die USA in ihren Handlungen bereits von den Werten einer "westlichen Demokratie" entfernt haben.

Die willkürliche und vollständig ohne die Einmischung von Gerichten getroffene Erklärung von Menschen zu "Staatsfeinden, die den Tod verdienen" und den Vollzug dieser Todesstrafen ohne Rücksicht auf dabei ebenfalls betroffene Zivilisten läßt nur den Schluß zu, daß es sich bei der verantwortlichen Regierung nicht mehr um eine demokratische, sondern vielmehr um eine - zumindest in der Handlungsweise - diktatorische handelt.





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