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Schweizer Gericht läßt Klagen gegen IBM zu
22.06.2004








Ein Schweizer Berufungsgericht hat die von einer Organisation unterstützten Klagen mehrerer Roma zugelassen, in denen Entschädigungen von dem US-Unternehmen IBM gefordert werden, weil IBM durch Lieferungen an Nazideutschland mitschuldig am Holocaust sei, berichtete AP unter Berufung auf den Anwalt der Kläger am Dienstag.

In der vorangegangenen Instanz war die Klageerhebung abgelehnt worden, da das Gericht der Ansicht war, daß es für den Fall nicht zuständig sei. Im Dezember des Jahres 2000 war die Organisation GIRCA (Gypsy International Recognition and Compensation Action, Internationale Zigeuner-Bewegung für Anerkennung und Wiedergutmachung) gegründet worden. Die Planungen für die Klage begannen, nachdem im Februar 2001 das Buch "IBM und der Holocaust" des Autors Edwin Black erschienen war.

Dieser in dem Buch dargestellten Vermutung der zumindest indirekten Mittäterschaft IBMs hat sich nun das Genfer Gericht angeschlossen.

"IBMs Mittäterschaft durch materielle oder intellektuelle Unterstützung der kriminellen Taten der Nazis im 2. Weltkrieg mittels seines Genfer Büros kann nicht ausgeschlossen werden", so die Entscheidung des Gerichts. Außerdem gäbe es "bedeutende Beweise, die daraufhindeuten, daß dem Genfer Büro bewußt war, daß es diese Taten unterstützte."

Im Jahr 1936 hatte IBM ein Büro in Genf unter der Bezeichnung "International Business Machines Corporation New York, Europäische Zentrale" eröffnet. IBM verteidigt sich damit, daß die deutsche Tochterfirma der IBM, die Deutsche Hollerith Maschinen GmbH (Dehomag) schon vor dem 2. Weltkrieg von Deutschland übernommen worden war und IBM keinerlei Einfluß mehr auf das Unternehmen hatte.

Henri-Philippe Sambuc, der die klagenden Roma vertritt, steht allerdings auf dem Standpunkt, daß das Genfer Büro weiterhin auf Anordnung der Zentrale in New York den Handel mit Nazideutschland organisierte.

Lochkartenmaschinen der IBM - beziehungsweise Dehomag - wurden von Nazideutschland genutzt, um Informationen über Juden, Roma, Behinderte und weitere zur Ermordung vorgesehene Bevölkerungsgruppen zu archivieren, zu verwalten und auszuwerten. Unter den Ermordeten befanden sich insgesamt mindestens 600.000 Roma.

Sollte es den Klägern - Angehörige von in Konzentrationslagern ermordeten Roma - gelingen, in dem Verfahren zu belegen und das Gericht zu überzeugen, daß IBM die Nazis mit den Maschinen und Informationen beliefert hat, obwohl das Unternehmen um ihre Verwendung und deren Folgen wußte, so könnten die Klagen sicherlich nur als gerechtfertigt bezeichnet werden - auch angesichts der seit dem vergangenen Zeit. Gerade dieser Nachweis dürfte allerdings nur äußerst schwer zu erbringen sein.

Eine Lieferung der Maschinen ohne dieses damalige Hintergrundwissen ist zwar aus heutiger Sicht immer noch verwerflich, kann aber kaum zu einer ebensolchen Verurteilung führen. Andernfalls könnten letztlich ebenso Unternehmen, die Kraftstoff oder Öl für deutsche Panzer oder Bauern, die Kartoffeln für deutsche Soldaten verkauft haben, belangt werden.

Gelingt dieser Nachweis allerdings, so wären die von den Klägern geforderten 20.000 US-Dollar pro Fall - da es in der Schweiz nicht die Möglichkeit von Sammelklagen gibt, muß jeder Fall einzeln behandelt werden - sicherlich eher als niedrig zu bezeichnen.





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