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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Seid fruchtbar und mehret euch!
25.06.2004








Zur Zeit des Vietnamkriegs war die Aufforderung "Make love, not war" ein ebenso geflügeltes Wort wie willkommene Aufforderung.

Heutzutage stehen dem mehrere Hindernisse im Weg. AIDS verhindert das unkontrollierte kopulieren, Ängste um den Arbeitsplatz stellen die Finanzierung der Nachkommen ebenso in Frage wie die zunehmend unkontrollierte Führung von Angriffskriegen deren Sicherheit.

Von derlei Widrigkeiten will sich der CSU-Politiker Johannes Singhammer nicht beeindrucken lassen. In einem Artikel der Bild vom Freitag fordert er "mehr Sex für die Rente".

Verlogenheit ist ihm dabei sicherlich nicht vorzuwerfen, ist er doch selbst Vater von sechs Kindern. Und so fordert er: "Kinder sind unsere Zukunft! Die Deutschen müssen wieder mehr im Bett daran arbeiten."

Nun wären sicherlich die Arbeitslosen, deren Zahl in Deutschland immer weiter zunimmt, für diese neue Aufgabe geradezu prädestiniert, haben sie doch, wenn auch unfreiwillig, große Mengen Freizeit zur Verfügung - so sie denn nicht vom Arbeitsamt in eine "Maßnahme" gezwungen werden. Andererseits sind leider gerade auch die Arbeitslosen diejenigen, die sich die größten Sorgen um ihre Zukunft machen und so kaum geneigt sein dürften, zu einem Anschwellen der Bevölkerung zu sorgen.

Sollte Singhammer hier bereits den Plan im Hinterkopf haben, diese neue Betätigung durch eine Erweiterung der Genehmigungsbedingungen für "Ich-AGs" zu unterstützen, so sollte ihm allerdings auch klar sein, daß Prostituierte für ihre sachlich ähnliche Arbeit sicherlich ebenfalls entsprechende Ansprüche geltend machen würden.

Darüberhinaus sagte er, es dürfe "nicht so weit kommen, daß deutsche Männer im Ausland als Schlappschwänze verspottet werden!"

Sollte Singhammer tatsächlich der Ansicht sein, daß Männlichkeit nur durch die Zeugung möglichst vieler Nachkommen unter Beweis zu stellen ist, so würde sich sicherlich die Frage stellen, was ihn nach Ansicht der Bild zum "Familienexperten" qualifiziert, was auch durch die Informationen im Rahmen seiner Mitgliedschaft im Bundestag in keiner Weise gestützt wird.

Singhammer übersieht hier, daß die Rentenkasse zwar in der Tat ein großes Finanzierungsproblem hat, dieses aber vorrangig daher rührt, daß die Arbeitslosenzahlen selbst den offiziellen Angaben zufolge bei fast 4,3 Millionen Menschen, was einer Quote von 10,3 Prozent entspricht, liegen. Zu Zeiten der praktisch erreichten Vollbeschäftigung, als "Gastarbeiter" aus anderen Ländern angeworben werden mußten, um die entstehenden Arbeitsplätze zu füllen, mag eine solche Forderung angebracht gewesen sein.

Heute hingegen könnte hierdurch nur eine weitere Vergrößerung des Heers der Arbeitslosen erreicht werden. Will man Singhammer also nicht unterstellen, daß er hier durch die Ausnutzung des kapitalistischen Prinzips von Angebot und Nachfrage den Preis der Arbeit - also die Löhne - senken will, so ist ihm sicherlich zumindest äußerste Kurzsichtigkeit, wenn nicht gar Blindheit, vorzuwerfen. Bemerkenswert ist dies insbesondere im Hinblick auf seine Forderung, die "Zuwanderung weiter zu begrenzen", da "Deutschland bei über viel Millionen Arbeitslosen nicht noch mehr unkontrollierte Zuwanderung verkraften" könne.

Aber auch die beipflichtende Forderung des hessischen CDU-Abgeordneten Armin Klein spricht eine ebenso deutliche wie weltfremde Sprache. So forderte er "Mehr Mut zum Sex mit Folgen! Die Selbstverwirklichung, die bei vielen zum Leben ohne Kinder geführt hat, ist in die Hose gegangen."

Da die Evolution des Menschen noch nicht so weit - oder schon zu weit - fortgeschritten ist, daß eine Selbstbefruchtung mit anschließender Vermehrung möglich ist, ist es kaum verwunderlich, daß die von Klein genannte, "in die Hose gehende" "Selbstverwirklichung" nicht dazu führt, daß sich "die Deutschen" wunschgemäß vermehren.





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