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Hat Polen im Irak Massenvernichtungswaffen gefunden?
02.07.2004








Am Donnerstag berichtete der österreichische Standard, daß polnische Soldaten im Irak "ungefähr 16 oder 17 Gefechtsköpfe" gefunden haben, die die chemischen Kampfstoffe Senfgas und Sarin enthielten.

Dies habe der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski Anfang der Woche dem US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld beim NATO-Gipfel in Istanbul mitgeteilt, sagte Rumsfeld in einem Interview mit dem Radiosender Newsradio 600.

"Nun, dies sind Waffen, von denen wir immer wußten, daß Saddam Hussein sie hatte, die er nicht deklariert hatte und sie [die polnischen Soldaten] haben sie getestet und ich habe sie nicht gesehen und ich habe sie nicht getestet, aber sie glauben, daß sie damit Recht haben, daß es tatsächlich undeklarierte chemische Waffen - Sarin und Senfgas - waren, ziemlich tödlich, und diese Entdeckung geschah in den vergangenen Tagen", so Rumsfeld.

Der Eindruck, der hier sicherlich nicht zufällig von Rumsfeld erweckt und kritiklos vom Standard übernommen wurde, ist allerdings grundlegend falsch.

So zeigt ein Blick in die von USA Today veröffentlichte AP-Meldung, daß die polnischen Soldaten bereits "Anfang Juni" zwei Gefechtsköpfe in einem Bunker gefunden hatten. Ein Test - es ist anzunehmen, daß hier der üblichen Vorgehensweise entsprechend ein ebenso schneller wie ungenauer Feldtest durchgeführt worden ist - ergab, daß sie Cyclosarin enthielten.

"Es gibt keinen Zweifel, daß die Gefechtsköpfe chemische Waffen enthalten", sagte er.

"Später im Juni" sind nach Angaben Szmajdzinski gegenüber dem Fernsehsender TVN24 weitere 12 Gefechtsköpfe gefunden worden, die im Irak und in den USA getestet worden seien.

Wirklich schwerwiegend ist allerdings der Zustand der gefundenen Waffen. "Einige von ihnen sind stark verrostet. Sie sind nicht einsatzfähig, aber eine Gefahr für die Umwelt", so Szmajdzinski. "Die Frage ist, aus welcher Zeit sie stammen, der des [Persischen] Golfkriegs [gegen den Iran] oder früher", sagte er.

Selbst der polnische Verteidigungsminister ist also überzeugt, daß die gefundenen Waffen mindestens 16 Jahre alt - der Iran-Irak-Krieg endete im Jahr 1988 - sein müssen. Diese Auffassung beruht sicherlich nicht zuletzt auf dem äußerst schlechten Zustand der Waffen.

In einem in Buchform erschienenen Interview ("Krieg gegen den Irak") sagte der frühere UN-Waffeninspekteur im Irak Scott Ritter: "Sarin und Tabun haben bei der Lagerung eine Lebensdauer von fünf Jahren. Selbst wenn der Irak es geschafft hätte, diese ungeheuren Mengen an Kampfstoffen vor den Inspekteuren geheim zu halten, enthielten ihre Depots heute nur noch unbrauchbare und harmlose Schmiere."

Nicht einmal die US-Führung selbst scheint von dem "Fund" wirklich überzeugt zu sein, da die Berichte hierüber bisher äußerst spärlich sind.

Rumsfelds Behauptung, erst vor einigen Tagen überhaupt von dem "Fund" erfahren haben zu wollen, ist sicherlich angesichts der möglichen Tragweite und der seit Beginn der Besatzung verzweifelt geführten Suche mehr als unglaubwürdig. Daß er ausdrücklich nicht auf ihr Alter eingeht zeigt, daß auch ihm bewußt ist, daß dies bedeutet, daß sie mittlerweile praktisch wirkungslos sind.





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