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Mit Sanktionen und Bomben gegen den Hunger
26.07.2004








Es ist ja nicht so, als hätte sich erst am vergangenen Wochenende herausgestellt, daß hunderttausende Menschen im Sudan unmittelbar durch Hunger und andere Versorgungsmängel vom Tod bedroht sind.

Bereits Anfang Juni sprach der Leiter der US Agency for International Development (USAID, "US-Behörde für internationale Entwicklung") Andrew Natsios von "bestenfalls" 300.000 Todesopfern - wenn die Hilfslieferungen zum damaligen Zeitpunkt unverzüglich begonnen hätten.

Währenddessen streitet sich die "internationale Staatengemeinschaft" über die Einrichtung von Sanktionen gegen den Sudan und denkt darüber nach, Soldaten in das Land zu entsenden.

Sicherlich ist der Sudan alles andere als eine friedliche Gegend - die eine Million Flüchtlinge haben nicht aus Wanderlust ihre Heimat verlassen und die Lage ist alles andere als übersichtlich.

Möglich, daß die Janjaweed, eine Seite des Konflikts, von der sudanesischen Regierung mit Waffen, Geldmitteln und weiteren Gütern unterstützt werden. Ebenso möglich auch, daß dieser Vorwurf nur von der gegnerischen Seite erfunden wurde, um ein internationales "Eingreifen" zu erzwingen.

Möglich auch, daß für eine endgültige Klärung der Lage tatsächlich "neutrale" ausländische Truppen hilfreich wären, sei es nun, weil die Regierung in Khartoum nicht gegen die Rebellen vorgehen kann oder weil sie es nicht kann.

Ebenso möglich auch, daß die USA, die besonders auf ein "hartes Vorgehen" drägen, in Wahrheit ein weiteres Mal vor allem den Blick auf Erdöl geworfen haben. So hat die indische Regierung am 24. Juni dieses Jahres einen Vertrag zwischen der sudanesischen Regierung und der indischen Ölgesellschaft ONGC Videsh gebilligt, in dessen Rahmen ONGC eine 741 Kilometer lange Pipeline im Sudan errichten und im Gegenzug Rohöl erhalten wird. ONGC schätzt, daß das Unternehmen in diesem und dem nächsten Jahr insgesamt ungefähr 800 Millionen US-Dollar investieren wird.

Was auch immer letztendlich der Grund für die humanitäre Katastrophe im Sudan sein mag und unabhängig davon, wie diese mittelfristig behoben werden kann, kurzfristig sind sicherlich weder Sanktionen noch Bomben dabei hilfreich, zu verhindern, daß eine Million Menschen in dem Land verhungern.

Dieser Ansicht ist offensichtlich auch Rowan Gillies, internationaler Präsident der Organisation Médecins Sans Frontières (MSF, "Ärzte ohne Grenzen"). In einer am Montag veröffentlichten Erklärung zeigte er sich äußerst besorgt über die Tatsache, daß die Menschen in der Region nicht annähernd die Hilfe bekomme, die sie benötigen.

"Ich bin insbesondere über die Nahrungssituation besorgt", sagte er. "Beispielsweise haben in einem großen Lager bei El Geneina nur 35 Prozent der vertriebenen Menschen eine Karte, die sie zum Empfang von Lebensmitteln der UN berechtigt. Und das letzte Mal, daß sie welche bekamen, war Ende Mai - oder über sieben Wochen her."





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