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"Ärzte Ohne Grenzen" verläßt Afghanistan
28.07.2004








Die Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières (MSF, "Ärzte Ohne Grenzen") hat einer AP-Meldung vom Mittwoch zufolge angekündigt, sich vollständig aus Afghanistan zurückziehen zu wollen.

Die Hilfsorganisation, die nach eigenen Angaben seit 1980 in Afghanistan tätig war, hatte sich nach einem Anschlag auf ein eindeutig gekennzeichnetes Fahrzeug am 2. Juni bereits vollständig in die Hauptstadt Kabul zurückgezogen. Damals waren alle 5 Insassen des Fahrzeugs - drei europäische und zwei afghanische Mitarbeiter der Organisation - in der Provinz Badghis erschossen worden.

Ein vorgeblicher Sprecher der Taliban hatte nachfolgend die Verantwortung übernommen und erklärt, daß sie getötet worden seien, weil sie für die Amerikaner gearbeitet hätten. Die afghanische Polizei hat zwar insgesamt 13 Menschen im Zusammenhang mit dem Fall verhaftet, in der Zwischenzeit sind aber alle wieder freigelassen worden.

Als Begründung für den geplanten Abzug gab MSF drei Gründe an: die hohe Gefährdung seiner Mitarbeiter in Afghanistan, Enttäuschung über die erfolglose Untersuchung und die Benutzung der Organisation durch das US-Militär für "politische und militärische Zwecke".

Es ist nicht sicher, ob die Ermordung der fünf Menschen wirklich von Kämpfern der Taliban begangen wurde. Einerseits liegt die Provinz Badghis im Nordwesten Afghanistans, weit entfernt von den Provinzen, in denen es häufig zu Kämpfen kommt und auch Untersuchungsbeamte schließen nicht aus, daß der wahre Hintergrund in einer Fehde zweier örtlicher "Warlords" zu suchen ist, andererseits bestätigt MSF aber durch den letztgenannten Grund für den Abzug auch den vorgeblich von den Taliban erhobenen Vorwurf der Zusammenarbeit mit dem US-Militär.

Für die Menschen in Afghanistan ist der wahre Hintergrund in jedem Fall unerheblich, für sie stellt der Abzug der MSF eine Katastrophe dar. Die Organisation hatte bisher mit 80 ausländischen und 1.400 afghanischen Mitarbeitern medizinische Versorgung in 13 der 34 Provinzen des Landes zur Verfügung gestellt. Die zu erwartenden Konsequenzen haben der Organisation diese Entscheidung sicherlich nicht leicht gemacht. Dieser Fall verdeutlicht einmal mehr die katastrophale Sicherheitslage in Afghanistan seit der "Befreiung" durch die US-geführten Truppen.





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